08. April 2021 / 21:10 Uhr

PSG-Pleite, Boateng-Theater und Flick-Wirbel: FC Bayern bröckelt vor Saison-Finale

PSG-Pleite, Boateng-Theater und Flick-Wirbel: FC Bayern bröckelt vor Saison-Finale

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Einheit wackelt: Der FC Bayern hat derzeit einige Probleme.
Die Einheit wackelt: Der FC Bayern hat derzeit einige Probleme. © Markus Ulmer/imago images
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Verletzungssorgen, Abschied von Jerome Boateng und Flick-Theater: Nach dem 2:3 gegen PSG drohen den Münchnern das Champions-League-Aus und der Abgang des Trainers. Die Zufriedenheit bröckelt.

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Ein 2:0 würde reichen fürs Weiterkommen. Wenn es so schwarz auf weiß dasteht, sieht das Unterfangen Doch-noch-Halbfinaleinzug gar nicht so unrealistisch aus für den FC Bayern München nach der grotesken 2:3-Niederlage ge­gen Paris Saint-Germain. Doch zwei Tatsachen machen daraus beinahe ein Ding der Unmöglichkeit: die Statistik und Kylian Mbappé.

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Denn erstens sind die Bayern nach einer Heimniederlage im Hinspiel einer K.-o.-Runde der Champions League bislang noch nie weitergekommen, und zweitens müsste man beim avisierten Wunder von Paris Mbappé, den Wunderstürmer der Franzosen, ausschalten. In München erzielte der 22-Jährige einen Doppelpack. Heißt: Wenn der PSG-Wirbelsturm um Mbappé und Neymar auch im Rückspiel am Dienstag im Parc des Princes wieder ein-, zweimal treffen sollte, wird es noch schwerer als ohnehin schon.

Wir haben die Überzeugung, dass wir weiterkommen können“, sagte Thomas Müller und begründete die Zuversicht mit dem fahrlässigen Umgang der Chancen, die sich auf 31:6 Schüsse, davon 12:5 aufs Tor, summierten: „Wir haben wir viel zu viel liegen gelassen. Wenn es 5:3, 6:3 ausgeht, kann sich keiner beschweren.“ Der zweite Torschütze, Lewandowski-Ersatz Eric-Maxim Choupo-Moting, meinte trotzig: „Es ist noch nicht vorbei.“ Für Trainer Hansi Flick war „die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, beeindruckend. Wir sind guter Dinge, dass wir das Spiel umbiegen können.“ Durchhalteparolen eines wankenden Titelverteidigers – zumal neben Lewandowski auch Serge Gnabry (Corona-Infektion) sowie die angeschlagen ausgewechselten Niklas Süle (Muskelfaserriss) und Leon Goretzka (Zerrung) im Rückspiel wohl fehlen werden. „Der Kader wird immer dünner“, klagte Flick.

Das 2:3 war seine erste Niederlage in der Champions League nach 15 Siegen und einem Remis seit Amtsantritt. Bei einem Ausscheiden könnte das Rückspiel zur letzten Königsklassenpartie für ihn werden. Denn von Tag zu Tag und von Nichtklartext zu Nichtklartext wird es wahrscheinlicher, dass Flick, der Wunschkandidat des DFB, im Anschluss an die EM die Nachfolge von Bundestrainer Joachim Löw antritt. Flick vermeidet trotz seines Vertrages bis 2023 ein klares Bekenntnis zum Miteinander in der kommenden Saison – wohl auch, weil Sportvorstand Hasan Salihamidzic das ebenfalls nicht über die Lippen kommt.

Dass der 56-Jährige mit Salihamidzic über Kreuz liegt obwohl man nach außen das ach so hervorragende Miteinander beteuert, ist offensichtlich. Auf Nachfragen reagiert Flick von Tag zu Tag gereizter, sagte: „Alles muss ich nicht beantworten, weil ich es auch nicht möchte.“ Flick betonte, er müsse „da auch ein bisschen schauspielern. Das gehört auch dazu zum Trainerjob.“

Spannungen zwischen Flick und Salihamidzic

Die Spannungen zwischen ihm und Salihamidzic drehen sich um des Trainers Wunsch nach Mitspracherecht bei Personalentscheidungen. Was Salihamidzic, unterstützt von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, als ureigene Kernkompetenz reklamiert. Der Burgfriede ist brüchig. Zum Jahresende scheidet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aus, der Flick-Förderer will den Trainer unbedingt halten. Gegenüber der Bild sprach Rummenigge nun an ein Machtwort: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten. Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung. Das hat den FC Bayern immer ausgezeichnet", sagte er mit Blick auf die verschiedenen Parteien.

Bayern bröckelt. Man läuft aktuell an der Säbener Straße Gefahr, dass aus dem Seriensieger ein Torso wird. Mit der Meisterschale als einzigem Titel – und ohne Trainer für die kommende Saison.