27. September 2019 / 09:00 Uhr

Podcaster Pascal "Pepo" Szewczyk: "Der Boss auf Schalke sind die 160.000 Mitglieder"

Podcaster Pascal "Pepo" Szewczyk: "Der Boss auf Schalke sind die 160.000 Mitglieder"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Bei Blauer.Salon – Der Schalke Podcast ist der Name Programm. Vom Bengalo in der Kurve bis zu Strategien der Internationalisierung dreht sich alles um Königsblau. 
Bei "Blauer.Salon – Der Schalke Podcast" ist der Name Programm. Vom Bengalo in der Kurve bis zu Strategien der Internationalisierung dreht sich alles um Königsblau. 
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Vor dem Bundesliga-Kracher RB Leipzig gegen Schalke 04 ist "Pepo" im Gespräch. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über den Unterschied zwischen S04 und RBL, die Causa Tönnies und seinen Spieler der Saison.

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Leipzig/Gelsenkirchen. Pascal "Pepo" Szewczyk hat vor fünf Jahren "Blauer.Salon – Der Schalke Podcast" ins Leben gerufen. Nach einer Depression und einem Jahr Pause ist er nun wieder alle zwei Wochen am Mikrofon. Im Interview erzählt der 36-Jährige, warum Clemens Tönnies Schalke nicht gut tut, warum Benjamin Stambouli einfach "geil" ist und was die Königsblauen von RB Leipzig unterscheidet.

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Pepo, als Kind des Ruhrgebiets hatten Sie einige Clubs zur Auswahl. Warum der FC Schalke 04?

Der Verein sucht sich einen ja aus. Mit sechs Jahren bin ich beim Fußballturnier meines Kinder-Clubs FC Batenbrocks sehr früh ausgeschieden. Mein Onkel war zu der Zeit im Vorstand involviert und der hat mir die große Kiste mit den Trostpreisen gezeigt. Da war eine Schalke-Mütze drin. So fing das Elend an.

DURCHKLICKEN: Die bisherigen Duelle zwischen RB und Schalke

03. Dezember 2016: Der 2:1 (1:1)-Sieg gegen den FC Schalke 04 ist ein hartes Stück Arbeit, mit jeder Menge Turbulenzen und etwas Glück. Doch am Ende tütet RB den achten Sieg in Serie ein, für die Königsblauen hingegen reißt eine Serie von zwölf Spielen ohne Niederlage. Zur Galerie
03. Dezember 2016: Der 2:1 (1:1)-Sieg gegen den FC Schalke 04 ist ein hartes Stück Arbeit, mit jeder Menge Turbulenzen und etwas Glück. Doch am Ende tütet RB den achten Sieg in Serie ein, für die Königsblauen hingegen reißt eine Serie von zwölf Spielen ohne Niederlage. ©

Im Moment läuft es doch eigentlich ganz gut.

Ich kann gerade gut damit leben, weil wir jetzt auch in der Offensive rennen können. Das konnten wir vorher nicht. Aber ich bin mir dessen bewusst, dass wir gegen drei Vereine aus der unteren Tabellenregion gepunktet haben.

Und was ist in diesem Bewusstsein dieses Jahr drin?

Platz zehn. Das wäre auch in Ordnung. Ich geh von Platz neun aus, alles andere ist Bonus und Platz 12 wäre auch nicht schlimm.

In Ordnung im Vergleich zur letzten Saison oder mit Blick auf den aktuellen Kader?

Mit Blick auf das letzte Jahr, den aktuellen Kader und die finanziellen Möglichkeiten, mit denen mein Verein gerade operiert.

Hat sich unter David Wagner etwas Entscheidendes verändert?

Absolut, wir spielen jetzt im 4-2-3-1, wir setzen voll auf Konter. Wir bewegen uns und sprinten bei eigenem Ballbesitz. Das war unter Domencio Tedesco nicht so. Da waren wir eher defensiv sehr organisiert. Aber wir wussten mit dem Ball nichts anzufangen. Der Schwerpunkt ist jetzt auf Umschaltmomente gelegt – am besten zu beschreiben mit Jürgen-Klopp-Fußball. Aber das ist eben nur Fußball, Schalke ist viel mehr als das.

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Das klingt nicht so, als würden Sie Tedesco hinterhertrauern.

Doch, ich fand ihn super. Ein guter Typ, sehr authentisch, sehr akribisch. Leider war Schalke wohl zu groß. Ich wünsche mir, dass er in zehn Jahren nochmal Trainer hier wird.

Was ist gegen RB drin?


