31. Juli 2019 / 06:00 Uhr

Trainer Peter Bosz über seinen Plan mit Bayer, Ersatz für Brandt und Zweifel an Barca-Juwel de Jong

Trainer Peter Bosz über seinen Plan mit Bayer, Ersatz für Brandt und Zweifel an Barca-Juwel de Jong

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der frühere BVB-Trainer Peter Bosz übernahm Bayer Leverkusen im Dezember 2018 von Heiko Herrlich.
Der frühere BVB-Trainer Peter Bosz übernahm Bayer Leverkusen im Dezember 2018 von Heiko Herrlich. © Getty
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Trainer Peter Bosz blickt im SPORTBUZZER-Interview auf die kommende Saison mit Bayer Leverkusen voraus und erklärt, wie er den Abgang von Julian Brandt auffangen will. Zudem spricht er über die Top-Talente Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt, die er bei Ajax einst in den Profikader holte.

SPORTBUZZER: Herr Bosz, Sie haben in dieser Vorbereitung den Fitness-Zustand der Spieler bemängelt und gesagt, die Kondition reiche nur für 30 Minuten. Wie wollen Sie daraus 90 machen?

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Peter Bosz (55): Ich habe nichts bemängelt, sondern nur den Fitness-Zustand der Mannschaft zum damaligen Zeitpunkt beschrieben – der aber eben ganz normal war in dem Moment. Wir versuchen in den insgesamt sechs Wochen Vorbereitung unsere Kondition auf unsere Spielweise abzustimmen. Unser Spiel beinhaltet immer wieder sehr viele kleine Sprints mit einer kurzen Erholung – das ist sehr intensiv.

Sie trainieren einmal täglich richtig hart und teilen die Kräfte nicht wie viele andere Bundesliga-Trainer auf zwei Einheiten auf. Warum?

Das ist die Erfahrung, die ich in meinen Jahren als Trainer gemacht habe. Die Spieler müssen nach dem Urlaub wieder ihre Kräfte und Kondition aufbauen. Wenn man am Anfang sehr hart trainiert, dann ist das Verletzungsrisiko sehr groß. Wenn man eine Kondition sehr schnell aufbaut, geht diese am Ende auch wieder schnell weg.

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Sie haben sich selbst in ihrer aktiven Karriere als Spielzerstörer beschrieben, lassen aber als Trainer Offensivfußball spielen. Wie passt das?

Als ich vor 20 Jahren das erste Mal auf der Bank saß, wusste ich gar nicht, was für ein Typ ich als Trainer werde. Mein Gefühl sagt mir jetzt, dass ich gerne den Ball habe. Guter Fußball ist attraktiv, offensiv, mit vielen Chancen, einigen Toren und viel Druck nach vorne. Die Fans lieben das. Die Spiele sind für die Zuschauer, nicht für mich oder die Spieler. Wir wollen die Fans entertainen.


Wie sehr hat Sie Ihr Trainer-Idol Johan Cruyff beeinflusst?

Johan Cruyff war in Holland ein Revolutionär. Das hat angefangen mit den mitspielenden Torhütern und der Dreierkette. Die Spiele waren immer offensiv und attraktiv. Er hatte keine Angst, anders zu sein als die Trainer vor ihm. Ich habe immer gerne die Spiele von seinen Mannschaften angeschaut.

Welche Trainertypen bewundern sie heute?

Pep Guardiola und Jorge Sampaoli gefallen mir. Es sind beides Trainer, die ich aufgrund der Spielweise sehr schätze. Ich möchte ein Beispiel nennen: Es passiert mir, dass ich beim Fußballgucken mal nach 20 Minuten auf mein Handy sehe, weil die Spiele nicht so interessant sind. Ich möchte eigentlich immer, dass ich 90 Minuten lang gar nicht auf mein Handy schaue – dann habe ich viel Spaß und auch der Trainer hat alles richtig gemacht. Ich hoffe, dass die Fans von Bayer bei unseren Spielen nie auf ihr Handy gucken.

