31. Oktober 2019 / 19:49 Uhr

Pokal-Sensation: SV Todesfelde schaltet SC Weiche Flensburg 08 aus

Pokal-Sensation: SV Todesfelde schaltet SC Weiche Flensburg 08 aus

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Jubel vor der Todesfelde Tribüne: Die Mannschaft bedankt bei den Fans für die zahlreiche und lautstarke Unterstützung. 
Jubel vor der Todesfelde Tribüne: Die Mannschaft bedankt bei den Fans für die zahlreiche und lautstarke Unterstützung.  © Volker Giering
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Florian Petzold wird in der 92. Minuten zum Todesfelder Pokalhelden

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Das dürfte eine lange Partynacht an der Dorfstraße werden. Oberligist SV Todesfelde hat die Sensation geschafft und steht dank eines verdienten 1:0-Last-Minute-Sieges gegen den favorisierten Regionalligisten SC Weiche Flensburg 08 das erste Mal überhaupt in der Vereinsgeschichte im Finale des SHFV-Landespokals. Dort treffen die Blau-Gelben am 23. Mai 2020 auf den VfB Lübeck (3:1 beim TSB Flensburg).

Todesfelde im kollektiven Freudentaumel

Kapitän Luca Sixtus & Co. konnten ihr Glück nach dem erlösenden Abpfiff kaum fassen. Sie jubelten, hüpften, lagen sich in den Armen und konnten die eine oder andere Träne nicht verbergen. Knapp 600 Zuschauer im Joda-Sportpark waren Augenzeuge eines starken kämpferischen Auftritts des Underdogs gegen enttäuschende Gäste, die ihre gute Form aus den Vorwochen nicht bestätigen konnten. Nach dem Tor des Tages in der Nachspielzeit durch Florian Petzold (90. +2) gab es kein Halten mehr. Mitten drin war Trainer Sven Tramm, der seine Elf perfekt eingestellt und sich kurz nach dem Spiel bei seiner Ehefrau Sonja spontan abgemeldet hatte. „Wir werden uns sicher das eine oder andere Kaltgetränk gönnen“, sagte „Trammer“ freudestrahlend zu den LN. Er sei unfassbar stolz auf seine Jungs. Die ganze Trainingswoche hatte der 41-Jährige sein Team stark geredet. „Ich habe den Jungs gesagt, wenn es eine Mannschaft schaffen kann, dann wir. Schließlich sind wir immer gut für eine Überraschung. Zumal im Pokal in einem Spiel immer was möglich ist.“

Petzold schießt Todesfelde ins Glück

Florian Petzold schießt den SV Todesfelde von 1928 e.V. gegen @SC Weiche Flensburg 08 in der 92. Spielminute ins SHFV-Pokalfinale!

Gepostet von Sportbuzzer Lübeck am Donnerstag, 31. Oktober 2019

Während die Blau-Gelben ausgelassen feierten, schlichen die Flensburger wie begossene Pudel vom Platz. Weiche-Trainer Daniel Jurgeleit sprach später von einer der bittersten Pokalschlappen seiner Amtszeit. Die Gäste hatten zwar mehr Spielanteile und auch mehr Torchancen. Doch richtig zwingend waren Kevin Njie (15.), Jonas Andersen (23., 48.), Dominic Hartmann (26.), Casper Olesen (31., 75.) und der eingewechselte Tim Wulff per Kopfball (85.) nicht. Entweder fehlte der letzte Pass oder die nötige letzte Konsequenz. Das Prunkstück war die Todesfelder Defensive, die überhaupt nichts anbrennen ließ – einschließlich Ersatztorwart Lukas Benner, der im Pokal den Vorzug vor Stammtorwart Fabian Landvoigt erhält. Sixtus & Co. wussten, dass die Jurgeleit-Elf viel mit langen Bällen und langen Einwürfen von Kapitän Torge Paetow agieren würde. „Das waren alles nur Zufallprodukte“, meinte Tramm. „Unsere Abwehr hat eine überragende Leistung gezeigt. Wir wussten, dass wir eine richtig gute Defensive haben.“ Das gesamte Team spulte ein Riesenpensum ab, so dass sie auch das zentrale Mittelfeld der Gäste mit Paetow und Hartmann im Griff hatten.

Der Finaleinzug ist deswegen verdient, weil die Hausherren zudem die besseren Möglichkeiten hatten. Schon im ersten Durchgang hatten Stürmer Morten Liebert (11., war nach einem schönen Spielzug über Sixtus und Emanuel Bento an Torwart Florian Kirschke gescheitert) und Sixtus (24., nach starker Rechtsflanke von Sebastian Klimmek) die Führung auf dem Fuß. Auch nach dem Seitenwechsel war „Deathfield“ unter den Augen des neuen SHFV-Präsidenten Uwe Döring das gefährlichere Team. Während in der 66. Minute ein Konter über Liebert nicht sauber zu Ende gespielt wurde, hätte Liebert die SVT-Fans schon drei Minuten vor Schluss erlösen können. Der Ex-VfBer Henrik Sirmais behielt im Überzahlspiel Zwei gegen Eins die Übersicht und legte quer zu Liebert, der aber erneut in Kirschke seinen Meister fand. Als sich fast alle schon auf eine Verlängerung eingestellt hatten, landete der Ball plötzlich bei Petzold, der nicht lange überlegte und flach ins rechte Eck abschloss. Beim Jubel riss er sich das Trikot vom Leib und ließ sich an der Eckfahne von den Kollegen feiern. Es war die letzte Aktion – Schiedsrichter Alexander Roppelt pfiff ab und das ganze Dorf stand Kopf.