Schalke gewinnt 0:4. Ne, das vielleicht nicht. Aber ich gehe davon aus, dass RB im Moment den stärkeren Kader und die besseren finanziellen Möglichkeiten hat. Trotzdem, bei Schalke ist immer alles möglich.

Die Schalke-Fans gehören mit zu den größten RB-Kritikern in Deutschland. Wie ist Ihre Meinung?

 Es wurde blanko ein Verein auf einem weißen Blatt Papier konstruiert. Das haben sie sehr erfolgreich gemacht. Allerdings gibt es in ihrem Konstrukt nur 20 ausgewählte Mitglieder. Der Preis ist, dass man keine Fans gewinnt sondern Kunden generiert.

Was macht S04 dagegen aus?

Schalke 04 ist ein eingetragener Verein. Das ist unser größter Wert. Wir müssen aufpassen, dass das so bleibt, auch wenn das eine Ursache für das Chaos ist. Aber das ist gut so, wenn auf Schalke kein Chaos ist, dann ist es nicht Schalke.

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Einst waren sie für den FC Schalke 04 aktiv. Aber was machen Raúl, Christoph Metzelder, Ivan Rakitic und Emile Mpenza heute? Der SPORTBUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. ©

Wieso sind die Fans so besonders?

Die Stärke von Schalke 04 ist die Stärke außerhalb des Vereins, also außerhalb der Geschäftsstelle, des Trainingsplatzes und des Stadions. Drumherum fühlen sich sehr viele Menschen dem Verein verbunden und machen über seinen Kontext hinaus sehr viel. Der Claim von Schalke 04 lautet ja "Wir leben dich". Den würden viele Schalker mit "Ja, wat denn sonst?" beantworten.

Wie haben Sie die Causa um Clemens Tönnies vor ein paar Wochen erlebt?

Er ist kein Rassist, in seinem Unternehmen arbeiten immerhin Menschen aus 87 Nationen. Aber er hat sich rassistisch geäußert. Das geht nicht, wenn man an der Spitze des FC Schalke 04 steht. Und mir ist wichtig, dass er nicht der Boss ist. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender. Der Boss auf Schalke sind die 160.000 Mitglieder.

Sie scheinen kein großer Freund von ihm zu sein?

Für mich war das Fass vorher schon voll. Aber wir sind in einer Demokratie und ich bin ein Fan der Freiheit. Und wenn Schalke 04 als demokratischer Verein glaubt, Tönnies wäre der beste Mann in dieser Position, dann muss ich damit leben. Aber ich kann auch alles dafür tun, dass es, wenn er in drei Jahren wieder zur Wahl steht, anders aussieht.

Was stört Sie konkret?

Er macht sehr viel zu seinem Vorteil und das Gerücht, dass er den Verein finanziell unterstützt, stimmt nicht. Es gab mal einen Kredit, aber der ist mit sechs Prozent verzinst zurückgezahlt worden. Clemens Tönnies hat sich auf Schalke eine Struktur zusammengebaut, die von wenig Kritikern geprägt ist.

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Ist das der Grund, warum es bei Schalke immer so ein Auf und Ab gibt?

Das glaube ich schon. Es muss immer erst brennen und explodieren. Wir hatten, seitdem er Aufsichtsratsvorsitzender ist, also in 18 Jahren, 23 Trainer, der FC Bayern elf, und Borussia Dortmund acht.

Apropos Dortmund, was wäre wichtiger, dass Schalke wieder ins internationale Geschäft kommt, oder die Derbysiege?

Mein Kopf sagt internationales Geschäft, mein Herz wünscht sich Derbysiege. Ich gönne den Gelben nicht das Schwarze unter den Fingernägeln.

Zum Abschluss: Wer wird dein Spieler der Saison und warum?

Amine Harit macht es gerade wundervoll. Alexander Nübel wird eine großartige Saison spielen, aber mein Geheimfavorit ist Benjamin Stambouli.

Warum?

Er hat in kürzester Zeit Deutsch gelernt, gibt alle Interviews auf Deutsch. Über seinen Instagram-Account publiziert er absolute Verbundenheit mit dem FC Schalke 04, die bemerkenswert ist – besonders in heutigen Zeiten. Es gibt Videos, da singt er "Wir sind Schalker, asoziale Schalker, schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmisson.“ Das ist 2019 richtig geil.

_Bei "Blauer.Salon – Der Schalke Podcast" ist der Name Programm. Vom Bengalo in der Kurve bis zu Strategien der Internationalisierung dreht sich alles um Königsblau. _