02. Dezember 2019 / 21:00 Uhr

Pöbeleien und ein verletzter Beamter nach Kreisliga-Spiel in Lassan

Pöbeleien und ein verletzter Beamter nach Kreisliga-Spiel in Lassan

Hannes Ewert/Henrik Nitzsche
Ostsee-Zeitung
Am Samstag gab es auf dem Lassaner Sportplatz unschöne Szenen. Die Polizei musste eingreifen.
Am Samstag gab es auf dem Lassaner Sportplatz unschöne Szenen. Die Polizei musste eingreifen. © Rainer Decke
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VSV-Chef spricht von Provokation der Gäste. Al-Karama-Trainer: Uns wurde Hass entgegengebracht.

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Lassan. Ein verletzter Polizeibeamter, mit Bier überschüttete Gästespieler und ein festgenommener Fußballfan mit mehr als zwei Promille: Das Kreisligaspiel zwischen dem Volkssportverein (VSV) Lassan und dem FC Al Karama aus Greifswald hatte vieles zu bieten, was nicht zum Fußball gehört.

Am Sonnabend geriet die Partie in Lassan zum Ende völlig aus dem Ruder. In der 80. Minute stand das Duell kurzzeitig vor dem Abbruch. Am Ende stellten sich 13 Polizeibeamte zwischen die Heimfans und die Gästemannschaft, um beide Lager voneinander zu trennen. Immer wieder wurde beleidigt und gepöbelt. Auch ausländerfeindliche Parolen wurden skandiert.

Das sind die besten Torjäger auf Landesebene (Stand: 21. Dezember 2019):

<b>1. Platz</b>: Malte Pruchner (MSV Pampow II) - 23 Tore Zur Galerie
1. Platz: Malte Pruchner (MSV Pampow II) - 23 Tore ©
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Immer wieder Vorfälle bei Spielen des FC Al Karama

Vor mehr als 300 Zuschauern kam es in der zweiten Halbzeit immer wieder zu Pöbeleien durch die Heimfans gegenüber den Gästen. „Als die Greifswalder das Spielfeld verließen und in Richtung Kabine wollten, wurden sie mit vollen Bierbechern beworfen“, so Polizeisprecherin Nicole Buchfunk. Das Spiel wurde schon im Vorfeld als Risikospiel eingeordnet und dementsprechend gesichert. „Wir hatten von Anfang an ein knappes Dutzend Polizisten vor Ort, da es im Vorfeld immer wieder Vorfälle bei Spielen des FC Al Karama gab“, so Buchfink. Ein weiterer Wagen wurde nachgeordert, als die Situation auf dem Platz zu heikel wurde. Ein 30 Jahre alter Mann aus der Gemeinde Züssow wurde durch die Polizei mit „leichter körperlicher Gewalt“ zu Boden gebracht, so Buchfink. Bei ihm nahmen die Beamten einen Atemalkoholwert von 2,19 Promille. Ein Polizeibeamter wurde bei der Maßnahme leicht an der Schulter verletzt, konnte seinen Dienst aber fortsetzen.

Schiri: „Es ging nicht um Fußball“

„An diesem Tag ging es nicht um Fußball. Es ging nur um die Greifswalder Mannschaft, die aus Flüchtlingen besteht. Das ist ein gesellschaftliches Problem“, sagt Björn Wudke, Vorsitzender des Spielausschusses beim Fußballverband Vorpommern-Greifswald. Er leitete die Partie am Sonnabend als Schiedsrichter. „Ohne die Polizei und den Ordnungsdienst vom VSV Lassan wäre das Spiel wohl nicht zu Ende gegangen. Ich fühlte mich auf dem Platz nicht bedroht. Die Teams gingen fair miteinander um. Die aufgeladene Stimmung kam von außen“, so Wudke.

Gästetrainer hat so viel Hass noch nie erlebt

Al-Karama-Trainer Mohamad Alkhalif erhebt schwere Vorwürfe gegen die Heimmannschaft. „Da sind schlimme Worte gefallen. Wir wurden gemobbt. Zu Beginn des Spiels ist es eigentlich üblich, dass sich die Spieler per Handschlag begrüßen. Das war in Lassan nicht der Fall. Während des Spiels haben wir immer wieder Affenlaute vernommen“, sagt der 41-jährige Syrer. Er war mit 15 Spielern zum Auswärtsspiel gefahren.

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„So viel Hass habe ich bislang auf den Sportplätzen noch nicht erlebt. Da war sicher auch Alkohol im Spiel.“ Laut Gästetrainer wurde kein Spieler seiner Mannschaft körperlich angegriffen. „Zum Glück war die Polizei von Beginn an vor Ort, die uns auch geschützt hat. Zwei Männer mit Bierflasche in der Hand konnten so gestoppt werden“, so Mohamad Alkhalif. Affenlaute habe Schiedsrichter Björn Wudke nicht wahrgenommen.

Provokation von den Gästen?

VSV-Trainer René Mattausch möchte sich zu den Begleitumständen nicht äußern. „Ich bin dazu da, die Mannschaft zu leiten. Für das Verhalten der Fans bin ich nicht verantwortlich“, so sein knapper Kommentar. Lassans Bürgermeister Fred Gransow meint, dass sich alles „noch in Grenzen“ gehalten hat. „Ich war beim Spiel nicht dabei, aber nach der Partie habe ich mich mit der Polizei unterhalten. Man kann keiner Seite die Schuld geben. Beide haben sich hochgepusht und gegenseitig provoziert“, so sein Fazit.

VSV-Vorsitzender Oliver Hecht sieht das anders: „Die Provokation ging von der Gästemannschaft aus. Sie spuckten vor die Füße unserer Kinder und zeigten den heimischen Fans den Stinkefinger. So etwas gehört sich einfach nicht“, sagt er. Das Spiel bewertet Hecht – auch wenn es relativ viele gelbe und rote Karten gab – als fair. „Die Spieler haben sich vor der Partie die Hand gegeben“, sagt Hecht, was der Gästetrainer anders darstellt.

Auch Polizei habe Schuld

Eine Teilschuld gibt Hecht auch der Polizei. „Die Autos der Greifswalder hätten nicht so dicht an unserem Zaun stehen dürfen. Dann wären nicht so viele Bierbecher auf die Autos geflogen“, sagt er. Und bei dem 30 Jahre alten Mann, der kurzzeitig am Boden fixiert wurde, hätten die Beamten auch zu hart reagiert. „Vielleicht wollten die jungen Polizisten mal zeigen, was sie können“, sagt er.

Das Fußballspiel endete übrigens 2:0 für die Lassaner. In der Partie wurden zehn gelbe Karten verteilt, zwei Mal gab es Rot – für jede Mannschaft eine.

Das ist der FC Al Karama Greifswald

Die Spieler vom „FC Al Karama Greifswald“ kommen aus Eritrea und Somalia, die meisten aus Syrien, Damaskus, Idlib, Aleppo oder Homs, wo der namensgebende Verein des Greifswalder Ablegers spielt. Ein Migrationshintergrund ist keine Pflicht, um dabei zu sein: Es gibt auch deutsche Spieler.

500 von Migranten gegründete Sportvereine soll es bundesweit geben. Sie spielen das erste Jahr in der Kreisliga und rangieren nach zwölf Spielen mit zehn Punkten auf Platz 10. Der VSV Lassan hat vier Punkte weniger und ist auf dem 12. Platz.

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