31. März 2020 / 14:55 Uhr

Phönix-Wildau-Torwartlegende Sebastian Dix: "Björn Müller hat Generationen geprägt"

Phönix-Wildau-Torwartlegende Sebastian Dix: "Björn Müller hat Generationen geprägt"

Kevin Päplow
Märkische Allgemeine Zeitung
Sebastian Dix
Sebastian Dix war zu seiner Zeit die unumstrittene Nummer eins im Phönix-Kasten. © Oliver Schwandt
Anzeige

Dahme/Fläming-Legenden (Teil 2): Das Tor im Otto-Franke-Stadion ist die Heimat von Sebastian Dix.

Anzeige

In unserer Rubrik "Legenden aus dem Fußballkreis Dahme/Fläming" stellen wir Euch nun einen echten Torwart aus Schrot und Korn vor. Sebastian Dix spielte in seiner Laufbahn im Herrenbereich nur für die SG Phönix Wildau und erlebte den Absturz in die Kreisliga sowie den Aufschwung mit dem Aufstieg in die Landesliga Süd mit. Ein Mann, der auch in schweren Stunden zum Verein stand und nie an einen Wechsel dachte. Diese Vereinstreue machte ihn für viele Wildauer zu einer Torwartlegende.

Anzeige

Der Coronavirus hat in den Augen von Phönix-Legende Sebastian Dix auch etwas „Gutes“, wenn man sich auf den Fußball beschränkt. „Als Fan von Werder Bremen hoffe ich natürlich, dass diese für die Menschheit bittere Pause vom normalen Leben, etwas Positives hat und es einen Umschwung gibt. Man hofft auf die ,Wonderwall' und einen späten Klassenerhalt durch die Heimspiele gegen Ende der Saison. Priorität hat in dieser Zeit aber die Gesundheit der Familie. Sportlich ist es schon alles sehr ungewohnt. Rad fahren oder Joggen sind da kein Ersatz. Da laufen schon Bundesliga Classics“, berichtet der Mann, der sein ganzes Leben für Phönix Wildau Fußball spielte und den Kasten noch heute sauber hält.

Mehr aus der Serie

Los ging es für den jetzt 39-jährigen Werder-Fan aber im Feld, bis man bei den C-Junioren vergeblich beim Gastspiel in Alt-Stahnsdorf auf den Torwart wartete. „Wir verloren 1:9, aber ich muss meine Arbeit dennoch gut gemacht haben“, schmunzelt Dix. Seither hütet er das Tor im Otto-Franke-Stadion und fuhr 1997 unter dem damaligen Trainer Arno Lull die Meisterschaft und den Pokalsieg mit den B-Junioren ein.

Das seit 1992 aktive Phönix-Mitglied durchlief bis zur absoluten Nummer eins im Tor der ersten Männermannschaft einen holprigen Weg. Die Bundeswehr, gute Torhüter wie der erfahrene Heiko Wiechert und sein Kumpel Marcel Hellmann, waren Gründe, erst einmal den Kasten der Reserve zu hüten. „Ich hatte auch keine Zeit zu trainieren, hielt aber 1999 gleich im ersten Kreisligaspiel gegen Dahlewitz zwei Elfmeter“, weiß der Routinier noch genau. Verlassen konnte sich das Talent dabei immer auf Oli Linde, der ihn als Torwarttrainer immer forderte.

Als Phönix 2007 den bitteren Gang als Inventarstück auf Landesebene in die Kreisliga gehen musste, blieb Sebastian Dix trotzdem und wurde der Rückhalt im Kasten, als es um den Neuaufbau der Mannschaft ging. Die verjüngte Phönix-Elf verpasste aber den sofortigen Wiederaufstieg, weil man gegen die vermeintlich kleinen Teams die Siege nicht einfuhr. Ein Jahr später fing der SV Grün-Weiß Union Bestensee die Wildauer auf der Zielgeraden noch ab. „Wir haben das direkte Duell mit 0:2 verloren. Hätten wir das Ding gewonnen, wären wir wohl durch gewesen. Der Pokalsieg hat uns nicht getröstet“, weiß der verheiratete Familienvater.

„Wenn die Trainer mich anriefen, war ich zur Stelle“

Der verflixte dritte Anlauf klappte dann in der Spielzeit 2009/10 souverän und man stieg endlich wieder in die Landesklasse auf. Die Truppe um die Achsen Dix im Tor, Martin Brandt, Nico Kieper, André Dietzmann, Sebastian Speiler und besonders Björn Müller, etablierte sich schnell und mit Steve Neumann knipste in der überragenden Aufstiegssaison zur Landesliga 2012/13 ein Neuzugang aus Schulzendorf. „Die wichtigsten Faktoren waren aber die Trainer Ulrich Prüfke und Bernd Strahl. Sie haben aus Rabauken seriöse Spieler geformt“, gibt der studierte Augenoptiker zu.

Als Sebastian Dix, dessen Vorbild die italienische Torwartlegende Gianluigi Buffon ist, eigentlich auf Grund der Geburt seiner Tochter kürzertreten wollte, musste er zur Rückkehr in die Landesliga aber gleich wieder den Kasten der Elf von Union-Legende Uli Prüfke hüten. Der im Sommer verpflichtete Torwart Steve Bonkowski verletzte sich im Vorbereitungsspiel gegen Union Bestensee schwer an der Schulter und so wurde Dix wieder zum Rückhalt des Teams. „Es war natürlich eine schöne Sache, nochmal Landesliga zu spielen. Wenn die Trainer mich anriefen, war ich zur Stelle. So war das immer", stellt er klar.

Phönix Wildau Ü35
Mit den Alten Herren der SG Phönix, konnte Dix im letzten Spieljahr den Pokalsieg feiern. © Verein

Jetzt kickt der 39-jährige Torwart bei den Alten Herren seines Herzensvereins, wo sich ein Kreis schließt. „Ich spiele gegen Leute, mit denen man sich schon in der Jugend duelliert hat. Das ist schon nostalgisch“, schwärmt der Torhüter, der sich neben dem Fußball auch für die NFL begeistert. Mit den „Oldies“ konnte Sebastian Dix 2019 im Endspiel gegen die SG Niederlehme durch einen knappen 3:2-Erfolg den Kreispokal gewinnen.

Als Zuschauer bei den Spielen der Herren und als eingefleischter Wildauer freut sich Dix, dass der Verein den Fokus auf die Jugend legt und motivierte Trainer ausbildet. „Es wird viel investiert und es ist erstaunlich, welch Arbeit dort geleistet wird. Das haben Vereine, die dachten sie wären über uns, völlig verpasst“, schätzt "Schnapper", wie ihm seine Mitspieler nennen, ein.

Björn Müller (Phönix Wildau)
Seit Jahren die Gallionsfigur im Team der SG Phönix Wildau: Kapitän Björn Müller. © Kevin Päplow

„Björn Müller hat Generationen geprägt“

Der Landesligamannschaft um Trainer Michael Werner wünscht man hingegen, dass der Nachwuchs eingebaut wird und sich das Team weiter in der Landesliga Süd hält. Die größte Herausforderung in Zukunft wird sein, einen Leitwolf für Björn Müller zu finden, wenn dieser einmal seine Laufbahn beendet. „Das könnte einen großen Einschnitt geben. Björn Müller hat Generationen geprägt. Diesen Mann zu ersetzen, wird in meinen Augen sehr schwierig sein. Aber auch wenn Björn nicht mehr spielt, wird der Ball im Otto-Franke-Stadion weiter im Tor des Gegners zappeln“, erklärt Dix mit einem Augenzwinkern.