15. September 2020 / 17:29 Uhr

Platzhirsch und Raubvögel: Kampf um Potsdams Basketball-Vorherrschaft

Platzhirsch und Raubvögel: Kampf um Potsdams Basketball-Vorherrschaft

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
David Herwig (r.) vom USV Potsdam spielte einst für Bundesligist Alba Berlin.
David Herwig (r.) vom USV Potsdam spielte einst für Bundesligist Alba Berlin. © Verein
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Der USV Potsdam ist zweimaliger Champion der 2. Regionalliga Ost, Aufsteiger Red Hawks Potsdam will weiter durchmarschieren. Es steht eine brisante Saison bevor mit einer angespannten stadtinternen Rivalität.

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Rivalitäten im Sport entstehen oft über Jahre. Zwischen dem USV Potsdam und den Red Hawks Potsdam ging es schneller, sogar so schnell, dass bislang noch nicht einmal die ersten Männermannschaften beider Basketballvereine gegeneinander gespielt haben. In dieser Saison wird sich das ändern. Denn sie treten gemeinsam in der 2. Regionalliga Ost an – und gelten dort zu den Favoriten. Der Kampf um die Vorherrschaft unter den Potsdamer Körben startet am Samstag.

Aktuell darf sich der USV als Nummer eins in der Stadt sehen. „Wir sind der Platzhirsch“, sagt Abteilungsleiter Steven Sticken. Das Team wurde zuletzt zweimal Meister der 2. Regionalliga, verzichtete jedoch auf den Aufstieg. Aus wirtschaftlichen und strukturellen Gründen. Nunmehr soll ein „Threepeat“ gelingen, der dritte Titelgewinn in Serie. Und sollte damit der Aufstieg wieder Thema werden: „Wir sind offen für alles“, sagt Sticken. Ohne Abgänge aus dem 14-köpfigen Kader der Vorsaison sei die von Konstantin Mau trainierte Mannschaft wieder gut und breit aufgestellt. „Wir haben den stärksten Kader der Liga“, meint der Abteilungsleiter und schickt damit eine Kampfansage hinüber ins Horst der Roten Falken.

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Reines Ehrenamt beim USV, Red Hawks professionalisieren sich

Die Red Hawks sind als Club erst seit 2019 eigenständig, hatten sich zuvor als Sektion des SV Babelsberg 03 abgespaltet und insgesamt einen rasanten Aufstieg hingelegt. Beginnend im unteren Brandenburger Basketball wurde über die Oberliga nun zumindest die 2. Regionalliga erreicht. Es soll nur ein weiterer kurzer Zwischenstopp bleiben. „Es ist unser gesetztes Ziel, dass wir auch dort direkt durchmarschieren“, betont Vorstandsmitglied Robert Schünemann. Langfristig sei die 2. Bundesliga im Visier.

Reza Ghasseminia (M.) trainiert die Red Hawks Potsdam.
Reza Ghasseminia (M.) trainiert die Red Hawks Potsdam. © Detlev Scheerbarth

150 Mitglieder haben die Red Hawks, halb so viele wie der innerstädtische Kontrahent. Während die USV-Basketballabteilung ausschließlich ehrenamtlich agiert, hat der aufstrebende Neuling inzwischen zwei hauptamtliche Trainer: Reza Ghasseminia, der das erste, mit einigen Neuzugängen verstärkte Männerteam trainiert und Nachwuchsteams coacht, sowie Asil Aydin als Jugendkoordinator. Für das nächste Spieljahr sei der Plan, Teams in die Nachwuchs- und Jugend-Bundesliga zu führen, sagt Schünemann. „Wir wollen einen Leistungsstandort aufbauen und zeigen, dass wir es ernst mit unserem Projekt meinen.“

Brandenburger Corona-Sportregel bremste die Vorbereitung

Die neu entstandene Konkurrenz sorgt naturgemäß für Spannungen. Das Verhältnis zueinander ist, gelinde gesagt, unterkühlt. „Das ist ja auch irgendwie normal. Wir haben ins Revier des USV eingegriffen“, sagt Schünemann von den Raubvögeln. „Aber die Stadt ist groß genug für uns beide.“ Zumal die Parteien unisono bekräftigen, dass sie unterschiedliche Konzepte hätten. „Wir haben schon immer einen klaren Fokus auf die Kinder- und Jugendförderung. Sicherlich geht es auch um Erfolg, aber wir sehen vor allem einen breitensportlichen Ansatz“, erklärt USV-Mann Sticken. Die Red Hawks hätten derweil zwar auch Freizeitsportteams, so Schünemann. „Allerdings ist bei uns ein klarer Leistungsgedanke verankert. Wir wollen eine gute, fundierte Ausbildung und eine große Perspektive für Talente innerhalb des eigenen Vereins.“

Der von Konstantin Mau (r.) trainierte USV Potsdam will zum dritten Mal den Titel in der 2. Regionalliga Ost. 
Der von Konstantin Mau (r.) trainierte USV Potsdam will zum dritten Mal den Titel in der 2. Regionalliga Ost.  © Verein

Die beiden Männerteams verbindet zudem, dass sie zahlreiche Akteure in ihren Reihen haben, die bereits höherklassig gespielt haben. Unter ihnen sind auch einige, die 27 Jahre und älter sind. Bis 4. September durften sie aufgrund der Brandenburger Corona-Regel für Hallen-Kontaktsport nicht richtig mittrainieren und spielen. Daher haben die Red Hawks ihre ersten beiden Saisonpartien verlegen lassen, starten erst am 3. Oktober in Halle (Saale). „Beim Basketball geht es um blindes Spiel, Verständnis. Das zu etablieren, braucht Zeit“, erklärt Schünemann. Der USV, dessen zweite Mannschaft den Hawks vergangenes Jahr die einzige Saisonniederlage zugefügt hatte, beginnt hingegen planmäßig. Mit einem Kracher: Heimspiel am Samstag gegen den Zweiten der Vorsaison, Empor Berlin (18 Uhr/Sporthalle Da-Vinci-Gesamtschule). „Wir“, sagt Sticken entschlossen, „sind bereit.“

Auch für die Potsdam-Derbys, die am 31. Oktober sowie 13. Februar stattfinden sollen. Und die Rivalität wohl noch mehr ausprägen werden.

+++ Potsdamer Heimspiele am Volkspark und am Stern +++

Diese Saison treten in der 2. Basketball-Regionalliga Ost 13 Mannschaften an: sieben aus Berlin, zwei aus Sachsen-Anhalt und vier aus Brandenburg. Neben dem USV und den Red Hawks aus Potsdam sind die BBC White Devils Cottbus sowie die TKS 49ers II, das Förderteam des Zweitligavereins aus Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf, die märkischen Teams.

Der USV Potsdam trägt seine Heimspiele in der Sporthalle der Da-Vinci-Gesamtschule (Esplanade 3) nahe des Volksparks aus. Die Red Hawks spielen in der Sporthalle des Schulzentrums am Stern (Gagarinstraße 5). Am 19. Dezember wollen die Hawks gegen Lichterfelde in der MBS-Arena spielen.