23. Juli 2020 / 17:48 Uhr

Personeller Umbruch bei Inter Türkspor Kiel

Personeller Umbruch bei Inter Türkspor Kiel

Michael Felke
Kieler Nachrichten
Rezan Acer kam in der abgelaufenen Oberliga-Saison als einziger Türkspor-Spieler in allen Partien zum Einsatz.
Rezan Acer kam in der abgelaufenen Oberliga-Saison als einziger Türkspor-Spieler in allen Partien zum Einsatz. © Uwe Paesler
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Mit einem blauen Auge davon gekommen ist Inter Türkspor Kiel. In der Abschlusstabelle waren die Kieler Drittletzter und rangierten auf einem Abstiegsplatz. Doch trotz der schwachen Ausbeute von nur fünf Siegen in 20 Spielen und einer Bilanz von 29:54 Toren bei 16 Punkten bleibt Türkspor Oberligist. Die Ausnahmeregelung, dass es aufgrund der Corona-Krise keine Absteiger gibt, bescherte dem Ostuferclub unverhofft den Klassenerhalt am grünen Tisch und eine zweite Chance.

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„Das ist, als wenn man in der Schule sitzen bleibt, dann aber doch noch eine Klasse aufrücken kann. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir zu Recht dort sind. Wir müssen vieles viel besser machen. Das wird nicht einfach“, weiß Rezan Acer, Mittelfeldmotor von Türkspor. Konkreter wird Neu-Trainer Jörg Ahrens, der an der Defensivarbeit und dem Spiel gegen den Ball arbeiten will. „Wir müssen die Ballbesitzphasen erhöhen“, kennt der Coach eine Ursache für das schlechte Abschneiden in der Vorsaison.

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Viele Angriffe wurden überhastet oder gar nicht abgeschlossen und der Ball ging rasch verloren. Die gegnerischen Konter überforderten eine ungeordnete Inter-Deckung, die einfache Tore kassierte oder sich oft nur durch Fouls zu helfen wusste. Zudem gab es eine Fülle von Gegentreffern nach Standartsituationen. Durchschnittlich 2,7 Tore pro Spiel mussten die Kieler schlucken. Der Wert eines Absteigers. Das war zwar auch in den Vorjahren kaum besser (2,25 und 2,3). Doch da schoss Inter noch doppelt so viele Tore und konnte die mäßigen Abwehrleistungen ausgleichen. Im letzten Jahr jedoch hatte der Inter-Angriff, der mit Rezan Acer, Alban Jasari und Driton Gashi hochkarätig besetzt ist, oft Ladehemmung. Zudem fiel Top-Torjäger Erdogan Cumur die Hälfte aller Spiele verletzt aus.

„Wir müssen das taktische Verhalten als Einzelspieler und in der Gruppe stark verbessern“, so der Coach, auf den allerdings noch eine Herkulesaufgabe zukommt: Die Integration von 15 neuen zumeist ganz jungen Spielern. Auf der anderen Seite haben acht erfahrene Spieler den Verein verlassen. „Wir haben viel zu tun. Aber das Talent der jungen Spieler, der enorme Ehrgeiz und die Einstellung der gesamten Mannschaft stimmen mich optimistisch, dass wir das packen“, glaubt Ahrens, der immerhin zwei oberligaerfahrene Routiniers verpflichten konnte. Die Mittelfeldspieler Alper Kerim Gürsoy (VfB Lübeck II) und Christian Sankowski (Eutin 08) sollen im Zentrum für Ruhe und Stabilität sorgen. Als Führungsspieler für die acht Zugänge aus der A-Jugend sieht Trainer Ahrens auch den letztjährigen Kapitän Erdogan Cumur sowie Dauerbrenner Rezan Acer, der alle 20 Spiele bestritt. Und in Sachen Einsatz, Kampf und körperbetontem Spiel werden die Youngster von Defensivakteur Tino Kern sicher viel lernen können.

