21. Juli 2021 / 15:00 Uhr

Piergiulio Ruhe holt mit gebrochener Hand den Mittelmeer-Titel des WBC

Piergiulio Ruhe holt mit gebrochener Hand den Mittelmeer-Titel des WBC

Niklas Könner
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Jubel im italienischen Trikot: Piergiulio Ruhe (Mitte) mit dem WBC-Gürtel als neuer Mittelmeer-Champion. © pr.
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Es war sein größter Kampf und seine größte Schlacht. Profi-Boxer Piergiulio Ruhe ist jedoch mit einem großen Preis daraus zurückgekommen.

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Internationale Bühne, extremer Schlagabtausch und ein fast schon sportheroisches Happy End: Der Rintelner Profiboxer Piergiulio Ruhe hat nach einem nahezu alles bietendem Zehn-Runden-Kampf den „World Boxing Council (WBC) Mediterranean Title“ im Mittelgewicht gewonnen. Im Hafen von Alanya besiegte der 26-Jährige am Samstagabend den Bosnier Sladan Janjanin nach Punkten – und das trotz einer gebrochenen Mittelhand.

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„Es war der härteste Kampf meines Lebens, wie eine Schlacht“, sagt Ruhe, der unter der Flagge seines Geburtslandes Italien und für den „Boxclub Lübeck“ im Ring stand. Das Duell mit Janjanin habe in puncto Intensität und Härte alle seine bisherigen Kämpfe übertroffen, bilanziert Ruhe. Daher bedeute ihm der Triumph „sehr, sehr viel“, so der neue Champion nach dem Titelgewinn.

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Seine Ambitionen auf den Mittelmeer-Gürtel des WBC unterstrich Ruhe bereits in den ersten Runden des Kampfes. Dynamisch und druckvoll agierend punktete der Deutsch-Italiener zu Beginn gegen seinen Kontrahenten. Während der dritten Runde dann der Schock: Bei einem Uppercut-Schlag verletzt sich Ruhe an der rechten Hand, er merkt sofort, dass etwas kaputtgegangen ist. „Ich habe die Schmerzen bei jedem Schlag gespürt. Das war so, als ob ich gegen eine Backsteinwand hauen würde“, beschreibt der Rintelner die Situation.

Trotz der gravierenden Verletzung kam eine Aufgabe für Ruhe nicht infrage. Stattdessen fightete er sich zurück und hielt der Wucht seines Gegners stand. „Ich habe teilweise echt harte Schläge kassieren müssen. Zweimal hat es bei mir im Kopf auch schon geklingelt“, gibt Ruhe zu. Danach allerdings habe er sich fangen und auch wieder einige platzierte Treffer landen können. Ins letzte Risiko sei er dabei bewusst nur sehr dosiert gegangen. „Ich habe bis zum Schluss standgehalten. Das war das Wichtigste“, erklärt Ruhe.

Nervenschlacht

Nach dem physisch zermürbendem Fight folgte für den Rintelner dann noch eine Nervenschlacht bei der Urteilsverkündung der Kampfrichter. Im Trikot der italienischen Fußball-Nationalmannschaft wartete Ruhe im Ring auf das Ergebnis. Nachdem der erste Kampfrichter das enge Duell mit 95:95 unentschieden wertete, sei er unsicher geworden, verrät Ruhe. Als die übrigen beiden Urteile mit 96:94 und 97:93 ausfielen, „ist mir aber ein Stein vom Herzen gefallen. Ich war echt glücklich“, erinnert sich der Titelträger an den emotionalen Moment seines größten Erfolges.

Zugleich zollt Ruhe auch seinem Gegenüber Respekt für dessen Leistung: „Janjanin war sehr erfahren und professionell. Das war Champions League“. Natürlich freue er sich, dabei mitgehalten haben zu können. „Aber ich weiß jetzt auch, dass die Kämpfe in Zukunft noch schwieriger werden und ich noch mehr trainieren muss“, sagt Ruhe über die gesammelten Erfahrungswerte.

Heftige Schmerzen nach dem Kampf

Nach seiner Rückkehr mit dem WBC-Gürtel im Gepäck geht es für den frischgebackenen Mittelmeer-Champion erst einmal zur medizinischen Nachversorgung. Eine endgültige Diagnose seiner Handverletzung stehe zwar noch aus, erklärt Ruhe. „Nach den ersten Untersuchungen deutet es aber leider auf einen Mittelhandbruch hin.“ Aufgrund der zahlreichen Schläge gegen den Kopf werde er sich sicherheitshalber zudem einem MRT-Check unterziehen. „Ich habe überall Schmerzen und werde mich erst mal auskurieren müssen“, sagt Ruhe über seinen Zustand.

Aus diesem Grund kündigt der 26-Jährige auch eine zu-nächst längere Pause an. Ob er in diesem Jahr noch einen Kampf bestreiten werde, sei daher aktuell noch ungewiss. Fest steht jedoch, dass durch den jüngsten Erfolg zukünftig attraktive Angebote auf inter-nationalem Parkett möglich sein könnten. „Mein Name ist jetzt international bekannt“, freut sich Ruhe, der mit dem WBC-Titel womöglich das Tor zu einer ganz großen Karriere aufgestoßen hat.