11. April 2021 / 10:04 Uhr

Positive Klänge: Wie ein Trio aus Ehemaligen Mainz 05 aus dem Tabellenkeller führt

Positive Klänge: Wie ein Trio aus Ehemaligen Mainz 05 aus dem Tabellenkeller führt

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mainz 05 ist unter dem Triumvirat aus Sportvorstand Christian Heidel, Sportdirektor Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson (r., von oben nach unten) wieder im Aufwind.
Mainz 05 ist unter dem Triumvirat aus Sportvorstand Christian Heidel, Sportdirektor Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson (r., von oben nach unten) wieder im Aufwind. © IMAGO/Sportfoto Rudel
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Mainz 05 vollzog kurz nach Weihnachten einen radikalen Umbruch - in der Chefetage. Mit Sportvorstand Christian Heidel, Sportdirektor Martin Schmidt und Trainer Bo Svensson übernahmen drei Ex-Mainzer und brachten den Erfolg, den die Rheinhessen nun mit dem Klassenerhalt veredeln wollen.

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Torhymnen gehören auch in der Pandemie zu den festen Ritualen eines jeden Bundesligisten. Beim 1. FC Köln erklingt „Wenn et Trömmelche jeht“, beim FSV Mainz 05 ist es der „Narhallamarsch“, der im Geisterspielbetrieb aus den Lautsprechern plärrt. Dort scheinen die Aussichten auf baldigen Frohsinn deutlich größer als in Köln, wo sich die beiden Erstligisten mit närrischer Verbindung im Abstiegsduell an diesem Sonntag gegenüberstehen (18 Uhr/Sky). Mit 18 Punkten sind die Rheinhessen das fünftbeste Rückrundenteam, Köln holte zehn Zähler weniger.

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Das Team habe zuletzt Dinge geleistet, "die keiner von uns erwartet hat“, sagt Christian Heidel. Seine Inthronisierung als Sportvorstand ging kurz vor Weihnachten einher mit der Installation von Martin Schmidt als Sportchef und Bo Svensson als Trainer. Beide kannten den Verein aus dem Effeff: Schmidt arbeitete von 2010 bis 2017 als Coach der U23 und Profis; Svensson spielte von 2007 bis 2014 für die Nullfünfer. Für den alten und neuen Macher Heidel war "der radikale Schritt" nach teils absurden Turbulenzen wie einem Spielerstreik zu Saisonbeginn unausweichlich.

Das Triumvirat der Ehemaligen hat sofort einen Stimmungsumschwung hinbekommen, wobei sich der gebürtige Mainzer Heidel, der charismatische Schweizer Schmidt und der bodenständige Däne Svensson ideal ergänzen: Jeder in der Führungstroika kennt seine Rolle. Und auch die Mannschaft hat das Gemeinschaftsgefühl wieder für sich entdeckt. Mainz 2021: ein unbequemer Gegner, der auf Balljagd, Tempofußball, Pressing setzt. Hohe Zweikampfintensität inklusive.

"Bo Svensson hat viele Mainzer Tugenden aufleben lassen: Sie spielen sehr aggressiv, sehr kompakt", lobt Gladbachs Trainer und Ex-Mainzer Marco Rose. Abwehrboss Stefan Bell beschreibt den Unterschied gegenüber dem Vorjahr so: "Alle verfolgen den gleichen Plan, ordnen sich unter und machen nicht ihr eigenes Ding." Das zuvor in Grüppchen zerfallene Ensemble ist wieder geeint.

Der Abgang des zu Egotrips neigenden Torjägers Jean-Philippe Mateta (auf Leihbasis zu Crystal Palace) schuf die Basis für eine vertrauliche Arbeitsatmosphäre. Zumal Leihstürmer Robert Glatzel (von Cardiff City) genauso einschlug wie Danny da Costa und Dominik Kohr (beide von Eintracht Frankfurt). Bester Wintertransfer aber war der für 1,5 Millionen Euro Ablöse vom österreichischen Zweitligisten FC Liefering losgeeiste Trainer Svensson. Er soll im Optimalfall ähnlich wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel – die der 122-fache Bundesliga-Spieler beide noch als Aktiver erlebt hat – eine Mainzer Ära prägen. Der privat in Mainz verwurzelte dreifache Vater hat deswegen gleich einen Vertrag bis 2024 bekommen.

Heidel ist nämlich überzeugt, dass Svensson als Langzeitlösung wie seine prominenten Vorgänger taugt. Auch wenn er (noch) nicht als Taktikerklärer wie Tuchel und noch weniger als Entertainer wie Klopp rüberkommt, punktet er mit Fachkenntnis und Geradlinigkeit. Heidel sagt über Svensson: "Auch wenn er den Vergleich nicht mag: Er hat Züge von Thomas Tuchel. Die Art, wie er den Spielern erklärt, wie er unterbricht im Training, wie er das Team einstellt." Hört sich so an, als würden auch im 13. Bundesliga-Jahr in Folge karnevalistische Torklänge in Mainz ertönen.