07. November 2019 / 15:26 Uhr

Positive Signale für Spielgemeinschaften nach konstruktivem Dialog mit Verband

Positive Signale für Spielgemeinschaften nach konstruktivem Dialog mit Verband

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
SG Sassnitz/Binz spielt in der Kreisoberliga Nordvorpommern-Rügen um den Aufstieg, wahrnehmen dürfte sie ihn aber (noch) nicht.
SG Sassnitz/Binz spielt in der Kreisoberliga Nordvorpommern-Rügen um den Aufstieg, wahrnehmen dürfte sie ihn aber (noch) nicht. © Foto: Fiete Ehrhardt
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Kippt das Aufstiegsverbot für Spielgemeinschaften? Erfreuen sich die Fußballzusammenschlüsse bald größerer Akzeptanz? Nach dem Vereinsdialog zwischen Landesfußball-, Kreisfußballverband und Vereinsvertretern von SG Empor Sassnitz und 1. FC Binz herrscht Optimismus, dass dem Thema „Spielgemeinschaft“, was aufgrund von demografischen Entwicklungen brandaktuell ist, künftig mehr Beachtung geschenkt wird.

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Das Thema Spielgemeinschaft dürfte seit Montag neu Fahrt aufgenommen haben. Die Spitze des Landesfußballverbands (LFV) um Präsident Joachim Masuch, Martin Bartsch (Koordinator Fußballentwicklung) und Hans-Joachim Grahl (Vereinsberatung) war zum Vereinsdialog in Binz auf Rügen zu Gast. Insgesamt 16 Landes-, Kreisverbands- und Vereinsvertreter informierten sich und diskutierten über die Spielgemeinschaft SG Empor Sassnitz/1. FC Binz, die im zurückliegenden Sommer als neueste Antwort auf den Sportlerrückgang im Herrenbereich formiert worden war. Ebenso waren die Zusammenschlüsse im Nachwuchs Thema.

Bekanntes Thema bringt neue Erkenntnisse

„Ich habe etwas zur Demografieentwicklung gesagt, den Ort und Verein präsentiert“, erzählte Ralf Reinbold. Der Präsident des 1. FC Binz zeigte sich angetan von dem Dialog und den Funktionären: „Die Gespräche liefen besser als gedacht. Ich habe Herrn Masuch als bodenständigen und progressiven Präsidenten erlebt. Er schien sehr wissbegierig.“

Masuch entgegnete: „Uns war das Thema natürlich grundsätzlich bekannt, gerade hinsichtlich der demografischen Entwicklung. Am Montag haben wir dennoch Neues erfahren. Das war sehr konstruktiv. Wichtig ist, dass wir auf Augenhöhe diskutieren und einander zuhören.“ Das gleiche Anliegen trugen dem Präsidenten bereits die Klubs aus Parkentin und Bargeshagen aus dem Fußballkreis Warnow vor.

Aufstieg im Herrenbereich nur begrenzt möglich

Zentrales Anliegen am vergangenen Montag war die Aufstiegsregelung für Spielgemeinschaften. Momentan ist es zusammengelegten Herrenmannschaften nicht gestattet, in eine Liga auf Landesebene aufzusteigen (Spielordnung 2018). Eine entsprechende Regelung im Nachwuchsbereich, die einer SG den Aufstieg in die höchste MV-Staffel untersagte, wurde im vergangenen Jahr gekippt. So dürfen die A-Junioren der SG Insel Rügen, in der momentan Jungs des 1. FC Binz, PSV Bergen und anderer Rügener Vereine spielen, erstmals in der Verbandsliga kicken. Ginge es nach Reinbold und seinen SG-Befürwortern, soll das Recht schnellstmöglich auf den Erwachsenenbereich ausgedehnt werden.

„Es geht darum, die Akzeptanz und Lukrativität für Spielgemeinschaften zu erhöhen. Dazu gehört das Propagieren und auch das erweiterte Aufstiegsrecht“, bekräftigt Reinbold. „Wir haben zugesagt, das Thema auf der kommenden Vorstandssitzung Mitte Dezember anzuzeigen und danach in den Gremien zu einer Entscheidung zu bringen. Wir nehmen das Thema der Spielgemeinschaften im Land ernst! Die betroffenen Vereine warten berechtigterweise auf eine Antwort“, versichert Masuch. Reinbold freut die Zusage: „Wir bekommen Feedback. Das ist gut. Auf diesem Weg lohnt es sich weiterzuarbeiten.“

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Bryan Brötzmann – Greifswalder FC – Jahrgang 2002: Ist einer von drei Torhüter in der U-18-Landesauswahl. Zur Galerie
Bryan Brötzmann – Greifswalder FC – Jahrgang 2002: Ist einer von drei Torhüter in der U-18-Landesauswahl. ©
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Neuer Verein keine Lösung

In diesem Zuge soll grundsätzlich über die Stellung von Spielgemeinschaften gesprochen werden. Da eine SG lediglich eine temporäre Zweckgemeinschaft darstellt, muss der Spielbetrieb jedes Jahr aufs Neue angemeldet werden. „Wir müssen darüber nachdenken, ob das noch zeitgemäß ist“, meint Masuch. Der Fußballchef hat sich als Befürworter für einen Zusammenschluss geoutet, sollte dies der einzige Weg sein, um einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Einfach einen neuen Verein gründen, um das Aufstiegsverbot zu umgehen, sei nicht im Sinne von Joachim Masuch.

Auch Ralf Reinbold ist allein schon wegen der bürokratischen Hürden gegen eine Neugründung bei Mannschaftszusammenschlüssen. „Herr Masuch sagte, jeder Verein solle nach Möglichkeit als wichtige soziale Struktur erhalten bleiben“, erinnert sich der Binzer und stimmte dem zu.

LFV will Wettbewerbsverzerrung vermeiden

Allerdings will sich der LFV jede neu formierte Spielgemeinschaft einzeln anschauen und hinterfragen, um eventuell sportlicher Wettbewerbsverzerrung im Voraus Einhalt zu gebieten. So umfasst der erste Grundsatz im Anhang „Empfehlung zur Bildung von Spielgemeinschaften“ der Spielordnung von 2018 des LFV die Anmerkung: „Spielgemeinschaften mit dem ausschließlichen Ziel der sportlichen Leistungssteigerung oder des Aufstieges in eine höhere Spielklasse sind nicht zu genehmigen.“

Diesen Eindruck vermittelten die Vertreter der Rügener SG nicht. „Die Vereine haben klargemacht, dass es ihnen ums Fußballspielen geht“, sagt Masuch.

Reinbold legt dar: „Jetzt kommt der Geburtenknick 1990/91 auf uns zu. Das sieht man in den Städten nicht so deutlich. Aber der LFV hat zur Kenntnis genommen, dass uns die demografische Entwicklung Sorgen bereitet.“ Und der Präsident deutete an: „Dort, wo sinnvolle Kooperationen eingegangen werden, sollte das dann auch mit dem Aufstiegsrecht, gegebenenfalls bis zur untersten Landesspielklasse, belohnt werden.“ Die Aussicht klingt verlockend, konkret wird es aber frühestens zur Saison 2020/21.

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