19. November 2020 / 19:19 Uhr

Peiner Trainer hoffen auf Rückkehr von Hummels und Müller

Peiner Trainer hoffen auf Rückkehr von Hummels und Müller

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Thomas Müller (rot) und Mats Hummels - hier im Spiel gegeneinander - sind für viele die Hoffnungsträger nach dem 0:6 gegen Spanien.
Thomas Müller (rot) und Mats Hummels - hier im Spiel gegeneinander - sind für viele die Hoffnungsträger nach dem 0:6 gegen Spanien. © dpa-pool
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Nach dem 0:6-Schock gegen Spanien steht Bundestrainer Joachim Löw in der Kritik. Auch Peiner Trainer wünschen die Rückkehr von aussortierten Spielern wie Mats Hummels und Thomas Müller.

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Der Schock sitzt immer noch tief. Das 0:6 der Fußball-Nationalmannschaft in Spanien wirft viele Fragen auf. Eine davon: Sollten die aussortierten Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng zurückkehren? Und woran lag die desaströse Niederlage? Die PAZ fragte bei Peiner Trainern nach deren Meinung.

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„Der Umbruch nach der Weltmeisterschaft 2018 ist zu abrupt und zu schnell erfolgt. Man braucht Spieler, die 30 oder 31 sind, nicht auszusortieren“, meint Jürgen Simon, Trainer des Bültener SC. Ihm habe vor allem im defensiven Mittelfeld beim Spiel in Spanien jemand gefehlt, der „dazwischen geht“. Auch vorher seien die Spiele der deutschen Nationalelf nicht immer toll gewesen. „Siege gegen Kleine wurden schön geredet.“

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Bundestrainer Joachim Löw müsse über seinen Schatten springen und die drei Aussortierten zurückholen. „Wenn ihm das nicht gelingt, sollte es auf dem Posten einen Wechsel geben“, meint Simon. Hansi Flick werde man dafür bei Bayern München nicht weg bekommen. Aber auch Stefan Kunz leiste bei Deutschlands U21 gute Arbeit. „Und der kennt die internen Abläufe beim DFB genau.“

„Man kann von draußen nichts tun“

Dass Löw im jüngsten Länderspiel relativ regungslos blieb, als sich das Desaster anbahnte, wirft ihm Thomas Mainka nicht vor. „Das ist seine Art“, meint der Trainer des TSV Wendezelle. „Und ich weiß, wie es ist, wenn man Klatschen bekommt. Man kann von draußen nichts tun. Erst recht nicht, wenn das Führungspersonal auf dem Platz fehlt.“

Das Spiel habe gezeigt, dass der Weg, für den sich das Trainerteam entschieden hat, so nicht funktioniert. „Die Frage ist jetzt: Hat Löw die Größe, zurückzurudern und Spieler zurückzuholen? Konzepte sind gut und schön, aber es müssen die Leistungsstärksten spielen! Wenn Spieler permanent gute Leistungen bringen, gehören sie in die Nationalmannschaft – erst recht, wenn der Leistungsabstand zu den jetzt Spielenden so viel höher ist.“ Die deutschen Spieler seien zweikampfschwach und geistig langsam gewesen. „Die Spanier waren uns auch im Spiel ohne Ball um Welten voraus. Das war mehr als ein Zwei-Klassen-Unterschied“, meint Mainka.

Gegen Spanien habe kein Team auf dem Platz gestanden, in dem einer für den andern durchs Feuer geht. „Es war erschreckend, dass so wenig zusammenpasst.“ Umso mehr seien Taktgeber und Führungsspieler nötig. „Das sind Gnabry und Sané nicht. Aber sie haben bei Bayern Müller hinter sich, der ihnen sagt, was sie tun sollen.“

„Hinten war es ein Hühnerhaufen“

„Die Deutschen liefen, als ob sie total kaputt oder unmotiviert sind. Die Spanier dagegen wollten gewinnen“, stellte Adler Hämelerwalds Trainer *Peter Wedemeyer * fest. „Es fehlte die Struktur, hinten war es ein Hühnerhaufen. Es sah aus wie bei uns in der Bezirksliga, wenn die Orientierung verloren geht.“ Ein wenig könne er mangelnde Begeisterung angesichts der Belastung eventuell verstehen. „Wenn sie sich qualifiziert hätten, hätten sie nach der EM noch ein Turnier spielen müssen.“ Das ändert aber nichts an Wedemeyers Urteil: „Die Leistung war eine Frechheit.“

Auch er plädiert dafür, aussortierte Spieler zurückzuholen. „Das Alter ist kein Argument. Bei den Spaniern spielt Sergio Ramos mit 34 Jahren.“ Den stelle niemand infrage. „Nimmt man diese und die vergangene Saison als Maßstab, müssen Hummels und Müller dabei sein. Die Frage ist nur: Wären sie bereit, nochmal unter Löw zu spielen, von dem sie ausgebootet wurden? Unter einem anderen Bundestrainer wäre die Chance wohl größer. Aber wer würde das Himmelfahrtskommando jetzt übernehmen? Ralf Rangnick wäre ein Kandidat – aber er könnte nach der EM bei Null anfangen, jetzt würde er im Minus beginnen.“

„Hummels wäre laut gewesen“

Auch Fortuna Obergs Trainer *Hubert Meyer * würde Hummels und Müller zurückholen. „Kroos war gegen Spanien nie zu hören. Hummels wäre laut gewesen!“ Dass sich Löw taktisch oft zu sehr nach dem Gegner richtet, hält Meyer auch nicht immer für förderlich. „Wir waren Tabellenführer und konnten uns für die Endrunde qualifizieren. Da trete ich doch mit breiter Brust auf, statt erstmal defensiv zu beginnen. Dieser psychologische Vorteil wurde aus der Hand gegeben. Das war für mich ein taktischer Fehler.“

Von Matthias Press