10. November 2021 / 18:27 Uhr

Perfekte Europameisterschaft kostet Leipzig einige Extra-Millionen

Perfekte Europameisterschaft kostet Leipzig einige Extra-Millionen

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Philipp Lahm (r.) und Botschafterin Célia Šašić (M.) waren im Rahmen der Aktion Euro-Städtewoche in Leipzig.
Philipp Lahm (r.) und die Botschafterin Célia Šašić (M.) haben der Stadt Leipzig Zwecks Vorbereitungen auf die EM 2024 einen Besuch abgestattet. © Dirk Knofe
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Leipzig ist einer der Austragungsorte für die Euro 2024. Deshalb sind Orga-Chef Philipp Lahm und Botschafterin Célia Šašić im Rahmen der Euro-Städtewoche an der Pleiße zu Gast. Bei einem gemeinsamen Termin mit Sportbürgermeister Heiko Rosenthal informierten sie über den Stand der Vorbereitungen.

Leipzig. Ein bisschen ist alles wie früher. Philipp Lahm steht hinterm Mikrofon und lächelt den Pressevertretern zu. Das Lahm-Lächeln, das Sympathieträger-Lächeln, das Saubermann-Lächeln. Kein Wunder, dass der zuletzt eher selten erbauliche Schlagzeilen produzierende Deutsche Fußball-Bund ihn zum Turnierdirektor der Fußball-Europameisterschaft ernannt hat. Als solcher ist der 38-Jährige am Mittwoch im Euro-Austragungsort Leipzig zu Gast und verkündet gemeinsam mit einigen Fahrensleuten mehr oder minder frohe Botschaften.

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„Schön“, „phänomenal“, „perfekt“, „begeisternd“ – die Superlative fallen wie Eintagsfliegen. Fehlt nur noch, dass jemand das schöne Wetter über der Arena mit reinzieht. Unter der Oberfläche kleben aber auch weniger freudige Neuigkeiten. „Es gibt schon ein paar Punkte, die wir nachbessern wollen und müssen“, sagt Sportbürgermeister Heiko Rosenthal. Lahm spricht von „kleinen Anpassungen“. Die sollen die Stadt einen „zweistelligen Millionenbetrag“ kosten, wie Rosenthal hinzufügt.

DURCHKLICKEN: Die Bilder aus der Arena Leipzig.

Philipp Lahm war als EM-Turnierdirektor zusammen mit Botschafterin Célia Šašić in Leipzig zu Gast Zur Galerie
Philipp Lahm war als EM-Turnierdirektor zusammen mit Botschafterin Célia Šašić in Leipzig zu Gast ©

Klingt nach einer ziemlichen Anhäufung von Kleinigkeiten. „Parken, Mobilität, Verkehr, Sicherheit“, zählt Euro-Geschäftsführer Markus Stenger auf. „Eine Euro ist eben ein anderes Kaliber als ein Liga- oder Champions-League-Spiel. Es kommt ein anderes Publikum. Fans, die die Strukturen und Wege nicht kennen. Das müssen wir optimieren und zu einem anderen Standard kommen.“ Der geht offenbar einigermaßen ins Geld. Rosenthal ergänzt weitere Kostentreiber: Rettungsdienst, Polizei, Rahmenprogramm, Fanfest.

Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt

Wesentlich glücklicher kündet der Sportbürgermeister von einer „Bewerbung der kurzen Wege. Der Weg vom Augustusplatz zum Stadion kann durchaus zum Erlebnis werden.“ Denn: Neben den 96 Straßenbahnen, die pro Stunde zum Stadion rollen, sollen die Schlachtenbummler vornehmlich zu Fuß oder per Rad das Herz des Fußballs erreichen. Auch Park and Ride soll eine größere Rolle spielen.

Womit das Thema erreicht wäre, was die Organisatoren ganz gern ins Zentrum ihrer Kampagne rücken würden: „Nachhaltigkeit. Die wird in Leipzig bereits mit Leben gefüllt“, meint Stenger, der sich nicht weniger als „ein perfektes Turnier für alle Menschen“ erhofft.

Angesichts derart fulminanter Ansprüche verbreitet Philipp Lahm selbst dann noch gute Laune, wenn die Themen eher schwierig werden. Etwa die zuletzt fehlende Begeisterung um das Nationalteam und eine immer größer werdende Kluft zwischen Spielern und Fans. Euphorie könnten nur alle Beteiligten zusammen entfachen. „Wenn die Mannschaft wieder begeisternd spielt, hilft uns das allen. Ich bin sehr zuversichtlich, was das betrifft“, sagt der 2014er Weltmeister.


Welche Spiele bekommt Leipzig?

Auch RB-Repräsentant Perry Bräutigam darf noch etwas sagen, schließlich stellen die Rasenballer ihr Stadion für die Titelkämpfe zur Verfügung. „Die Vier hat uns immer Glück gebracht. „1954, 1974, 2014 und jetzt 2024“, erinnert Bräutigam an vergangene Triumphe der DFB-Elf (wohlgemerkt bei der WM, die EM-Titel fallen in die Jahre 1972, 1980 und 1996).

Was das rein Sportliche betrifft, ist freilich alles noch im Fluss. Im April 2022 soll bekanntgegeben werden, wie viele Spiele überhaupt in Leipzig stattfinden. Klar ist dagegen: Auf der Neuen Messe wird das Medienzentrum des Turniers beheimatet sei.

Eines steht für Geschäftsführer Stenger bereits fest: „Es wird anders sein als 2006.“ Also kein neuerliches Sommermärchen? Philipp Lahm erwidert: „Wir brauchen ein solches Turnier alle 15, 20 Jahre. Das bringt uns als Gesellschaft wieder enger zusammen.“