13. Dezember 2018 / 07:30 Uhr

Phillip Portwich bildet Trainer in Äthiopien aus

Phillip Portwich bildet Trainer in Äthiopien aus

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Ausbilder Phillip Portwich (Mitte, weiß) mit den zufriedenen Teilnehmern
Ausbilder Phillip Portwich (Mitte, weiß) mit den zufriedenen Teilnehmern © Phillip Portwich
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Projekt des DOSB in Afrika: 40 Teilnehmer bei der Lizenzausbildung/ Annäherung zwischen  Äthiopiern und Eritreern.

Ein Sandplatz, 40 Äthiopier und Eritreer und eine Fülle an Erfahrungen: Der A-Lizeninhaber Phillip Portwich aus Göttingen hat Fußballtrainer in Äthiopien ausgebildet. Der 29-Jährige reiste auf Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) mit dem DFB-Auslandsexperten Joachim Fickert nach Afrika – und brachte viele Erinnerungen mit.

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„Ich hatte mich eigentlich für ein Auslands-Engagement in Botswana beworben, aber dafür leider eine Absage erhalten. Dann erhielt ich zwei Wochen später die Anfrage zu dem Projekt in Äthiopien – ich bin nach Frankfurt zum DOSB gefahren und habe direkt zugesagt“, berichtet Portwich. Der Sportstudent und Mitarbeiter des Stadtsportbundes ist seit 14 Jahren im Trainergeschäft aktiv, trainierte zuletzt die Oberliga-Damen von Sparta Göttingen und ist seit Dezember Coach der A-Junioren des FC Gleichen.Nach der Zusage für die Trainerausbildung reiste Portwich im November zusammen mit Joachim Fickert nach Addis Adeba, der Hauptstadt Äthiopiens.

Trainerausbildung in Äthiopien

Ausbildung beginnt um 6 Uhr

Nach der Ankunft ging es weiter nach Shire im Nordwesten des Landes unweit der eritreischen Grenze. „Wir hatten dort unser Hotel und sind morgens um 4.30 Uhr in das etwa eine Autostunde entfernte Flüchtlingslager gefahren, wo auch die Ausbildung stattfand“, berichtet der 29-Jährige. 20 eritreische Flüchtlinge und 20 Einheimische nahmen an der Ausbildung, die der C-Lizenz in Deutschland angepasst wurde, teil. „Noch vor vier Monaten herrschte zwischen beiden Ländern ein seit den 60er-Jahren bestehender Bürgerkrieg. Beide Nationen wieder zusammenzubringen, das war auch ein wichtiges Ziel der Ausbildung“, erklärt Portwich. Weit mehr als 50 000 Flüchtlinge leben in dem Lager. Die Teilnehmer konnten sich freiwillig für die Trainer-Ausbildung melden – einer von ihnen ist bereits Trainer eines C-Jugendteams. Im Fokus standen die Themen Individual- und Gruppentaktik. Früh am Morgen begann der Tag für Portwich und Fickert. Nach dem Aufstehen um 4.30 Uhr starteten beide nach einer einstündigen Fahrt um 6 Uhr mit den Praxiseinheiten. „Da war es noch angenehm. Nur knapp 20 Grad. Sobald die Sonne richtig rauskam, waren es weit über 35 Grad“, erzählt der A-Lizenztrainer, der zugleich verwundert war, dass in Shire die Straßen überall von Polizei und Militär, bewaffnet mit Kalaschnikows, überwacht wurden.


Angekommen auf dem Gelände, das in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft lag, war Portwich zunächst etwas überrascht: Faustgroße Steine, Tore ohne Netze und tiefe Furchen waren auf dem Sandplatz zu sehen. Die Sprachbarriere löste Portwich, indem er auf Englisch kommunizierte und zudem immer einen Übersetzer an seiner Seite hatte. „Manchmal reichten einfach nur Zeichen oder das Vormachen der Übungen – da war eine Übersetzung gar nicht notwendig. Die Teilnehmer lernten schnell“, berichtet Portwich. Vom Platz war der Ausbilder hingegen schon etwas enttäuscht. „Das war eher ein schlechter Bolzplatz. Es fuhren einfach mal Lkw darüber, Kinder spielten oder Dromedare liefen über das Feld“, berichtet der Student. Schneller Lernfortschritt Die Ausbildung mit den 40 Teilnehmern, die zwischen 15 und 35 Jahren waren, begann praktisch bei null. „Die Teilnehmer hatten wenig Vorkenntnisse und ich war zunächst etwas überrascht über die sportliche Qualität, wurde aber eines Besseren belehrt, als ich selbst einmal mitkickte. Es fehlten eher taktische Dinge – Fußballspielen konnten die Jungs gut“, so der Student.

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Phillip Portwich bei der Trainerausbildung in Äthiopien
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Taktiktraining

Zwar in Sportklamotten, aber zumeist ohne echte Fußballschuhe, startete die Trainingseinheit mit Eins gegen Eins, Doppelpass und der Viererkette. „Es ging um die Vermittlung der Basics der Trainerausbildung – wir haben die Einheiten durchgeführt und sie anschließend in der Theorie besprochen“, so Portwich, der von den schnellen Lernfortschritten begeistert war: „Am ersten Tag war es noch leicht chaotisch und wir mussten einige Regeln aufstellen. Insbesondere im Sozialverhalten ging das rasend schnell. Alle waren sehr höflich und bedankten sich mehrfach. Trotz der oft nonverbalen Kommunikation war der Umgang sehr gut.“

Nach den schweißtreibenden Einheiten auf dem mittlerweile aufgeheizten Platz hatten sich alle eine Mittagspause verdient. „Es gab eine gute Verpflegung und es war alles sehr sauber“, berichtet Portwich. Ziel der Ausbildung war nicht nur die reine Vermittlung von Fußballgrundkenntnissen, sprich des Trainerscheins. Es ging um mehr: Über den Fußball eine Annäherung von noch vor Monaten verfeindeten Gruppen zu schaffen und das Sozialverhalten nachhaltig zu stärken. Nach einer spannenden und abwechslungsreichen Woche, aus der Portwich viel mitnehmen konnte, bildete eine Zeremonie den Abschluss. Die Teilnehmer erhielten ein Zertifikat und bedankten sich bei den Ausbildern.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland freute sich der Student doch auf eines, was er die Woche über vermisst hatte, eine Currywurst am Bahnhof.