06. Mai 2021 / 17:58 Uhr

Pokal- Dilemma: Rot-Weiß Erfurt und Fahner Höhe hebeln Finale in Thüringen aus

Pokal- Dilemma: Rot-Weiß Erfurt und Fahner Höhe hebeln Finale in Thüringen aus

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Meuselwitz und Jena warten auf eine Entscheidung: sportliche Lösung oder Los?
Meuselwitz und Jena warten auf eine Entscheidung: sportliche Lösung oder Los? © Mario Jahn
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Das Land der begrenzten Möglichkeiten: Die altbekannte Thüringer Streitlust stellt den Fußballverband beim Thüringenpokal vor ein sportlich wohl nicht lösbares Dilemma. Das Finale zwischen dem ZFC Meuselwitz und Carl Zeiss Jena geht nicht, wie geplant, über die Bühne. Der Cupsieger könnte nun ausgelost werden. 

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Thüringen. Die streitlustigen Freistaatler haben einmal mehr zugeschlagen. Nachdem Thüringer Fußballverband (TFV) und Vereine bereits im vergangenen Jahr lange um Fortsetzung, Abbruch und Annullierung der Saison, um Aufstieg und Pokal rangen und anschließend der neue TFV-Chef Udo Penßler-Beyer mit gerade einmal 60 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Nun folgt der nächste Teil der Zoff-Serie. Das Finale im Thüringenpokal zwischen dem ZFC Meuselwitz und Carl Zeiss Jena findet nicht wie geplant statt. Zwei Vereine zogen gegen einen entsprechenden TFV-Vorstandsbeschluss vors Sportgericht – und bekamen dort Recht. Die Verantwortlichen sind einmal mehr vorgeführt worden, der Cupsieger könnte nun ausgelost werden.

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Sehr begrenzte Möglichkeiten

„Die Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Das Sportgericht will uns in seiner schriftlichen Begründung aber Hinweise geben, wie wir vorgehen sollen“, sagte TFV-Pressesprecher Hartmut Gerlach gestern dem SPORTBUZZER. Diese Begründung wird es wohl am Freitag geben. Dass darin freilich eine sportliche Lösung angeregt wird, übersteigt die Fantasie von Gerlach. „Bei unseren Inzidenzzahlen kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in zwei Wochen wieder trainieren dürfen.“

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Beim gelackmeierten ZFC bleibt man vorerst betont ruhig und mag noch nicht so recht an einen Losentscheid glauben. „Da stehen ja noch mehrere Geschichten im Raum, vielleicht wird der Pokal ausgesetzt und später weitergespielt. Das Los wäre jedenfalls definitiv die unglücklichste Variante“, sagt Trainer Holm Pinder. Problem an einer möglichen sportlichen Lösung. Bis zum Finaltag am 29. Mai wäre keine davon realistisch machbar, weil Amateursport laut Corona-Verordnung weiter verboten bleibt.



Endspiel ausgehebelt

„Da steht der Verband vor einer ganz schwierigen Aufgabe“, sagt denn auch Klaus Hübschmann, Chef des hiesigen Kreisfußballausschusses. Einen möglichen Losentscheid betrachtet er zwiespältig. „Wird ein kleiner Verein gezogen und darf dann im DFB-Pokal spielen, wäre das natürlich eine super Sache. Andererseits ist solch eine Lösung aus sportlicher Sicht total daneben“, erklärt der langjährige Verbandsfunktionär.

Das richtig bittere daran: 90 Prozent der Vereine hatten sich in einer Umfrage des Verbands zuvor für das Finale ZFC kontra Jena ausgesprochen und wären mit ihrem Verzicht mit je 2.000 Euro entlohnt worden. Rot-Weiß Erfurt und Fahner Höhe reichte das offenbar nicht. Sie legten beim Sportgericht Beschwerde ein, bekamen Recht, weil die Anpassung der Wettbewerbsstatuten aus der Vorsaison nicht in die Spielzeit 2020/21 übernommen wurde und hebelten damit ein schon sicher geglaubtes Endspiel aus.

ZFC trainiert vorerst weiter

Noch am 3. Mai hatten die Meuselwitzer stolz auf seiner Homepage verkündet: „Pokalfinale mit dem ZFC am 29. Mai”. Nur einen Tag später konnte der Verein diese Meldung direkt wieder in die digitale Mülltonne treten. Was nun kommt, steht mal wieder in den Sternen, was den Zipsendorfern die weitere Planung erschwert. Heute und morgen wird auf jeden Fall trainiert. „Wir machen so lange weiter, bis wir eine definitive Entscheidung haben“, sagt Holm Pinder. Diese zu finden gerät bei den streitlustigen Thüringern allerdings fast schon zu einer Kunstform.

Wobei die Ursache des Pokal- Dilemmas trotzdem am Verband kleben bleibt. Der hatte schlicht vergessen, den entsprechenden Passus auch für dieses Spieljahr zu kopieren. „Das ist nicht gut, das hätte uns nicht passieren dürfen“, sagt Hartmut Gerlach. Nun müssen die TFV-Verantwortlichen mit den mächtigen Nachwehen dieses vermeintlich winzigen Fehlers leben.