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Gibt es für Sie auch einen Spieler, den Sie bestaunen?

Da gibt es viele. Und das aus unterschiedlichen Gründen. Wenn man zum Beispiel Messi und Ronaldo miteinander vergleicht, dann kann ich einen Unterschied ausmachen. Beide sind großartige Spieler. Aber Messi hatte von Anfang an ein riesiges Talent, Ronaldo hat sich alles hart erkämpft und erarbeitet.

Ihren Ex-Klub Ajax Amsterdam dürften Sie besonders in der vergangenen Saison verfolgt haben. Wie sehr waren Sie vom Abschneiden in der Champions League überrascht?

Das hat richtig Spaß gemacht. Nach einem sehr überzeugenden Gruppen-Spiel hatte ich Sportdirektor Marc Overmars geschrieben, dass sie die Champions League gewinnen können. Es gab in der letzten Spielzeit nicht viele Mannschaften, die so hoch Druck gemacht haben.

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Mit Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt haben zwei Stützen Ajax verlassen. Sind sie bereit für die Top-Klubs FC Barcelona und Juventus Turin?

Ich habe beide Spieler bei Ajax von der Jugend in den Profibereich geführt. Bei Frenkie sehe ich zumindest ein Fragezeichen, bei Matthijs nicht. Bei Barcelona ist die Konkurrenz sehr groß. Frenkie hat bislang nur ein Jahr auf diesem hohen Niveau gespielt. Bei mir war er damals noch nicht so weit und hat nicht sehr viel gespielt. Er wird sich jetzt beweisen müssen. Matthijs dagegen hat schon mit 16 Jahren bei mir eine wesentliche Rolle gespielt. Er war körperlich und auch im Kopf schon immer viel weiter als die anderen in seinem Alter.

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Ihr Spielstil wurde beim BVB als zu naiv beschrieben. Welche Fehler haben Sie gemacht?

Ich möchte über die Fehler nicht sprechen, die habe ich abgehakt. Kein Mensch lebt ohne Fehler. Ich analysiere alle Spiele meiner Mannschaft bis zu viereinhalb Stunden lang. Und dann versuche ich, aus den Fehlern zu lernen und dies meinen Spielern zu vermitteln. Oft sind es auch nur kleine Details, die ich in meinem Buch notiere. In der letzten Saison hat keiner gesagt, dass die Spielweise naiv ist – obwohl ich noch offensiver spielen lassen habe als in Dortmund. Ich folge meinen eigenen Ideen und werde das bis zum Ende meiner Karriere machen.

Wie wollen Sie Julian Brandt ersetzen und packt er es beim BVB?

Es kann kein Spieler Julian eins zu eins ersetzen. Aber vielleicht macht es ein anderer Spieler auf seine Weise noch viel besser.Und wenn das nicht direkt klappt, dann müssen wir vielleicht unsere Spielweise oder Philosophie etwas verändern. Zum BVB: Ich möchte nicht über andere Mannschaften urteilen. Klar, es sind große Namen mit individueller Klasse, nicht nur Julian. Aber ob diese Spieler auch in das Team passen, muss man erst noch sehen.

SPORTBUZZER-Mitarbeiter René Wenzel im Gespräch mit Peter Bosz.
SPORTBUZZER-Mitarbeiter René Wenzel im Gespräch mit Peter Bosz. © privat

Früher wurde Bayer Leverkusen oft als "Vizekusen" verspottet. Jetzt dürfte man sich eher darüber freuen …

Ich habe diesen Begriff erst vor Kurzem gehört und weiß jetzt, was es bedeutet. Es war nie positiv gemeint, und daher würde ich mich darüber sicher nicht freuen. Es wurde damals unterstellt, dass der Verein nie da ist, wenn es darauf ankommt. Meine Mannschaft ist nicht so. Das hat man in den letzten vier, fünf Monaten gesehen. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, auch und besonders nach Rückschlägen.

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