29. Juni 2020 / 21:31 Uhr

Polizei ermittelt gegen Fans von Dynamo Dresden

Polizei ermittelt gegen Fans von Dynamo Dresden

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
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Die Polizei dokumentierte vorm Stadion das Abbrennen von Pyrotechnik und den vielfachen Verstoß gegen die Corona-Abstandsregelungen durch Dresdner Fans, griff aber nicht ein. © Steffen Manig
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Nachdem vorerst letzten Spiel für Dynamo Dresden in der zweiten Liga, feierten die Fans ihre Mannschaft. Leider schlugen die Anhänger der SGD dabei etwas über die Stränge und verstießen unter anderem gegen die Corona-Abstandsregeln. 

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Dresden. Der Abstieg war besiegelt. Die Emotionen bahnten sich ihren Weg. Bis zu 2000 Fans hatten sich am Sonntag vorm Rudolf-Harbig-Stadion versammelt, um Dynamo Dresden beim 2:2 im letzten Heimspiel dieser Saison ohne Zuschauer gegen den VfL Osnabrück zu unterstützen. Anschließend feierten sie die Schwarz-Gelben für ihren Einsatz angesichts des offensichtlichen Wettbewerbsnachteils, den ihnen die Deutsche Fußball-Liga mit dem straffen Spielplan infolge der Corona-Quarantäne aufgebürdet hatte. Bengalische Fackeln, Rauchbomben und Böller wurden gezündet.

DURCKLICKEN: Bilder zum vorerst letzten Zweitligaspiel der SGD

Im vorerst letzten Zweitligaspiel schenkt Dynamo Dresden eine 2:0-Führung aus der Hand und steigt mit einem 2:2 gegen Osnabrück in Liga 3 ab. Zur Galerie
Im vorerst letzten Zweitligaspiel schenkt Dynamo Dresden eine 2:0-Führung aus der Hand und steigt mit einem 2:2 gegen Osnabrück in Liga 3 ab. ©

Und die Polizei filmte das Spektakel, das sich am Eingangsbereich hinter dem K-Block und auf der Lennéstraße abspielte, die deshalb vorübergehend für Auto- und Straßenbahnverkehr gesperrt war. Die 130 anwesenden Beamten, die sich im Hintergrund hielten, leiteten nicht nur Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen der Pyrotechnik ein, sondern auch wegen des vielfachen Verstoßes gegen die Corona-Abstandsregeln. „Mit Blick auf die Verstöße gegen die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung ist der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit für uns maßgebend. Daher findet unser Einschreiten in der Anwendung körperlicher Zwangsmaßnahmen seine Grenzen. Gleichzeitig werden wir die festgestellten Ordnungswidrigkeiten verfolgen“, kündigte Polizeioberrat Matthias Imhof an, der den Einsatz geleitet hatte.

Vorfreude auf Neuanfang

Unter anderem auf Twitter wurde daraufhin am Montag Kritik an Dynamo Dresden laut, dass der Verein ein über seine offiziellen Kanäle verbreitetes Video feierte, das diese Verstöße dokumentierte. Die Schar der Empörten war groß. Zuletzt hatte eine Fanversammlung beim FC Liverpool nach der Meisterschaft der Engländer für Kritik auch von Trainer Jürgen Klopp gesorgt. Obwohl es andernorts, zum Beispiel bei den Bundesliga-Aufsteigern in Bielefeld und Stuttgart, ähnliche Szenen gab, nahm an den Verstößen bei diesen Feiern aber kaum jemand Anstoß.

„Die Leute haben ein Gespür dafür, dass man jetzt zusammenstehen und als Einheit auftreten muss, damit man in Zukunft wieder hohe Ziele stecken und erfolgreich sein kann“, ordnete Marco Hartmann das Geschehen ein, das ihm vor allem deshalb unangenehm war, weil er als Spieler für den Abstieg mitverantwortlich, dennoch aber „wie ein Aufsteiger gefeiert“ worden sei. „Wir hatten alle Gänsehaut. Man hat gesehen, dass im Winter was zusammengewachsen ist. Wir waren am Ende noch mal knapp dran. Umso bitterer, dass wir den Klassenerhalt nicht geschafft haben“, bekräftigte Jannis Nikolaou.

Dynamo Dresden: Fans nach dem Abstieg am Rudolf-Harbig-Stadion

Vor dem RHS versammelten sich rund 2.000 bis 3.000 Anhänger von Dynamo Dresden, um den scheidenden Sportchef Ralf Minge zu verabschieden. Zur Galerie
Vor dem RHS versammelten sich rund 2.000 bis 3.000 Anhänger von Dynamo Dresden, um den scheidenden Sportchef Ralf Minge zu verabschieden. ©

Nach einer Rückrunde, die aus Dresdner Sicht denkbar ungerecht verlaufen war, bilanzierte Cheftrainer Markus Kauczinski: „Wir haben viel Energie reingelegt, haben zusammengefunden, im Dezember und Januar den Neustart gemacht, waren auf dem Weg und sind dann zurückgerissen worden. Auch wenn die Umstände nicht auf unserer Seite waren, können wir uns in die Augen schauen.“ Bei aller Trauer über den Abstieg freue er sich aber auf den bevorstehenden Neuanfang: „Ich bin froh, dass ein Strich drunter ist und wir nach vorn schauen können und gestärkt einen neuen Anlauf starten, auch mit dieser Unterstützung der Fans.“

Urlaub auf Abruf

Mit dem Neubeginn einher geht auch ein personeller Umbruch, weil beim Absteiger 13 Verträge auslaufen, darunter jene von sechs Leihspielern. Einige würde die SGD sicher gern halten. Doch Kauczinski setzt auch auf den Nachwuchs. Im Kader gegen Osnabrück standen unter anderem Stefan Kiefer und Maximilian Großer, die Talente Kevin Ehlers und Ransford Königsdörffer haben sich schon etabliert. Sie sollen Dynamo auch nach dem Abstieg in der 3. Liga erhalten bleiben.

Ein Verbleib beispielsweise von Linus Wahlqvist ist dagegen kaum denkbar. Der Vertrag des Schweden besitzt keine Gültigkeit für die 3. Liga. Damit könnte der 23-Jährige ablösefrei wechseln. Das Fachblatt „Kicker“ nannte am Montag Bundesliga-Absteiger SC Paderborn, CD Leganes aus der spanischen Primera Division sowie mehrere englische Zweitligisten als Interessenten.

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Unklar ist nicht nur, mit wem es weitergeht, sondern wann. Für die neue Saison gibt es noch keinen Rahmenterminplan. Kauczinski erklärt: „Den Jungs, die bleiben, haben wir Urlaub auf Abruf gegeben“ Er selbst gönne sich später ein paar freie Tage: „Ich bleibe erst mal hier. Neuer Sportdirektor, neue Mannschaft – wir haben Dinge zu klären.“ Er fühle sich „nicht urlaubsreif, habe eher Aufbruchstimmung.“ Die teilte am Montag auch Geschäftsführer Michael Born: „Was wir bei all dem nie verloren haben, ist der Zusammenhalt. Deshalb ist für mich schon jetzt klar, dass wir gemeinsam die Kraft haben werden, um schnellstmöglich in die 2. Liga zurückzukehren.“ Das war auch ein Dank an die Dynamofans.