01. März 2017 / 08:59 Uhr

Plötzlich kein Wechselkandidat mehr: „Sami hat immer an mich geglaubt“

Plötzlich kein Wechselkandidat mehr: „Sami hat immer an mich geglaubt“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzig 1. FC Köln Ralph Hasenhüttl Rani Khedira
RB-Trainer Ralph Hasenhüttl spendiert Rani Khedira nach dem Sieg gegen Köln ein Extralob. © dpa
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RB Leipzigs Rani Khedira spricht im Interview über Bruder- und Trainer-Liebe.

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Leipzig. Vor drei Wochen schien Rani Khediras Weggang zum Saisonende alternativlos. Der Allrounder hatte bis zur Reise nach Dortmund nur fünf Bundesliga-Minuten auf seiner Leipzig-Uhr, pendelte in seiner dritten Saison für die Rasenballer zwischen Tribüne und Ersatzbank. Danach explodierten Einsatzzeiten und Wertschätzung. 66 Minuten gegen den BVB, 14 in Gladbach, 25 gegen Köln. Nach dem 3:1 gegen den Effzeh schwärmte RB-Coach Ralph Hasenhüttl (49) von Khedira, lobte Zuverlässigkeit und Intelligenz des 23-Jährigen, ließ durchblicken, dass er selbigen „gerne halten“ würde. Khedira, dessen Vertrag ausläuft, über die Schnelllebigkeit des Profigeschäfts, aufbauende Gespräche mit seinem Bruder Sami (30), Irritationen über eine Absage an Arminia Bielefeld, einen entflammten Hasenhüttl und das Freitagspiel beim FC Augsburg (20.30 Uhr/Sky).

2014/15 waren Sie unter Alexander Zorniger 1883 Minuten im Einsatz, unter Ralf Rangnick kamen 807 Minuten dazu, Ralph Hasenhüttl hat Sie nur 110 Minuten rangelassen. Die Zahlen lassen nur einen Schluss zu: Sie müssen sich einen neuen Job suchen. Wenn da nicht Hasenhüttls plötzlich entflammte Leidenschaft wäre.

Es freut mich, dass ich zuletzt mehr spielen und mithelfen durfte. Und ein Lob vom Chef ist immer schön.

Ihre Begeisterung ist ausbaufähig, Herr Khedira.

Ich will und muss für meine weitere Entwicklung regelmäßig Fußball spielen. Und es ist nach wie vor die Frage, welche Perspektive ich darauf bei RB habe.

Im Sommer saßen Sie schon auf gepackten Koffern. Damals hielt Sie Hasenhüttl ab, indem er Ihnen Einsatzzeiten avisiert hat. Er hält sein Versprechen mit siebenmonatiger Verspätung ein.

Fakt ist, dass die Vorrunde für mich persönlich nicht schön war. Ich stand öfter nicht mal im Kader, kam nur auf ein paar Einsatzminuten. Jeder will wichtig sein und gebraucht werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann machst du dir natürlich Gedanken. Macht es für alle Beteiligten noch Sinn, oder orientiert man sich neu?

Wie nah waren Sie in der Winterpause an einem Wechsel?

Es gab ein paar Optionen, aber keine davon hat zu diesem Zeitpunkt richtig gepasst.

Rani Khedira RB Leipzig Bierdusche bei Aufstiegsfeierlichkeiten
Rani Khedira ausgelassen: Gemeinsam mit seinen Teamkameraden feierte er im Sommer 2016 den Aufstieg in die Bundesliga. © dpa
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Stimmt es, dass Sie Arminia Bielefeld abgesagt haben, weil Ihnen Aufgabe und Club zu klein waren? Haben Sie Ihren Charakter um den Wesenszug Arroganz erweitert?

Mir ist das nicht bekannt. Ich habe nie mit Bielefeld gesprochen, daher natürlich auch nicht abgesagt. Und, nein, Arroganz ist mir grundsätzlich fremd.

Wie motiviert man sich fürs tägliche Training, wenn am Wochenende immer andere spielen?

Ich bin Profi, liebe meinen Beruf, will und muss mich jeden Tag verbessern. Das geht nicht mit schlechter Laune und mieser Einstellung. Ich habe weiter hart gearbeitet und mich für den Tag X vorbereitet.

Der kam in Dortmund.

Ja, und ich war fit am Tag X. Wenn man wochenlang nicht spielt, muss man im Training noch mehr Gas geben, um an die Wettkampfhärte der Stammspieler ranzukommen. Das habe ich getan.

Nur die Harten kommen in den Garten?

Im Profigeschäft ist das so, ja. Man darf nicht alles an sich heranlassen, muss fokussiert bleiben.

Sie haben insbesondere gegen Köln einen glänzenden Eindruck hinterlassen, fußballerisch und kämpferisch.

Wenn man das Vertrauen und mehr Einsatzzeiten bekommt, ist die Brust breiter, traut man sich Dinge, die man sich in weniger guten Zeiten nicht traut.

Sami Khedira Red Bull Arena Rb Leipzig Erzgebirge Aue Saison 2014/15
Sami Khedira zum Bruderbesuch in der Red Bull Arena. © dpa

Welche Rolle hat Ihr Bruder Sami während Ihres Reservisten-Daseins gespielt?

Er spielt immer eine große Rolle in meinem Leben – und ich in seinem. Sami hat mir gesagt, dass ich nicht aufgeben, sondern mich durchbeißen soll. Er hat immer an mich geglaubt und mir im vergangenen Sommer und jetzt im Winter von einem Wechsel abgeraten.

Guter Mann. Ist ein Wechsel vom Tisch?

Zwei, drei Spiele ändern einiges, aber auch nicht alles. Wir, der Verein und ich, schauen uns die kommenden Wochen und Monate an. Und solange spiele ich Fußball, gebe mein Bestes und dann regelt sich der Rest von allein.

Freitag geht’s nach Augsburg und Sturm-Felsen Raul Bobadilla. Kein leichter Gang.

Leichte Gänge gibt es in der Bundesliga nicht. Wir hauen raus, was drin ist und schauen, was wir dafür bekommen.