30. September 2019 / 16:40 Uhr

Pokalcoup: Die BG Göttingen ist in der Saison angekommen

Pokalcoup: Die BG Göttingen ist in der Saison angekommen

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Bennet Hundt (rechts), hier gegen den Frankfurter Richard Freudenberg, gehört zu Saisonbeginn zu den absoluten Leistungsträgern der Veilchen.
Bennet Hundt (rechts), hier gegen den Frankfurter Richard Freudenberg, gehört zu Saisonbeginn zu den absoluten Leistungsträgern der Veilchen. © Eibner
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Es war eine Überraschung, und es war ein nervenzerfetzender Pokal-Krimi: Basketball-Bundesligist BG Göttingen hat in Frankfurt den Ligakonkurrenten FRAPORT SKYLINERS aus dem BBL-Pokal geworfen. Bei den Veilchen-Verantwortlichen herrscht am Tag danach Freude – und Erleichterung.

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Nach der Pause hatte die BG in Frankfurt Probleme – wie gegen Braunschweig. Wo holte sie das fantastische letzte Viertel her?

„Die Spiele sind nicht zu vergleichen“, sagt BG-Headcoach Johan Roijakkers. „Gegen Braunschweig haben wir es 35 Minuten lang schwer gehabt, am Sonntag haben wir im vierten Viertel stark gespielt. Einige Spieler haben noch nicht die richtige Profi-Kondition, das ist für sie nicht einfach. Wenn aber Carter gegen Frankfurt einige Minuten raus kann, dann ist es für ihn besser.“

„Natürlich hatte ich zu Beginn der zweiten Halbzeit die Befürchtung, dass es wie gegen Braunschweig läuft“, sagt BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen. „Aber gegen Braunschweig bahnte es sich schon in der ersten Halbzeit an – die war nicht so toll und das dritte Viertel ganz katastrophal. Am Sonntag war die erste Halbzeit gut, und am Ende ist das Team sehr stark zurückgekommen.“

War die Stärke der BG auch begründet in der Schwäche des Gegners?

„Frankfurt hat einen neuen Trainer und muss sich noch finden“, sagt Roijakkers. „Aber wir haben auch viel ordentlicher gespielt als Mittwoch. Gegen Braunschweig hatten wir einige schwache Spieler, die das gegen Frankfurt viel besser gemacht haben.“

Pokalerfolg: BG Göttingen schlägt Fraport Skyliners

Nach großem Kampf wirft die Bg Göttingen Frankfurt aus dem BBL-Pokal. Zur Galerie
Nach großem Kampf wirft die Bg Göttingen Frankfurt aus dem BBL-Pokal. © Eibner Pressefoto

„Problemkind“ Kyan Anderson erzielt 20 Punkte – wie zufrieden sind die BG-Verantwortlichen?

„Nachdem ich ihn beim Testspiel in Vechta zu Hause gelassen habe, hat er sich gesteigert und wird Tag für Tag besser. Er ist zwar nicht der Spieler, der die Mannschaft führt, das ist eher Bennet Hundt. Kyan ist ein Scorer, ein Combo Guard – und er ist schon viel aktiver geworden“, sagt Roijakkers.

„Das war schon eine wesentlich bessere Leistung von ihm als gegen Braunschweig“, sagt Meinertshagen. Anderson habe Verantwortung übernommen, viele Punkte erzielt, besser verteidigt und mit einer „Seelenruhe“ das Spiel organisiert. „Es war ein Riesenschritt nach vorn. Er muss nicht prägend sein, aber er soll lieber zu viel machen als zu wenig – und so aggressiv in der Defense sein wie am Sonntag.“

Ist Bennet Hundt der ideale Neuzugang?

„Er ist ein echter Profi, den man von der Einstellung her mit Joanic Grüttner vergleichen kann. In meinen 16 Jahren als Trainer habe ich es noch nicht erlebt, dass ein Spieler früher als ich in der Halle ist und trainiert“, sagt Roijakkers. Außerdem sei Hundt der letzte Spieler, der die Halle verlässt. „Er achtet sehr auf seinen Körper, ist sehr professionell – und einfach auch ein sehr guter Basketballer.“

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Wie wichtig war es, dass Mihajlo Andric, gegen Frankfurt BG-Topscorer, gehalten wurde?

„Andric trifft die offenen Würfe und ist in der Defense sehr schlau. Lockhart, Mönninghoff, Hundt und er sind Spieler, die mit ihrer Erfahrung Situationen lösen und in der Defense die richtigen Entscheidungen treffen können“, urteilt Roijakkers. „Die US-Amerikaner sind in dieser Hinsicht nicht so gut ausgebildet.“

Wie schlägt sich das Team im Vergleich mit den Veilchen 2018/19?

„Es sind gute Jungs, allerdings ruhiger als die im letzten Jahr. Mit Stockton und Willis sind ein erfahrener Spieler und ein Top-Talent weg, die Verantwortung ist auf mehreren Schultern verteilt“, sagt Roijakkers. „Der Sieg gegen Frankfurt war gut fürs Selbstvertrauen. Die Erfahrung, Rückstände aufzuholen, ist für ein neu zusammengewürfeltes Team wichtig“, sagt Meinertshagen.

Wann kommt der verletzte Lasisi zurück?

„Das ist schwer zu sagen, man muss da von Tag zu Tag schauen“, sagt Roijakkers. Ein Einsatz in Würzburg sei folglich nicht ausgeschlossen.

Das sind die Viertelfinalpartien des BBL-Pokals

Die BG Göttingen tritt im Viertelfinale des MagentaSport BBL Pokals erneut auswärts an. Dem Basketball-Bundesligisten aus Südniedersachen wurde am Sonntagabend vom ehemaligen Judo-Weltmeister Alexander Wieczerzak ein Auswärtsspiel bei ratiopharm ulm zugelost. 

Die zweite Runde des Pokal-Wettbewerbs wird am 14./15. Dezember ausgetragen – der genaue Spieltermin wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Ulm zog durch einen 88:71-Erfolg gegen RASTA Vechta ins Viertelfinale ein. 

Außerdem empfängt ALBA BERLIN die SYNTAINICS MBC, und die Basketball Löwen Braunschweig bekommen es mit Brose Bamberg zu tun. Der Sieger der Partie FC Bayern München gegen Telekom Baskets Bonn (14. Oktober) trifft auf die EWE Baskets Oldenburg.

Der Viertelfinaleinzug spült 50.000 Euro in die BG-Kasse, ein Sieg gegen Ulm brächte noch mal dieselbe Summe. Wie wahrscheinlich ist ein erneuter Triumph?

„Ich bin ein guter BG-Sponsor, habe im letzten Jahr schon 50.000 Euro zusätzlich eingesammelt. Jetzt versuche ich natürlich, 100.000 Euro einzusammeln, aber Ulm gehört zu den Top-Adressen des deutschen Basketballs“, sagt Roijakkers. „Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Derek Willis, der im Pokalspiel der Ulmer gegen Vechta herausragend agiert hat. Wenn er so weitermacht, geht er Schritt für Schritt in Richtung Euroleague.“

„Unsere Erfolgsbilanz in Ulm ist nicht so berauschend, und Ulm hat nach den ersten Eindrücken ein starkes Team“, sagt Meinertshagen. „Aber der Termin Mitte Dezember ist weit weg, und man muss abwarten, wie sich die Teams entwickeln.“