19. August 2022 / 19:02 Uhr

Plötzliche Ausnahmesituation in Russland: Was Daniel Farke und Sandro Schwarz verbindet

Plötzliche Ausnahmesituation in Russland: Was Daniel Farke und Sandro Schwarz verbindet

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Daniel Farke und Sandro Schwarz treffen am Freitag in der Bundesliga aufeinander. Beide eint ihre Russland-Erfahrung.
Daniel Farke und Sandro Schwarz treffen am Freitag in der Bundesliga aufeinander. Beide eint ihre Russland-Erfahrung. © IMAGO/Laci Perenyi/Nordphoto (Montage)
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Daniel Farke und Sandro Schwarz sind die großen Hoffnungsträger bei Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC. Am Freitag treffen sich beide erstmals persönlich. Anfang des Jahres steckten beide als Trainer in Russland plötzlich in einer Ausnahmesituation.

Daniel Farke und Sandro Schwarz kennen sich bislang noch nicht persönlich. Die Herausforderungen für beide Trainer sind seit gut einem halben Jahr dabei durchaus ähnlich. Im Gegensatz zur Ausnahmesituation, der sich die aktuellen Trainer von Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC im Frühjahr ausgesetzt sahen, muten die aktuellen Aufgaben fast harmlos an: Die Krisen-Klubs der vergangenen Bundesliga-Saison wieder auf Erfolg zu trimmen. Im März gingen beide als Trainer in Russland unterschiedlich mit dem militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine um.

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"Das war eine durch und durch surreale Situation", sagte Farke nun rückblickend vor dem erstmaligen Aufeinandertreffen mit dem aktuellen Berliner Trainer Schwarz am Freitag (20.30 Uhr/DAZN). Erst im Januar hatte der 45 Jahre alte Farke einen neuen Job im Süden Russlands bei FK Krasnodar begonnen. Nach Kriegsbeginn verließ Farke Russland sofort, ohne auch nur bei einem Pflichtspiel sein neues Team betreut zu haben. "Jeder muss seine Beweggründe in den Vordergrund stellen. Das war für mich die richtige Entscheidung", sagte Farke.

Noch komplizierter war es für Schwarz, der seit 2020 schon bei Dynamo Moskau beschäftigt war. "Es hat sich über die Monate eine sehr enge Bindung entwickelt, zur Mannschaft, zum Staff, zu den Klub-Verantwortlichen", sagte Schwarz vor wenigen Wochen in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Zudem habe sich der Klub sofort von diesem Angriffskrieg distanziert. "Das war für uns ein sehr wichtiges Signal, weil es für mich unvorstellbar gewesen wäre, dort zu bleiben, wenn von den Klub-Verantwortlichen auch nur ansatzweise eine andere Haltung dazu bestanden hätte", bekräftigte Schwarz, der blieb und die Zeit als "sehr belastend" empfand.

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Schwarz erklärt: Deshalb bin ich trotz des Kriegs gegen die Ukraine in Russland geblieben

Eine Verantwortung für die lieb gewonnenen Spieler und Menschen im Umfeld habe ihn zunächst in Moskau gehalten. "Wenn du mit einem ukrainischen und einem russischen Spieler zusammensitzt und gemeinsam weinst. Dann stellen sich die Dinge anders dar", sagte der 43-Jährige. "Natürlich spürt man auch die innere Zerrissenheit in sich, weil ich genau wusste, wie die Erwartungshaltung aus der Heimat war", sagte Schwarz, der das Land erst nach dem 1:2 im Pokalfinale gegen Spartak Moskau im Mai verließ.

Farke und Schwarz waren zwei von vielen ausländischen Trainern, die Russland nach Beginn des Angriffskriegs verließen. Der russische Fußball nennt zwar keine Zahlen, allerdings wird dort groß berichtet über jeden, der bleibt oder kommt. Der russische Verband hatte auch gegen die Entscheidung des Weltverbands FIFA protestiert, wonach Verträge von Spielern und Trainern bis 30. Juni 2023 ausgesetzt sind.

Kontakt zwischen Farke und Schwarz gab es im Frühjahr nicht. "Ich kenne Farke nicht persönlich", sagte Schwarz. Dies wird sich erst am Freitag ändern. Dann zeigt sich, wer bei seiner neuen Aufgabe schon weiter ist. So unterschiedlich beide Trainer in Russland entschieden, so unterschiedlich ist auch ihre Herangehensweise an den Spielstil ihrer Teams. Nach den missglückten Experimenten in Mönchengladbach mit Farkes Vorgängern Marco Rose und Adi Hütter geht es nun zurück zum Ballbesitz-Fußball früherer Zeiten.

Farke mit Gladbach ungeschlagen, Schwarz schon unter Druck

Bislang mit Erfolg. Der Saisonstart gelang, auch in der Vorbereitung gab es bislang keine Niederlage. "Ich bin mit den Jungs, wie sie es zur Zeit interpretieren, extrem zufrieden", sagte Farke. "Es fühlt sich so eingespielt an, als wäre ich schon ewig hier."

Schwarz kann das in Berlin bislang noch nicht behaupten. Auch wenn die ruhige, sachliche Art des Mainzers ankommt, drücken das Pokal-Aus beim Zweitligaletzten Eintracht Braunschweig und das verlorene Berliner Derby gegen Union am ersten Spieltag aufs Gemüt. Schwarz betont immer wieder den "langen Prozess", der vor ihnen liege. Anders als in Gladbach ist beim Fast-Absteiger der Vorsaison aggressiveres Pressing und schnelles Umschalten gefragt. "Sandro Schwarz ist ein sehr, sehr guter Trainer. Ich bin überzeugt davon, dass diese Mannschaft auch in dieser Zusammensetzung noch viele Punkte holen wird", sagte Farke vor dem ersten Treffen respektvoll.