21. Januar 2022 / 13:47 Uhr

1000 Unterschriften in 20 Stunden: Petition fordert 3G für den Fußball in Brandenburg

1000 Unterschriften in 20 Stunden: Petition fordert 3G für den Fußball in Brandenburg

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Nach aktuellem Stand soll unter 2G-Bedingungen gespielt werden.
Nach aktuellem Stand soll unter 2G-Bedingungen gespielt werden. © imago images/Hanno Bode
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Die Prignitzer Ulf und Nils Brunnemann haben eine Petition mit dem Anliegen gestartet, den Spielbetrieb in der Mark unter 3G-Regeln fortzusetzen.

„Lasst uns gemeinsam Gehör verschaffen, für den Fußball wie wir ihn lieben“ – diese Worte richten Ulf und Nils Brunnemann in ihrer am Donnerstagabend gestarteten Petition an den Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Das Vater-Sohn-Duo aus der Prignitz will „diese eine letzte Chance nutzen“ und wirbt mit Nachdruck und klaren Worten dafür, den alsbald startenden Spielbetrieb unter 3G-Regeln (Geimpft/Genesen/Getestet), statt wegen des Infektionsgeschehens wie geplant unter 2G, (nur Geimpfte oder Genesene), durchzuführen.

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„Wir hoffen, dass wir damit Erfolg haben. Unser Ziel ist es, Vereine am Leben zu erhalten“, erklärt Ulf Brunnemann. Der 52-jährige Wittenberger kennt viele Mannschaften, deren Kader aus „maximal 13, 14 Spielern“, besteht: „Und wenn diese mit Sanktionen bei Nichtantritt zu rechnen haben oder gar ausgeschlossen werden, dann glaube ich nicht, dass diese Truppen in den kommenden Jahren wieder antreten. Das kann ja wohl nicht wirklich im Interesse des Verbandes sein.“ Der Paragraf 29 Punkt 7 in der Spielordnung des FLB bestätigt diesen Verdacht. Dort steht geschrieben: „Tritt eine Mannschaft im laufenden Spieljahr dreimal schuldhaft zu Pflichtspielen nicht an, so ist sie von der weiteren Teilnahme zu streichen.“

In Bildern: Das sind die besten Torjäger/-innen im Fußballkreis Prignitz/Ruppin 2021/22.

Das sind die besten Torjäger/-innen im Fußballkreis Prignitz/Ruppin 2021/22 Zur Galerie
Das sind die besten Torjäger/-innen im Fußballkreis Prignitz/Ruppin 2021/22 ©

Nach Rücksprache und durch Mundpropaganda in der Region weiß Brunnemann, wie schwer es für einige Vereine wird, die sich anbahnende Rückserie zu überstehen. Das Schicksal trifft den Trainer der A-Junioren des FSV Veritas Wittenberge/Breese sogar selbst mit seinen Schützlingen: „Wir spielen in der Landesliga eine richtig tolle Runde, könnten mit einem Sieg im Nachholspiel sogar auf dem zweiten Platz liegen.“ Der bisherige Aufwand könnte jedoch schon in wenigen Tagen für die Katz’ gewesen sein, in der kommenden Woche wolle man sich in der Elbestadt zusammensetzen und „einen Schlussstrich“ ziehen: „Der Großteil meiner Jungs ist 18 Jahre, unter 2G sind wir nicht spielfähig. Das sollte mein letzten Jahr als Trainer sein, jahrelang habe ich die Truppe begleitet. Ich habe mir definitiv einen anderen Abschied gewünscht.“

Der Zuspruch von jeglichen Seiten, auch aus Ostbrandenburg, dem Süden der Mark oder über die Grenzen hinaus, ist riesengroß, in den sozialen Medien wurde die Petition dutzendfach geteilt, das Vater-Sohn-Projekt findet Anklang. Über 1500 Unterschriften wurden in nur gut 22 Stunden gesammelt, viele Mitstreiter begründeten ihre Unterstützung in kurzen Sätzen. Christoph Röhr, 2. Vorsitzender beim SV Protzen, sagte auf SPORTBUZZER-Nachfrage: „Für mich ist es nicht ersichtlich, wieso Genesene spielen dürfen, Getestete jedoch nicht. Wir fühlten uns im Verein wesentlich sicherer, als getestet wurde. Jetzt ist ein Test aber kein Maßstab mehr? Das ist doch verrückt.“ Die Extra-Kosten, die ein Schnelltest vor den Trainingseinheiten und den Partien mit sich bringen würde, würden die Fußballer akzeptieren, glaubt Ulf Brunnemann: „Viele testen sich ja ohnehin für ihre Arbeit. Wenn dadurch die Möglichkeit gegeben wird, den Spielbetrieb am Laufen zu halten, dann ist das in Ordnung.“

FKPR-Chef Mike Schläger: "Die Regeln kommen von der Politik"

Auch Mike Schläger, Vorsitzender des Fußballkreises Prignitz/Ruppin, wusste bereits von der Petition, als der SPORTBUZZER ihn am Freitagvormittag erreichte. „Wir werden das Thema im Vorstand ansprechen. Fakt ist aber auch, dass die Regeln von der Politik kommen, nicht von uns. Wenn die Sportanlagen nur von Personen betreten werden dürfen, die einen 2G-Nachweis erbringen können, dann sind die Chancen sehr gering.“ Grundsätzlich stehe Schläger der 3G-Idee offen gegenüber, „der Aufwand für Vereine und Träger ist dann aber wieder ein zusätzlicher.“ Zudem seien die Schnelltests nicht so sicher wie eine Impfung, meint der Fußballkreis-Chef. Für Ulf Brunnemann und seinen 31-jährigen Sohn Nils, der beim Meyenburger SV II aktiv ist, bleibt demnach nur eine Resthoffnung, dass ihre Petition ein Umdenken bewirkt. „Entweder alle oder keiner“, fordert das Vater-Sohn-Duo, welches die Petition ursprünglich nur für den Kick im Fußballkreis Prignitz/Ruppin startete. Wegen der raschen Entwicklung kämpft man aber mittlerweile für den gesamten märkischen Amateurfußball unter 3G.