14. April 2020 / 07:48 Uhr

Planungen kaum möglich: So geht es bei Hannover 96 in Sachen Verträge und Transfers weiter

Planungen kaum möglich: So geht es bei Hannover 96 in Sachen Verträge und Transfers weiter

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Waldemar Anton beim Geistertraining in der HDI-Arena.
Waldemar Anton beim Geistertraining in der HDI-Arena. © Florian Petrow
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Während der Corona-Krise ist es sehr schwierig, verlässlich in die Zukunft zu schauen. Niemand weiß, wann wieder Normalität herrscht. Die Planungen bei Hannover 96 stecken fest, doch wenn es wieder losgeht, könnte so einiges passieren.

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Den Stift lassen die Klubchefs zurzeit besser in der Schublade. „Jede Unterschrift bedeutet Rechtssicherheit“, sagt Martin Kind – und das ist jetzt keineswegs vorteilhaft. Denn wer wird schon einen Vertrag in Kraft setzen wollen, der sich im Nachhinein als Belastung herausstellen könnte. „Eigentlich können wir jetzt gar nicht planen“, erklärt der 96-Profichef, „denn jede Entscheidung könnte sich als falsch herausstellen.“

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Alle Profivereine hängen in der Falle, irgendwo im finanziellen Nirgendwo. Sie schreiben Best-Case- und Worst-Case-Szenarien – und keiner kann verlässlich sagen, welches Drehbuch am Ende verfilmt wird. Fast alles hängt davon ab, ob wieder gespielt wird – und die TV-Sender frische Ware übertragen können. Den 9. Mai haben sich dazu die 36 Vereine der ersten und zweien Liga dick angestrichen – da soll der Ball wieder rollen.

Bilder vom Training von Hannover 96 (9. April)

Sichtlich gut gelaunt: 
96-Trainer Kenan Kocak. Zur Galerie
Sichtlich gut gelaunt: 96-Trainer Kenan Kocak. ©

Kind wartet DFL-Signal ab

Entscheiden wird sich das wohl schon in dieser Woche. Am Mittwoch berät die Regierung mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Am Freitag sitzen die 36 Vereinsbosse vor den Bildschirmen. Per Video-Konferenz der Deutschen Fußball-Liga soll das Signal für die Geisterspiele erfolgen. „Ich hoffe, dass wir dann mehr Klarheit haben“, sagt Kind.

Doch auch wenn die letzte, noch ausstehende Rate vom TV-Geld fließt – für 96 fünf Millionen Euro – bleibt eine große Unsicherheit für die künftigen Haushalte. „Aber wir hören ja nicht auf zu arbeiten“, erklärt Kind. Und zwei 96-Verträge laufen auch außerhalb der Unplanbarkeits-Wertung. „Beim Trainer und Sportdirektor muss ich differenzieren“, erläutert der 96-Chef. „Die beiden brauchen wir ja unbedingt.“

So sollen in den nächsten Tagen die Papiere von Trainer Kenan Kocak und vor allem beim Sonderfall Gerhard Zuber rechtskräftig werden. Das Arbeitsgericht in Hannover muss den Vertrag nach der Klage des Sportchefs und erstinstanzlichem Urteil abstempeln.

Zehn Statistiken zu Hannover 96:

 <b>Die besten Torschützen</b>: 1. Hendrik Weydandt (8 Tore), 2. Marvin Ducksch (6), 3. Cedric Teuchert (5). Zur Galerie
Die besten Torschützen: 1. Hendrik Weydandt (8 Tore), 2. Marvin Ducksch (6), 3. Cedric Teuchert (5). ©

Gibt "noch Gesprächsbedarf"

Kocak und Zuber basteln längst an der neuen Mannschaft, reden aber vorerst nur mit potenziellen Verstärkungen – und nicht mit 96-Spielern, deren Verträge auslaufen. „Es gibt A-, B-, und C-Lösungen“ für die freien Positionen, aber laut Kind „noch Gesprächsbedarf“. Immerhin hätten die Berater der Spieler nun „eine realistische Einschätzung der Märkte“, lobt der 75-Jährige.

Nur: Was ist realistisch? Wie schwierig das bei der Einordnung von Marktwerten und Ablösesummen wird, zeigt das Beispiel von Waldemar Anton. „Unser Ziel ist, mit ihm zu verlängern“, erklärt der 96-Boss. „Aber wenn das nicht gelingt, wäre unsere Bereitschaft da, ihn abzugeben.“

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Was passiert mit Anton?

Anton ist laut Kind sogar „der einzige Spieler, den wir ziehen lassen würden“. Der Vertrag des Ex-U23-Nationalspielers läuft im Juni 2021 aus. Um ihn dann nicht ablösefrei gehen zu lassen, müsste er im Sommer verkauft werden. So weit das eingeübte Geschäft. Doch was, wenn der erzielbare Preis im Keller bei vielleicht nur bei zwei Millionen Euro liegen sollte?

Wäre der Verlust vernachlässigbar im Vergleich zum sportlichen Gewinn einer weiteren Saison mit Anton? Lohnt es sich dann noch, Anton zu verkaufen? „Das weiß ich nicht“, meint Kind, „das wird man dann sehen.“

Anton wollte schon vor der Saison wechseln, Mainz bot 10 Millionen Euro Ablöse, 96 verbot das Geschäft. Aktuell wäre der 23-Jährige am coronafreien Transfermarkt für etwa sechs Millionen Euro zu haben. Um zu wissen, wie viel davon noch am infizierten Spielerbasar übrig bleibt, müsste wohl erst ein neuer Berufsstand entstehen – der des Transfer-Virologen.