10. September 2021 / 10:43 Uhr

Wie eine norwegische Briefmarke Schiedsrichter Peter Hertel berühmt machte – aus Versehen!

Wie eine norwegische Briefmarke Schiedsrichter Peter Hertel berühmt machte – aus Versehen!

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Schiedsrichter Peter Hertel ist auf einer Briefmarke abgebildet, die 2002 in Norwegen gedruckt wurde und in den Verkauf kam. 
Schiedsrichter Peter Hertel ist auf einer Briefmarke abgebildet, die 2002 in Norwegen gedruckt wurde und in den Verkauf kam.  © Doreen Schulze, Privat
Anzeige

Dank einer Verwechslung wurde das Foto von Peter Hertel, Unparteiischer beim SV Frankonia Wernsdorf, in Norwegen in Millionenauflage gedruckt.

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Infos auf gabfaf.de.

Auf einer Briefmarke verewigt zu sein, das können nur wenige Menschen auf der Welt behaupten. Schiedsrichter Peter Hertel, der für den SV Frankonia Wernsdorf Fußballspiele im Kreis Dahme/Fläming (Brandenburg) leitet, ist einer von ihnen. 2002 kam der heute 57-Jährige zu unerwarteten Ehren. Er hatte 1997 auf einem norwegischen Jugendturnier in der Hauptstadt Oslo gepfiffen. Durch eine Verwechslung – eigentlich sollte sein norwegischer Kollege Lars Johan Hammer abgebildet werden – erschien Hertels Oberkörper im Schiri-Dress auf einer 5,50-Kronen-Marke. Der in Berlin-Köpenick lebende Unparteiische berichtet, wie es überhaupt zu dieser kuriosen Verwechslung kam.

Anzeige

„Im Jahr 2002 wurde der Norwegische Fußballverband 100 Jahre alt. Aus diesem Grund wurde eine Briefmarkensonderserie gedruckt. auf dieser sollte ein streng aussehender Schiedsrichter abgebildet werden, was auch gemacht wurde“, erzählte Hertel, „auf der Filmrolle des Fotografen war vor dem Foto von Lars Johan Hammer eins von mir drauf. Bei der Entwicklung muss dann ein Fehler passiert sein, denn auf einmal war mein Bild auf der Briefmarke zu finden und nicht das meines norwegischen Kollegen. Offiziell wurden 1,2 Millionen Marken gedruckt, inoffiziell sollen es sogar fünf Millionen gewesen sein. Ich habe davon sogar noch ein paar Sätze zu Hause, die ich für interessierte Briefmarkenfans auch bei Ebay zum Kauf anbiete.“

Mehr von #GABFAF

Von der Verwechslung erfuhr Hertel, als er gerade als Kurierfahrer im Einsatz war. „Mein Telefon klingelte und am anderen Ende war ein Mann, der nur englisch sprach. Ich dachte im ersten Moment, mich will jemand verarschen, da es ja einige Spaßvögel gibt, die mit Schiedsrichtern ihre Scherze treiben. Ich verstand jedenfalls überhaupt kein Wort. Ein paar Tage später waren dieser norwegische Journalist, ein Fotograf und ein Übersetzer in meiner Wohnung zu Gast. Bei diesem Interview erfuhr ich die ganze Geschichte“, informiert Hertel. Diese kuriose Story ging damals auch nicht spurlos an den deutschen Medien vorbei, denn diese buchten den unfreiwilligen „Briefmarken-Star“ als gern gesehenen Gast in ihren Sendungen. „Ich war 2002 unter anderem bei Stefan Raab, beim Jahresrückblick von Günther Jauch und diversen regionalen Fernsehsendern zu Gast. Bis heute muss ich zudem noch regelmäßig Interviews zu dieser Verwechslungsgeschichte halten. Auch ein paar Euro sind durch diese kuriose Geschichte bei mir hängengeblieben“, freute sich der Köpenicker.

Geboren ist Hertel am 3. Juli 1964 in Leipzig (Sachsen). Wie die meisten Kinder in seinem Alter fing er mit sieben Jahren bei Chemie Eilenburg mit dem Kicken an, stand meistens im Tor oder spielte in der Abwehr. „Ich war immer der böseste Spieler auf dem Platz, weil ich den Schiedsrichtern immer meine Meinung geigte. Sie haben mir einfach zu oft Foul gegen mich gepfiffen. Damit war ich überhaupt nicht einverstanden“, sagt der Berliner. Die Quittung der Unparteiischen bekam er in Form von Roten Karten, sodass Hertel viele Partien gesperrt von draußen angucken musste. „Das war auch der Grund, warum ich mit 14 Jahren meinen Schiedsrichterlehrgang erfolgreich absolvierte. Ich wollte einfach besser pfeifen als die Männer in Schwarz, die mich regelmäßig vorzeitig zum Duschen schickten.“ Gleich einen Tag nach der erfolgreich bestandenen Prüfung pfiff Hertel mit 14 Jahren seine erste Partie im Männerbereich. „Da kein anderer Schiri zur Verfügung stand, meldete ich mich einfach, obwohl ich viel zu jung für Herrenpartien war. An das Spiel kann ich mich nicht mehr erinnern, aber daran, dass ich etliche Gelbe Karten zeigte. Stück für Stück arbeitete ich mich in den folgenden Jahren bis in die Bezirksliga hoch“, berichtet Hertel stolz.

Am Tag des Mauerfalls aus der DDR ausgewiesen

Der gelernte Transport- und Lagerfacharbeiter war mit den Bedingungen in der damaligen DDR nicht zufrieden und stellte dementsprechend einen Ausreiseantrag, der am 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, genehmigt wurde. „Nach dem Stellen der Ausreise wurde ich sofort wieder in die Kreisklasse heruntergestuft. Da pfiff ich nicht allzu lange, da ich am 9. November die DDR verlassen musste. Im Aufnahmelager Hof habe ich vom Fall der Mauer am selben Tag gehört. Ich konnte mich vor lachen kaum halten“, schildert Hertel die Situation, als er von der Öffnung der innerdeutschen Grenze hörte.

Mehr aus der Region

Im westdeutschen Plettenberg (Nordrhein-Westfalen) setzte Hertel seine Karriere als Schiedsrichter fort. „Ich leitete dort nur noch Spiele in der Kreisliga, hatte keine Ambitionen mehr, höherklassig zu pfeifen“, berichtet der 57-Jährige. Aus beruflichen Gründen zog er 1994 nach Berlin-Köpenick. In der Hauptstadt gründete er ein Schiedsrichter-Reise-Team (SRT) mit dem Namen „Kick off“, das Turniere in ganz Europa besuchte und bei diesen auch Partien leitete. „Wir waren mehrmals beim Norway-Cup und beim Dana-Cup im dänischen Hjørring zu Gast“, sagt Hertel, der zu dieser Zeit noch Spiele für Borussia Fürstenwalde pfiff. Vor sechs Jahren wechselte er ins Dahmeland und war dort für eine Saison bei der SG Schulzendorf als Schiedsrichter gemeldet. Seit fünf Jahren pfeift er regelmäßig Begegnungen für den SV Frankonia Wernsdorf.


„Auf Peter ist immer Verlass gewesen. Du kannst ihn nachts anrufen und er fragt nur noch: Thomas, wo soll ich hinfahren? Ich bin sehr froh darüber, dass Peter schon seit einigen Jahren in unserem Fußballkreis pfeift. Ich hoffe, er bleibt uns noch sehr lange erhalten“, lobt Schirichef Thomas Glaß seinen Kollegen in Schwarz.