07. Januar 2021 / 11:23 Uhr

Pferdesport in MV: Corona bedroht Existenz von Betrieben und Vereinen

Pferdesport in MV: Corona bedroht Existenz von Betrieben und Vereinen

Christian Lüsch
Ostsee-Zeitung
Christoph Lanske gewann im Juli auf Chaleen erstmals den Großen Preis in seinem Heimatverein Dersekow. Er beendete das Jahr als fünftbester Springreiter des Landes.
Christoph Lanske gewann im Juli auf Chaleen erstmals den Großen Preis in seinem Heimatverein Dersekow. Er beendete das Jahr als fünftbester Springreiter des Landes. © Jutta Wego
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Die Corona-Welle hat auch die Pferdesportler voll erwischt – sowohl Berufs- als auch Hobbyreiter. Turnierabsagen und Trainingsverbote haben den Sport, an dem für viele die wirtschaftliche Existenz hängt, arg gebeutelt, berichtet die Verbands-Geschäftsführerin in MV, Claudia Krempien. 

Turniere reihenweise abgesagt, das Training massiv eingeschränkt oder untersagt, Verdienstausfall für Pferdesport-Betriebe und Berufsreiter, Einnahmeeinbruch bei Reit- und Fahrvereinen – das Corona-Jahr 2020 hat die Reiterszene Mecklenburg-Vorpommerns arg gebeutelt.

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„Bislang haben Vereine und Betriebe die Krise zwar gut gemeistert, weil sie den Gürtel deutlich enger geschnallt haben. Viele leben vom Ersparten, von dem, was Generationen aufgebaut haben“, berichtet Claudia Krempien. Eine Reitstallbesitzerin aus dem Landkreis Rostock, die namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt die Aussage der Geschäftsführerin des Pferdesportverbandes MV: „Bevor wir uns von unseren Pferden trennen, die ja unsere Partner sind, sparen wir uns die Kosten lieber vom Mund ab.“

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Krempien, seit zwei Jahren Chefin des 9200 Mitglieder zählenden Verbandes, fürchtet aber, dass das nicht mehr lange gut gehen wird, weil sich laufende Kosten nicht endlos senken lassen. „Wir werden erst in diesem und im nächsten Jahr die wirklichen Folgen der Corona-Lockdowns auf den Pferdesport zu spüren bekommen“, ahnt die 41-Jährige.

Aufgrund der Pandemie war 2020 für Reitsport-Fans im Nordosten kein gutes Jahr. Von 120 geplanten Turnieren mussten 86 abgesagt werden. Bei den Reitertagen, wo insbesondere Einsteiger des Turniersportes teilnehmen, waren die Ausfälle noch gravierender. Mit weitreichenden Folgen – sowohl für Reitsport-Wirtschaftsunternehmen als auch für Freizeitsportler.

Die Reiterliche Vereinigung hat trotz des wegen der Corona-Pandemie ausgedünnten Turnierkalenders eine Rangliste der besten Reiter des Jahres 2020 erstellt. Die Bildergalerie zeigt die erfolgreichsten Sportler in MV - im Springen, in der Dressur und in der Vielseitigkeit.

Rangliste Springreiten: 1. Platz Benjamin Wulschner (Kastanienhof Cramon) 80857 Punkte Zur Galerie
Rangliste Springreiten: 1. Platz Benjamin Wulschner (Kastanienhof Cramon) 80857 Punkte ©

Besonders hart getroffen wurden Reit- und Fahrvereine, die Schulpferde im Stall haben, erklärt Krempien. „Die wollen weiter fressen, saufen und bekommen weiterhin ihre Pflichtimpfungen und Wurmkuren vom Tierarzt. Darüber hinaus ist alle sechs bis acht Wochen der Schmied zu Besuch. Neben laufenden Versicherungen muss die Box ausgemistet und die Tiere müssen auch weiterhin regelmäßig bewegt werden.“

Mit Schulpferden, die in der Regel beim Gruppentraining für Neulinge und Anfänger eingesetzt werden, kann im Lockdown kein Geld verdient werden, veranschaulicht Krempien. Deshalb hatte sie im zurückliegenden Jahr ein Kurzarbeitergeld für Schulungspferde angeregt – bisher ohne Erfolg.


Dabei ist der Vorstoß sinnvoll: Denn den rund 350 Euro pro Monat an Kosten für die Vierbeiner standen zwischenzeitlich null Euro an Einnahmen bei Reit- und Fahrvereinen gegenüber. Vereine mit bis zu 250 Mitgliedern wurden aus Corona-Hilfsfonds nur mit bis zu 1000 Euro unterstützt, berichtet die Verbandschefin. „Wenn die Vereine zum Beispiel vier Pferde im Stall haben und zwei Monate kein Geld verdienen dürfen, dann verpufft der Tausender.“ Einen Fußball oder einen Tennisschläger könne man zwischenzeitlich mal für eine gewisse Zeit in die Ecke legen. Mit einem Pferd funktioniere das nicht, verdeutlicht sie.

Nach der Verlängerung der Restriktionen über den 10. Januar hinaus rechnet Krempien vorerst nicht mit einer Entspannung. „Angesichts der Kontaktbeschränkungen bis Ende Januar lassen sich Turniere, die im Februar oder März stattfinden sollen, unmöglich vorbereiten“, sagt die Pferdesport-Chefin. Sie hofft, dass ab Mai wieder Veranstaltungen auf den Turnierplätzen in MV möglich sein werden. Bis dahin setzt sie auf den Zusammenhalt und das Durchhaltevermögen der Pferdefreunde.