03. Juni 2021 / 21:36 Uhr

Physio, Seelsorger, Legende: Uwe Zimmermann verlässt nach 32 Jahren seinen 1. FC Lok

Physio, Seelsorger, Legende: Uwe Zimmermann verlässt nach 32 Jahren seinen 1. FC Lok

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Physiotherapeut Uwe „Zimbo“ Zimmermann am Spielfeldrand
Physiotherapeut Uwe „Zimbo“ Zimmermann am Spielfeldrand © Christian Modla
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Abschiedsstimmung in Probstheida. Uwe „Zimbo“ Zimmermann verlässt nach 1000 Spielen als Physiotherapeut seinen 1. FC Lok Leipzig. Der inzwischen 62-Jährige hat sowohl die Bundesliga als auch dritte Kreisklasse, Auf- und Abstiege, Insolvenzen und eine Neugründung erlebt. Er gilt als Legende des blau-gelben Vereins.

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Leipzig. Mitten im Jubel wird Uwe Zimmermann rangerufen, um als einer der Ersten den so eben errungenen Sachsenpokal in die Höhe zu reißen – ein Abschiedsgeschenk der besonderen Art. „Das war ein sehr schönes Gefühl. Es ist auch immer ein Zeichen, dass die, die drum herum arbeiten, nicht egal sind“, weiß „Zimbo“, wie der Physiotherapeut des 1. FC Lok Leipzig gerufen wird, die Geste zu schätzen. Nach 32 Jahren in Probstheida mit Bundesliga, 3. Kreisklasse, Auf- und Abstiegen, Insolvenz und Neugründung wird der 62-jährige Zimmermann Lok Leipzig verlassen.

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„Zimbo“ genoss den Pokalsieg im Stillen

Das ist eine runde Sache mit dem Pokal, ein riesiger freudiger Abschluss“, erzählt Zimmermann, der gerne auch weitergemacht hätte. „Ohne Frage.“ Die medizinische Betreuung des Lok-Kaders übernimmt ab nächster Saison der Trikotsponsor ASEVIDA Reha-Zentrum. Zimmermann wird sich nach einem Urlaub entscheiden, wie und wo es für ihn weitergeht.

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Da ist das Ding! Lok Leipzig ist Sieger im Finale des Sachsenpokals. Zur Galerie
Da ist das Ding! Lok Leipzig ist Sieger im Finale des Sachsenpokals. © Christian Modla

Die Pokalsause und mithin seine Abschiedsfeier genoss der in Bad Salzungen geborene Physio im Stillen. „Ich bin eigentlich nicht so dieses Feierbiest, ich setze mich dann meist nach dem ersten offiziellen Teil still und heimlich ab“, berichtet Zimmermann. „Das war beim Bundesligaaufstieg so und jetzt auch am Sonnabend.“



Der besagte Bundesligaaufstieg 1993 sei eines der Highlights der letzten drei Jahrzehnte in Blau-Gelb gewesen. Ebenso die ersten Spiele nach der Neugründung vor 5000 Fans in der Kreisklasse, aber auch der gewonnene Sachsenpokal in dieser Spielzeit. „Er ist ein großer Teil der Lok-Geschichte“, sagt Trainer Almedin Civa über Zimmermann, der 1989 beim VfB Leipzig anfing und seitdem auch immer ein Seelsorger für die blau-gelben Fußballerseelen war. „Das gehört dazu, weil man mit den Spielern sehr eng und sehr nah ist. Da hat man ein offenes Ohr“, erklärt er. Eiserne Regel: „Man hört sich viel an, aber es wird wenig erzählt. Das bleibt bei mir, das wissen die Spieler auch.“

Lebenslanger Platz am Legendentisch

Bei mehr als 1000 Partien stand Zimmermann an der Außenlinie, betreute hunderte Lok-Kicker – doch eine Behandlung bei einem Testspiel 2008 sticht heraus. Im Bruno-Plache-Stadion brach ein Zuschauer auf dem Dammsitz zusammen und musste reanimiert werden. Mit Hilfe einer Herz-Druck-Massage rettete Zimmermann dem Fan das Leben, während auf den Krankenwagen gewartet wurde. „Wir hatten danach sehr engen Kontakt, noch ein paar Mal telefoniert“, erinnert sich Zimmermann.

In Zukunft möchte er möglichst alle Heimspiele in Probstheida besuchen, wo er sich auf einen herzlichen Empfang freuen kann. So erklärte Präsident Thomas Löwe unlängst: „Als Legende unseres Vereins nimmst Du selbstverständlich lebenslang am Legendentisch Platz.“