14. Februar 2019 / 09:50 Uhr

"Wäre bei mir untragbar": Peter Neururer schießt gegen 96-Manager Horst Heldt

"Wäre bei mir untragbar": Peter Neururer schießt gegen 96-Manager Horst Heldt

Dennis Ebbecke
Peter Neururer findet in Bezug auf 96-Manager Horst Heldt klare Worte: Ich kann nicht verstehen, warum er nicht gleich mitgegangen ist.
Peter Neururer findet in Bezug auf 96-Manager Horst Heldt klare Worte: "Ich kann nicht verstehen, warum er nicht gleich mitgegangen ist." © imago/Zink/dpa
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Peter Neururer ist zweimal Trainer von Hannover 96 gewesen, er verfolgt noch immer ganz genau, was bei den Roten passiert. Im Interview mit dem SPORTBUZZER findet er lobende Worte für den neuen Trainer Thomas Doll, lässt in Bezug auf Manager Horst Heldt jedoch ein großes Aber folgen.

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Peter Neururer, Thomas Doll hat das Traineramt bei Hannover 96 von André Breitenreiter übernommen. Lag es wirklich am Trainer?

Sie fragen das, weil ich zweimal Trainer bei Hannover 96 war, nehme ich an.

Mitunter. Aber auch, weil dieses Thema zum Start der Rückrunde in aller Munde war …

Ich kann doch nicht beurteilen, warum bei Hannover 96 ein Trainerwechsel vorgenommen werden musste. Ich war nicht dabei. Damit sind wir wieder beim Thema Wahrnehmung. Wenn ich aber auf die Spiele von 96 aus der Hinserie zurückblicke, dann ist es eigentlich egal, wer da Trainer ist. André wird alles versucht haben, aber viel mehr als elf Punkte waren nicht herauszuholen.

Wenn man dann mit einem Trainerwechsel einen neuen Impuls setzen möchte, dann ist das okay. Das ist Teil unseres Jobs. Die Art und Weise, wie diese Beurlaubung moderiert wurde, empfand ich gegenüber dem Trainer als unwürdig.

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Bei Hannover 96 folgte Peter Neururer im Jahr 2005 auf Ewald Lienen. Die ehrliche Haut ist im Ruhrgebiet geboren. Einst wurde er gefragt, wie er die Aufstellung macht: Ich werfe elf Trikots hoch. Wer eins fängt, darf spielen, antwortete er. Zur Galerie
Bei Hannover 96 folgte Peter Neururer im Jahr 2005 auf Ewald Lienen. Die ehrliche Haut ist im Ruhrgebiet geboren. Einst wurde er gefragt, wie er die Aufstellung macht: "Ich werfe elf Trikots hoch. Wer eins fängt, darf spielen", antwortete er. ©
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Das geht auch an die Adresse von 96-Manager Horst Heldt, richtig?

Zunächst einmal: Thomas Doll ist ein super Typ und „Katze“ Zumdick als mein Harley-Bruder ohnehin. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Gespann die letzten Möglichkeiten herausholen wird.

Jetzt kommt das große Aber: Ich kann mit meinem Verständnis aus über 30 Jahren Profifußballtum nicht verstehen, warum Horst Heldt nicht gleich mitgegangen ist. Er hat doch diese Mannschaft mit zusammengestellt. Ich kann ihm keine Fehler vorwerfen, das steht mir nicht zu. Aber für mich stellt sich diese Frage, das gebe ich ganz ehrlich zu. Ich habe das Herrn Kind auch so geschrieben.

Und Herr Heldt wollte dem Vernehmen nach ja auch schon ein paar Mal freiwillig gehen …

Das ist eine andere Geschichte. Aber wenn mein Sportdirektor oder Trainer in meiner Amtszeit mit drei verschiedenen Vereinen verhandelt – und dann auch noch sagt, dass er da gerne hingehen möchte –, wäre er bei mir sofort untragbar. Dafür muss es jedoch auch Gründe gegeben haben, und die kann ich nicht beurteilen.

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Am 28. Januar 2019 stellte Manager Horst Heldt den neuen Cheftrainer von Hannover 96 vor: Thomas Doll.  Zur Galerie
Am 28. Januar 2019 stellte Manager Horst Heldt den neuen Cheftrainer von Hannover 96 vor: Thomas Doll.  © imago/

Thomas Doll spricht die Fußballsprache, war zuvor aber zehn Jahre lang nicht mehr in der Bundesliga aktiv. Ist dessen Comeback für Sie ein Zeichen dafür, dass dieser Trainertyp heute noch gefragt ist?

Warum soll dieser Trainertyp denn nicht mehr gefragt sein? Es geht bei dieser Diskussion nicht um die Qualität der jeweiligen Arbeit, sondern um die Wahrnehmung nach außen. Der Typus Thomas Doll passt zu Hannover 96 und in die Bundesliga. Und damit möchte ich ausdrücklich nicht sagen, dass André Breitenreiter nicht gepasst hätte.

Passt denn der Typus Peter Neururer noch in die Bundesliga?

Ja, klar passt Peter Neururer in die Bundesliga. Die Frage ist nur, wohin. Zu Bayern München passt er mit Sicherheit nicht. Ein Blick in meine Vita zeigt, dass ich sehr viel Erfahrung mitbringe.

Ihre letzte Station hieß VfL Bochum. Ihre Entlassung ging mit großer medialer Aufmerksamkeit einher …

Weil ich wegen vereinsschädigendem Verhalten entlassen wurde. Dieser Typus war bei einigen Herrschaften im Vorstand nicht mehr gefragt. Ich wurde beurlaubt, weil ich mich hinter meinen Kapitän gestellt hatte. Andreas Luthe kritisierte damals einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der sich gegenüber der Mannschaft despektierlich geäußert hatte. Ein Kapitän hat das Recht dazu, und das habe ich damals auch so gesagt.

Mehr über Hannover 96

Gab es seitdem weitere Angebote?

Ja, es gab eine Menge Anfragen aus der zweiten und eine aus der ersten Liga. Es waren aber Angebote, zu denen ich überhaupt keinen Bezug hatte. Zu Hannover 96 wäre ich damals zurückgekehrt. Doch da eine Ablöse an den VfL Bochum im Raum stand, entschied sich der Verein für Michael Frontzeck. Im Nachhinein war es der richtige Schritt, denn er hat den Klassenerhalt geschafft.

Haben Sie noch Lust auf den Trainerjob?

Natürlich habe ich Interesse. Ich bin topfit und absolut im Thema. Daher würde ich gerne wieder arbeiten. Jeder Tag ohne Fußball ist für mich ein verlorener Tag. Aber: Ich muss mir nicht alles antun. Das ist eine Art von Luxus.

Bilder vom Vormittagstraining bei Hannover 96 (14. Februar):


Trainer Thomas Doll hatte Spaß an der Trainingseinheit am Vormittag.  Zur Galerie
Trainer Thomas Doll hatte Spaß an der Trainingseinheit am Vormittag.  ©

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