23. April 2021 / 13:51 Uhr

Phönix-Präsident Uwe Gladrow: "Die Politik sollte sich endlich mehr zum Sport bekennen"

Phönix-Präsident Uwe Gladrow: "Die Politik sollte sich endlich mehr zum Sport bekennen"

Kevin Päplow
Märkische Allgemeine Zeitung
Uwe Gladrow
Immer für Phönix mit dem Herzen dabei: Manfred Stöpper (l.) und Uwe Gladrow (r.) © Oliver Schwandt
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Landesliga Süd: Bei Phönix ist der Name Gladrow Programm und bekannt für klare Statements. Wildaus verlorener Sohn Rico verlässt derweil Regionalligist Energie Cottbus im Sommer.

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Bei Familie Gladrow spiegelt sich der Fußball in seinem Facettenreichtum wider. Während das Eigengewächs Rico Gladrow kürzlich noch in der Regionalliga Nordost für Energie Cottbus am Ball war und so mit ansehen musste, wie in den Staffeln West und Südwest munter trotz der Pandemie weitergespielt wurde, plant Vater Uwe derweil nach dem Abbruch der Saison 2020/21, als Präsident mit seinen Kollegen aus dem Präsidium und den verantwortlichen Trainern, wie es mit dem Verein künftig weitergeht.

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Dritter im Bunde ist der ehemalige Phönix-Kicker Falco, der sich seit einem Jahr um die Belange der U23 im Verein kümmert und den Namen Gladrow dort würdig vertritt. Alle drei Gladrows hat der SPORTBUZZER in einem Interview ans Telefon bekommen und erfahren, welche Ziele die SG Phönix Wildau hat, wie es mit Rico im Sommer weitergeht und warum Falco einen guten Grund hat, dem Ball weniger Beachtung zu schenken als sonst.

„Uns geht es allen gut“, antworten alle drei Männer, die auf dem Namen Gladrow hören, als wir sie über die aktuelle gesundheitliche Lage befragen. Rico fügt aber an, dass er zwischenzeitlich sogar 14 Tage in Quarantäne musste, jedoch nicht direkt betroffen war. Der technisch starke Mittelfeldspieler führt dann weiter aus, dass er den FC Energie Cottbus im Sommer verlässt. Rico Gladrow, der für den Traditionsclub aus der Lausitz in der abgelaufenen Spielzeit in elf Spielen einen Treffer und zwei Vorlagen verbuchen konnte, erklärt: "Der Verein hat für die neue Spielzeit eine andere Idee und es wird einen Umbruch geben. Ich fühle mich jedenfalls noch sehr fit, bin aber offen für alles", so der Mann, der mit Eintracht Trier schon im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund auf dem Platz stand.

Rico Gladrow
Rico Gladrow (l.) wird ab Sommer nicht mehr für Energie Cottbus spielen. © Steve Seiffert

Nun werden Fußball-Romantiker im Verein hellhörig und hoffen auf eine Rückkehr des verlorenen Sohnes. Phönix-Präsident Uwe lässt aber schnell jede Hoffnung im Keim ersticken. "Wir haben ein wenig darüber geunkt, aber Rico möchte sich noch ein paar Jahre mindestens in der Regionalliga beweisen. Als Trainer steht er uns aber schon in Zusammenarbeit mit Falco für die U23 zur Verfügung. Ich hätte gerne gesehen, wie beide den positiven Schwung mit der Mannschaft fortgeführt hätten." Auch Rico fügt an, dass es für eine Rückkehr ins Otto-Franke-Stadion noch zu früh ist.

"Ich gebe gerne Tipps und schaue mir oft auch Spiele an, aber eine Rückkehr ist noch zu früh." Falco, der nicht mehr aktiv für Phönix am Ball ist, bezeichnet eine Rückkehr ebenfalls als Wunschdenken. "Rico will halt noch professionell spielen und eine Verbrüderung auf dem Platz würde es wohl leider nicht mehr geben. Ich bin vor ein paar Tagen zum ersten Mal Papa geworden. Mein Baby und meine Freundin bekommen jetzt erst einmal die volle Aufmerksamkeit", freut sich der ehemalige Defensivspieler.

Diese Ruhe genießt Familie Gladrow nun unfreiwillig schon seit dem 1. November, als die Regierung das Land in den Corona-Lockdown beförderte. Nach dem Abbruch der Saison 2020/21 wurde eine Pause bis zur neuen Spielzeit bittere Realität. "Im Amateurbereich war das nicht unsere favorisierte Lösung. Wir haben dem Verband unseres Erachtens nach eine sportliche und faire Lösung vorgeschlagen. Es sollte eine Runde um Auf- und Abstieg gespielt werden. Man hätte diese Meisterschaft definitiv sportlich zu Ende bringen können. Phönix Wildau hätte es besser gefunden, die Saison zu unterbrechen und zu verlängern. Statuten haben das aber scheinbar verhindert. Man hat sich wohl auch nicht richtig mit den Hygienekonzepten der Vereine auseinandergesetzt oder vertraut gemacht. Forscher und Professoren melden sich ja regelmäßig zu Wort, dass Sport draußen und auch Fußball bedenkenlos ausgeführt werden können. Für die neue Spielzeit ist nur zu hoffen, dass wir ohne Komplikationen wieder Fußball spielen können, denn Sport verbindet, trägt zur Gesunderhaltung bei und stärkt das soziale Umfeld“, erklärt der Güterkraftverkehrskaufmann.