Inter Türkspor Kiel glaubt sich personell gut genug aufgestellt, um auf Oberliganiveau konkurrenzfähig zu sein. Doch erst, wenn die Neuzugänge zünden und der Angriff zur alten Torgefahr zurückfindet, ist der erste Schritt Richtung Klassenerhalt getan. Stimmt dann auch noch das Defensivverhalten, sind die Chancen auf den Klassenerhalt realistisch. Mehr wird allerdings nicht drin sein. Bei mindestens fünf Absteigern geht es für Inter Türkspor Kiel von Anfang an nur ums Überleben.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Zur Saison 2015/16 wechselte Dominik Schmidt von Preußen Münster zu Holstein Kiel. Bei den „Störchen“ war Schmidt in der Innenverteidigung bis November 2019 unter wechselnden Cheftrainern Stammkraft. 2017 stieg er mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf, ein Jahr später scheiterte man in der Aufstiegsrelegation am VfL Wolfsburg. Bis zu seinem Vertragsende im Sommer 2020 stand der Berliner in 154 Pflichtspielen für Kiel auf dem Platz und war zeitweise auch stellvertretender Mannschaftskapitän. Zur Saison 2020/21 wechselte er zum Drittligisten MSV Duisburg. Zur Galerie
Zur Saison 2015/16 wechselte Dominik Schmidt von Preußen Münster zu Holstein Kiel. Bei den „Störchen“ war Schmidt in der Innenverteidigung bis November 2019 unter wechselnden Cheftrainern Stammkraft. 2017 stieg er mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf, ein Jahr später scheiterte man in der Aufstiegsrelegation am VfL Wolfsburg. Bis zu seinem Vertragsende im Sommer 2020 stand der Berliner in 154 Pflichtspielen für Kiel auf dem Platz und war zeitweise auch stellvertretender Mannschaftskapitän. Zur Saison 2020/21 wechselte er zum Drittligisten MSV Duisburg. ©

Abgänge: Shpend Meshekrani, Christoph Schimming, Kenan Hasicic (alle FC Kilia Kiel), Kevin Wendt, Hüsnü Özdemir, Mathias Wrzesinski, Kastriot Alija (alle Ziel unbekannt), Yusuf Eser (SV Friedrichsort), Veton Hodaj (legt eine berufl. bedingte Pause ein).

Kader:

Tor: Nico Ganzel, Mert Kizilay (eigene Zweite), Lenny Rolfs (A-Jugend SpVg Eidertal Molfsee).

Abwehr: Makuiza Kiala, Jan Schilling (beide A-Jugend SpVg Eidertal Molfsee), Kosovar Morina, Jeremy Osaro (beide FC Kilia Kiel), Fabian Pauls, CoskunYamak, Yigit Baki, Tino Kern, Warhel Amadi.

Mittelfeld: Jeppe Waschko, Batuhan Ibrahimoglu (beide A-Jugend SpVg Eidertal Molfsee), Niko Dymek, Rezan Acer, Arian Jashari, Samed Erol (SpVg Eidertal-Molfsee), Alper Gürsoy (VfB Lübeck II), Tom Schmidtke (A-Jugend Holstein Kiel), Christian Sankowski (Eutin 08).

Angriff: Melih Cerah (A-Jugend TSV Kronshagen), Mahsun Dogan (Heikendorfer SV),
Alban Jashari, Driton Gashi, Mikail Akgün, Erdogan Cumur, Mirsat Demirci, Yannick Hagemann (A-Jugend SpVg Eidertal Molfsee).

Trainer: Jörg Ahrens. Co-Trainer: Güngör Gözekci. Torwart-Trainer: Bülent Seker. Manager: Berkant Özel. Betreuer: Heiko Klening. Physiotherapeutin: Greta Cleve.

Favoriten: SV Todesfelde, SV Eichede, PSV Neumünster, TSB Flensburg.