09. Januar 2022 / 20:22 Uhr

Pleitenserie geht weiter: Wolfsburg so schlecht wie noch nie - "Wir sind auch nur Menschen"

Pleitenserie geht weiter: Wolfsburg so schlecht wie noch nie - "Wir sind auch nur Menschen"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sechste Liga-Niederlage in Folge: Florian Kohfeldt und der VfL Wolfsburg.
Sechste Liga-Niederlage in Folge: Florian Kohfeldt und der VfL Wolfsburg. © (c) Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Der VfL Wolfsburg rutscht immer tiefer in die Krise - und nach dem 0:1 in Bochum zum Rückrundenstart muss auch der Trainer um seinen Job bangen. Nur noch zwei Punkte trennen die Niedersachsen nach ihrer längsten Bundesliga-Pleitenserie vom Relegationsplatz.

Die Pleitenserie geht weiter - und so schlimm war es für den VfL Wolfsburg in seiner fast 25-jährigen Bundesliga-Geschichte noch nie! Das 0:1 (0:0) am Sonntag beim VfL Bochum war für die Niedersachsen die sechste Liga-Niederlage in Folge. Ein Negativ-Vereinsrekord, für den Bochums Milos Pantovic per Kopfball sorgte.

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Schlimmer noch als die Niederlage: Von einem Wolfsburger "Neustart" war nichts zu sehen. Vor allem das Spiel nach vorn war weit weg von Erstliga-Niveau. So reichten dem Aufsteiger ein Fehlpass von Wout Weghorst, ein zu zögerliches Eingreifen von Jerome Roussillon und etwas Pech von Maxence Lacroix beim Kopfballduell, um die Szene zu kreieren, die das Spiel entschied. Trainer Florian Kohfeldt: "Es war eigentlich ein Unentschieden-Spiel. Aber es ist typisch für unsere Situation, dass wir da pennen."

Die Situation ist in der Tat brenzlig, Wolfsburg rutschte auf Rang 14 ab, hat nur noch zwei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Dass am Samstag die ebenfalls krisengebeutelte Hertha aus Berlin der nächste Gegner ist, macht's nicht leichter. Kohfeldt: "Es wird die Aufgabe in der nächsten Woche sein, wieder in Richtung Optimismus zu gehen."


VfL Wolfsburg beim VfL Bochum: Die Bilder zum Spiel

Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt, Bochums Trainer Thomas Reis und Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer vorm Spiel. Zur Galerie
Wolfsburgs Trainer Florian Kohfeldt, Bochums Trainer Thomas Reis und Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer vorm Spiel. ©

Dass es spätestens dann auch um Kohfeldts Job geht, versteht sich quasi schon von selbst - zu wenig von dem, was er in der Winterpause am Wolfsburger Spiel verbessern wollte, war zu sehen - vor allem, weil die Bochumer Idee, quasi über den ganzen Platz den Gegner in Eins-gegen-eins-Duelle zu zwingen, deutlich besser funktionierte als alle Gegenmaßnahmen der Kohfeldt-Elf. "Wir haben gehofft, das über unsere Qualität im Eins-gegen-Eins lösen zu können", so der Wolfsburger Trainer nach der achten Pflichtspiel-Niederlage nacheinander. "Das haben wir nicht geschafft."

Nach wie vor gilt: Kohfeldt ist in der Lage, Defizite genau zu benennen - aber dass er sie auch abstellen kann, bleibt weiter unbewiesen. "Wir hatten deutlich zu wenig Durchschlagskraft", sagte er nach dem Abpfiff bei DAZN. Und weil es offensiv immer dann falsche Entscheidungen gab, wenn sich mal ein bisschen Raum auftat, "war es ein Spiel, wo wir nicht das gebracht haben, wie erwartet und erhofft." Und dann benannte er das größte Problem: "Wir müssen ehrlicherweise zugeben, dass es solche Spiele in solchen Phasen geben kann. Aber wir dürfen nicht im Ansatz das Gefühl haben, dass es einfach nicht geht."

Aber wer erlebte, wie Wout Weghorst nach der Partie in Bochum fast verzweifelt um Worte rang, konnte genau diesen Eindruck bekommen. "Optimismus und ein positives Gefühl waren bei allen da", sagte der Niederländer. "Wir haben uns vorgenommen, auf eine andere Art und Weise zu spielen, mutigeren Kombinationsfußball mit klaren Strukturen, um so zu Tormöglichkeiten zu kommen. Wir hatten ein Testspiel, in dem das gut gelungen ist." Gelang es auch in Bochum? "Keine Sekunde", so Weghorsts fast schockierend ehrliche Antwort. Was macht Hoffnung? "Sorry, ich weiß es nicht." Und er fügte hinzu: "Wir sollten nicht zu dramatisch werden", so Weghorst, "wir haben noch 16 Spiele. Aber wir müssen auch schauen, wo wir stehen." Was er nicht sagte: Wenn die Angst vor dem Abstiegskampf das Team weiter so lähmt, wird der Weg raus aus der Krise schwierig.

"Wir sind auch nur Menschen", bat Maximilian Arnold um Verständnis. Die Situation "beschäftigt uns", aber "es bringt nicht viel, jetzt rumzureden - wir müssen gemeinsam daran arbeiten und unseren Weg weitergehen, dann werden wir auch wieder erfolgreich sein." Wie dieser Weg aussehen soll, bleibt unklar - und die sportliche Talfahrt macht es fast unmöglich, auf oft gehörte Durchhalteparolen verzichten zu können. "Wir müssen unseren Weg weitergehen", sagte Kohfeldt. Solange man ihn mitgehen lässt, hat er auch keine andere Chance, als genau daran zu glauben.