"Für uns alle steht die Gesundheit im Vordergrund, aber wenn im Westen und Südwesten gespielt wird, stimmt da etwas nicht. Für den Amateurbereich ist das alles ebenso traurig. Mit guten Hygienekonzepten kann man alles schaffen. Wir müssen das Beste aus der Situation machen", fügt Rico an.

Falco Gladrow
Falco Gladrow (r.) führte zu seiner aktiven Zeit die Phönix-Elf regelmäßig als Kapitän auf das Feld. © Kevin Päplow

Das Beste probiert Uwe Gladrow samt Familie nun schon seit 24 Jahren für die SG Phönix zu machen. Der Weg, den der Verein in den letzten Jahren ging, möchte der Präsident mit seinen Mitstreitern weitergehen. Grundsolide, sachlich und sportlich fair lautet die Devise an der Grabowskistraße. "Wir wollen alle Phönixer mitnehmen auf diesem Weg. Wir sind bei der Planung sehr weit. Die Teams stehen so weit, obwohl noch einige Plätze im Landesligakader beziehungsweise im U-23-Team offen sind. Wir gehen hier seit vielen Jahren den Weg, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, Talente aus der Umgebung und auch externe Spieler zu integrieren. Es laufen dazu Gespräche, aber bezüglich Neuzugängen ist da noch nichts fix. Wir gehen wohl mit 17 Mannschaften, darunter auch wieder mit einem Frauenteam, an den Start. Leider werden wir in der kommenden Spielzeit keine A-Junioren stellen können."

Michael Werner und Uwe Gladrow
Bei Phönix baut Präsident Uwe Gladrow (r.) weiterhin auf Coach Michael Werner und sein Trainerteam. © Verein

Uwe Gladrow ergänzt: "Sportlich wollen wir in der Landesliga wieder einen einstelligen Tabellenplatz anstreben und wir freuen uns an dieser Stelle mitteilen zu können, dass wir Michael Werner weiter als Cheftrainer gebunden haben. Als Co-Trainer konnten wir Toni Born nun fest dazu gewinnen. Mit dem Teamleiter Brian Päplow konnten wir ebenso verlängern, wie mit dem Torwarttrainer Steffen Horstmann und Athletiktrainer Josef Helbig. Im Nachwuchs haben wir außerdem ein Konzept erstellt, um uns auch sportlich weiterzuentwickeln. Das ist mit den Trainern besprochen. Klar sind wir ein Amateurverein, allerdings sollte man sich auch Ziele setzen und Leistungsanreize schaffen."

Dieses Vertrauen bekommen auch seine Söhne Falco und Rico bei der Umstrukturierung der Reservemannschaft in eine U23-Elf, die Spieler für die Landesliga entwickeln und als Einheit in der Kreisliga für Furore sorgen soll. "Wir haben die Sache zusammen im Sommer 2020 übernommen. Es bereitet uns Freude und die Zielsetzung sollte sein, sich in der Liga zu etablieren und sich zu stabilisieren", erklären die Trainer. "Für mich ist es eine neue Erfahrung, aber mein Ehrgeiz sagt mir, dass ich das bestmögliche aus der Truppe herausholen will. Wenn wir im Verein weiter so engagiert arbeiten, hoffe ich auf den Sprung in die Brandenburgliga. Darüber habe ich mit meinem Vater schon oft gesprochen", gesteht der Bewunderer von Cristiano Ronaldo, Rico Gladrow. Auch Falco fügt an, dass ihm die Arbeit mit seinem Bruder gefällt und bringt auch eine Reunion ins Gespräch. "Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, da noch einmal zusammen auf dem Platz zustehen. Insgesamt bin ich mit der Entwicklung des Vereins zufrieden. Das Präsidium macht gute Arbeit, Baustellen werden step by step abgearbeitet und das Wachstum ist absolut gesund", blickt der frischgebackene Vater auf den Verein.

Phönix E-Junioren 1998
In der Saison 1998/99 spielten Falco und Rico Gladrow erfolgreich im Phönix-Nachwuchs zusammen. © Verein

Hier ergänzt Uwe Gladrow noch, dass dies alles kaum ohne das Engagement der vielen Mitglieder, verantwortlichen Trainer, Übungsleiter, Schiedsrichter und nicht zuletzt seiner Kollegen im Präsidium, der vielen Sponsoren sowie der Stadt Wildau, die den Verein auch während der Pandemie weiter unterstützt haben, möglich gewesen wäre. Für den Fußball wünscht sich Familie Gladrow nicht nur bei Phönix Wildau, dass die Gesundheit an erster Stelle steht. "Man kann allen nur Gesundheit wünschen, aber die Fußballfamilie in Brandenburg benötigt auch Planungssicherheit. Die Politik sollte sich endlich mehr zum Sport bekennen und sich das auch ganz oben auf die Agenda schreiben", positionieren sich Uwe, Falco und Rico Gladrow und sprechen damit wohl vielen Fußballfreunden, Vereinen, Spielern und Ehrenamtlern aus dem Herzen.