13. Mai 2021 / 14:19 Uhr

Porträt: Deishuan Booker ist der Basketball-Houdini der BG Göttingen

Porträt: Deishuan Booker ist der Basketball-Houdini der BG Göttingen

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Er ist manchmal ein Zauberer auf dem Spielfeld: Deishuan Booker weiß selbst um seine Unberechenbarkeit.
Er ist manchmal ein Zauberer auf dem Spielfeld: Deishuan Booker weiß selbst um seine Unberechenbarkeit. © Foto: Swen Pförtner
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Deishuan Booker kann für den Basketball-Bundesligisten BG Göttingen an einem guten Tag zum Matchwinner werden, doch seine große Konstante ist die Unbeständigkeit. Der Amerikaner würde an sich selbst zukünftig gern weiterhin in Göttingen arbeiten.

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Wenn er nicht Basketballer geworden wäre, dann würde er heute Football spielen. So steht es im Steckbrief von Deishuan Booker auf der Homepage des Basketball-Bundesligisten BG Göttingen, der am Sonnabend um 19.30 Uhr im Halbfinale des BBL-Pokals in München auf Alba Berlin trifft. „Meine erste Liebe im Sport war Football. Ich habe acht oder neun Jahre lang Football gespielt“, erklärt der 24-Jährige. „Ich war sehr gut, habe überall auf dem Feld gespielt.“

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Am Ende entschied er sich bekanntlich für Basketball: „Als ich älter wurde, bin ich immer mehr beim Basketball reingewachsen. Ich habe viel Zeit mit meinen Tanten und Onkeln verbracht, habe meinen älteren Cousins beim Spielen zugesehen. Je älter ich wurde, desto mehr ging mein Herz zum Basketball“, sagt Booker. Seine Football-Erfahrung helfe ihm aber heute noch: „Football gespielt zu haben, hilft mir beim Basketball dabei, agil zu sein und durch die gegnerische Defense zu schlüpfen. Zudem bin ich in der Lage, mit Kontakt umzugehen.“

Bilder von der Partie der BG Göttingen bei den EWE Baskets Oldenburg:

EWE Baskets Oldenburg - BG Göttingen, BBL 2020/21

EWE Baskets Oldenburg - BG Göttingen, BBL 2020/21 Zur Galerie
EWE Baskets Oldenburg - BG Göttingen, BBL 2020/21 © imago-images

Sich den drahtigen, 1,91 Meter großen und 77 Kilogramm leichten Point Guard heute in einer Football-Montur vorzustellen, fällt schwer. Doch irgendwie passt es zu Booker, der stets für eine Überraschung, für das Unerwartete gut zu sein scheint. Denn seit sich der US-Amerikaner im Dezember der BG Göttingen angeschlossen hat, weiß man nie so recht, was man von ihm erwarten kann.



BBL-Bestleistung mit23 Punkten in Vechta

Im März erzielte er beim Auswärtssieg gegen Vechta mit 23 Punkten seine BBL-Bestleistung. Dabei verwandelte er in einer Halbzeit gleich drei Vier-Punkte-Spiele, also vier Dreier, plus Foul, plus verwandelten Bonusfreiwurf – spektakulär. Weniger als zwei Wochen später, bei der Heimpleite gegen Gießen, kam er zwar immerhin noch auf neun Zähler. Doch nach der Schlusssirene gab es eine Standpauke von Headcoach Roel Moors, der mit seiner Körpersprache und Defensivleistung überhaupt nicht zufrieden war und deutliche Kritik aussprach.

Dazu sagt Booker mit etwas Abstand: „Nicht nur ich, sondern auch der Coach hat hohe Erwartungen an mich. Er sieht mich jeden Tag in der Halle, sieht mich, wie ich auf meinem höchsten Niveau spiele. Wenn ich das nicht abrufe, nimmt er mich in die Verantwortung. Ich nehme das als Motivation, im nächsten Spiel besser zu sein.“ Der 24-Jährige weiß, wo seine Defizite liegen: „Defensiv kann ich mich immer verbessern. Und auch im Spielmanagement: zu wissen, wann ich das Tempo rausnehme oder wann es schnell gehen muss“, sagt er. „Ich bin immer sehr hart zu mir selbst und denke, dass ich besser spielen könnte. Man könnte sagen, ich bin ein Perfektionist.“

Viel Neues nach dem Wechsel zu den Veilchen

Nach seinem Wechsel aus Polen in die BBL musste er sich an „ein neues System, neue Mitspieler und einen neuen Coach“ gewöhnen, während der Pandemie wohlgemerkt. Und nach dem Abgang von Jorge Gutiérrez lastete auf einmal mehr Verantwortung auf seinen Schultern, obwohl er doch eigentlich als Entlastung für Gutiérrez und eine zusätzliche Option auf den Guard-Positionen geholt worden war. Die Umstände waren also nicht gerade einfach für Booker. „Im Sommer habe ich mein Bestes gegeben, um für jede Situation vorbereitet zu sein“, sagt er.

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Im Ligaalltag bewegt er sich häufig aber zwischen Genie und Wahnsinn, seine Leistungen schwanken teils beträchtlich. Das ist die Art von Unerwartbarkeit, die den Verantwortlichen bei der BG manchmal Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Doch andererseits ist das Ungewisse, im positiven Sinne, kennzeichnend für sein Spiel. „Meine Spielweise“, sagt Booker selbst, „ist sehr unvorhersehbar. Meine Augen verraten dem Gegner nicht, welche Entscheidung ich treffen werde. Ich sehe vielleicht sehr entspannt aus, bereite mich aber auf den Wurf vor. Es ist ein bisschen wie bei Houdini: Er ist ein toller Künstler, du weißt nicht, was du von ihm erwarten kannst.“ Ein schöner Vergleich: Booker, der Zauberer.

„Ich würde gerne mal vor den Fans spielen“

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Was nach dem Ende der Spielzeit kommt, ist derweil ungewiss: „Ich habe noch mit niemandem über meine Zukunft gesprochen. Ich versuche, mich jetzt so gut ich kann auf das Ende dieser Saison zu konzentrieren. Deshalb bin ich hier. Danach befassen wir uns mit dieser Sache“, erklärt Booker, verrät gleichzeitig aber: „Ich liebe Göttingen und würde gerne mal vor den Fans spielen. Die BBL ist eine der besten Ligen, in denen ich bislang gespielt habe. Hoffentlich wird es also ein paar Einladungen geben, in der Liga zu bleiben. Ich bin glücklich, wo ich momentan bin.“

Vielleicht kommen die Veilchen-Fans bereits gegen Berlin in den Genuss einer Vorstellung von Göttingens Basketball-Houdini. An einem guten Tag ist Deishuan Booker jedenfalls eine Menge zuzutrauen.

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