Heftiger Rückschlag für Regionalligist Weiche Flensburg

„Das wird ein langer Abend“, versprach Matchwinner Petzold. „Beim Tor habe ich mir gesagt Augen zu und durch. Schließlich hatten wir nichts zu verlieren. Wir haben ein geiles Team und völlig verdient gewonnen.“ Anerkennung gab es vom Flensburger Hartmann. „Den Ball trifft er gut“, sagte er. Ansonsten überwog aber die große Enttäuschung beim Ex-Lübecker. „Wir haben unsere fünf, sechs Chancen nicht genutzt und dürfen uns nicht beschweren. Wobei man auf diesem tiefen Platz kein Fußball spielen kann. Es ging heute nur über den Kampf“, betonte er. Die Flensburger hätten immer die falsche Entscheidung getroffen. „Die wenigen Chancen auf diesem Platz muss man einfach nutzen. Das ist ein heftiger Rückschlag, nachdem wir zuletzt so gut davor waren. Und das ausgerechnet vor dem Derby gegen Holstein Kiel II.“ Sixtus war das egal und umarmte jeden, der ihm über den Weg lief. „Einfach unbeschreiblich. Das war überragend, was wir abgerufen haben“, strahlte der Käpt´n. „Wir haben den Gegner die ganze Zeit bearbeitet und den Finaleinzug verdient.“ In der ersten Halbzeit seien die Gastgeber komplett auf Augenhöhe gewesen. Einen Klassenunterschied konnte Luca nicht ausmachen. „In den letzten Jahren haben wir immer im Halbfinale oder Viertelfinale auf den Sack bekommen. Wir waren dran“, sagte er und ergänzte: „Ich bin unfassbar stolz auf die Truppe. Das Tor war in der Entstehung verdient, aber verdient.“

"Wir haben sie weggeatmet"

Sixtus zeigte sich überrascht, dass der Jurgeleit-Elf nicht viel eingefallen sei. „Sie haben viel mit langen Bällen gespielt. Wir haben sie weggeatmet“, resümierte er und freute sich nicht zuletzt für die eigenen treuen Fans, die für eine tolle Stimmung gesorgt hatten. In der Euphorie schickte Sixtus gleich noch ein paar Worte Richtung des Endspielgegners. „Mit dem VfB Lübeck haben wir noch eine Rechnung nach dem verlorenen Halbfinale im Vorjahr offen. Das was möglich ist, haben wir beim Belt-Cup gezeigt. Wir können auf jeden Fall mit Regiopnalliga-Teams mithalten und an einem guten Tag auch schlagen.“ Im Gegensatz zu den meisten Mitspielern, muss Sixtus eigentlich am Freitag arbeiten. Nach dem Pokalcoup will er aber mit seinem Arbeitgeber nochmal sprechen.

Der SV Todesfelde bejubelt den Einzug ins SHFV-Pokalfinale

SVT-Schlussmann Lukas Benner braucht nach Abpfiff erstmal einen Moment für sich. Zur Galerie
SVT-Schlussmann Lukas Benner braucht nach Abpfiff erstmal einen Moment für sich. ©
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Und gegen den VfB Lübeck? "Es ist alles möglich"

Wo das Finale stattfindet, ist indes noch offen. Sollte an der Lübecker Lohmühle gespielt werden, wäre es die Rückkehr für einige Todesfelder, die einst bei den Grün-Weißen wie „Manu“ Bento gespielt haben. „Dann würden wir uns auf eine super Kulisse freuen. Wir kennen den Platz und freuen uns tierisch auf das Finale“, sagte der Offensivspieler und war froh, dass das Tor des Tages so spät gefallen ist. „Sonst wären wir wohl hinten reingedrückt worden. So war es ein offenes Spiel. Wir wurden für unser Engagement belohnt. Wobei ich von Weiche enttäuscht bin, die sonst so routiniert sind.“ Auch Bento war unheimlich glücklich über den Lucky Punch von Petzold, der unterdessen schon mal an das Finale dachte. „Da will jeder hin. Es ist alles möglich“, sagte „Flo“, bevor die Partynacht an der Dorfstraße beginnen konnte.

SV Todesfelde: L. Benner – Petzold, Schulz, Rave, Szymczak – Sixtus, Stehnck, S. Klimmek (80. Studt) – Sirmais, Liebert, Bento. 

SC Weiche Flensburg 08: Kirschke – Njie, Vidovic, Argyris, Pastor Santos – Paetow, Thomsen – Graudenz (65. Wulff), Hartmann, Olesen – Andersen (78., Ibekwe).

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