26. April 2020 / 14:13 Uhr

Breda-Trainer Hyballa über DFL-Pläne: Bundesliga-Fortsetzung über Geisterspiele "ethisch schwierig"

Breda-Trainer Hyballa über DFL-Pläne: Bundesliga-Fortsetzung über Geisterspiele "ethisch schwierig"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Breda-Trainer Peter Hyballa sieht die DFL-Pläne zur Bundesliga-Fortsetzung mit Geisterspielen mit gemischten Gefühlen.
Breda-Trainer Peter Hyballa sieht die DFL-Pläne zur Bundesliga-Fortsetzung mit Geisterspielen mit gemischten Gefühlen. © Getty Images/imago images/Pro Shots/Montage
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Während die Fußball-Saison in Holland aufgrund der Corona-Krise abgebrochen wurde, plant die DFL eine Fortsetzung der Bundesliga im Mai. Peter Hyballa, Trainer von NAC Breda, hält die Wiederaufnahme des Spielbetriebs über Geisterspiele für fragwürdig. 

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Am Freitag zog der holländische Fußballverband KNVB die Reißleine: Aufgrund der Corona-Krise wird die Saison vorzeitig beendet - ohne Meister oder Auf- und Absteiger. Für zahlreiche Teams, die vor wichtigen Erfolgen standen, ist das ein herber Schlag. Auch der frühere Bundesliga-Trainer Peter Hyballa muss sich mit NAC Breda vom Traum, in die Eredivisie aufzusteigen, verabschieden. Dennoch hätte der 44-Jährige auch eine Fortsetzung der Saison über Geisterspiele, wie es in Deutschland geplant ist, problematisch gefunden.

Hyballa: Bundesliga-Fortsetzung "ethisch schwierig"

"Das Konzept der DFL ist sehr gut und wenn es ein Land hinkriegen kann, dann Deutschland", urteilte Hyballa, der jedoch mahnte: "Ethisch bleibt es aber schwierig. Ich bin da auch gespalten." Zwar sei es nachvollziehbar, dass eine Wiederaufnahme der Bundesliga-Saison eine wichtige gute Nachricht wäre, "aber Blumenhändler und Frisöre dürfen ja auch nicht ganz so einfach in ihren Job zurückkehren", sagte der Fußballlehrer im Interview mit der Bild.

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Allerdings ist auch ein Abbruch der Saison nicht unproblematisch, wie das Beispiel Holland zeigt. "Das kam nicht bei allen gut an und es wird wohl auch geklagt. Am blödesten ging die Sache für Utrecht aus. Die stehen auf Platz sechs, haben aber ein Spiel weniger und hätten Platz fünf erreichen können, der für die Europa-League berechtigt. Dazu stehen sie im Pokalfinale. Auch das findet nicht mehr statt", berichtete Hyballa, dessen Klub NAC Breda auch "zu den Verlieren" zähle: "Wir waren schon für die Aufstiegs-Playoffs qualifiziert und ein Aufstieg würde dem Klub sechs bis sieben Millionen Euro einbringen."

Hyballa verteidigt Verband: "Gibt keine perfekte Entscheidung"

Die scharfe Kritik am holländischen Verband kann Hyballa dennoch nur bedingt nachvollziehen. "Ich sehe es so: Es gibt bei so etwas keine perfekte Entscheidung. Wenigstens haben wir jetzt eine, mit der wir die neue Saison planen können", urteilte der frühere Trainer von Bayer Leverkusen. Das sei insbesondere für die Vorbereitung auf die Wiederaufnahme des Trainings im Mai entscheidend, nachdem die Profis in Holland seit März sich nur noch zu Hause fit halten konnten. "Seit Mitte März haben die Spieler ja im Grunde kein Ballgefühl mehr. Derzeit habe ich eher Halbmarathonläufer als Fußballer im Teams", erklärte Hyballa.

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Aber auch auf mentaler Ebene fordert die Zwangspause und Isolation allmählich ihren Tribut unter den Profis. "Anfangs wurde alles locker und typisch-holländisch mit Humor gesehen. Aber die Frustration und auch Resignation nimmt deutlich zu. Es gibt eben derzeit kein gemeinsames Ziel mehr, auf das man hinarbeitet. Die Spieler kotzen alle ab", so der Coach von NAC Breda.