09. Dezember 2020 / 16:36 Uhr

Potsdamer Merlin Röhl: Zwischen Abitur und Profifußball beim FC Ingolstadt

Potsdamer Merlin Röhl: Zwischen Abitur und Profifußball beim FC Ingolstadt

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
 Martin Roeser Nr. 9, VfB Luebeck gegen Merlin Roehl Nr. 34, FC Ingolstadt 04. FC Ingolstadt 04 vs VfB Luebeck , Fussball, 3. Liga, 05.12.20 Ingolstadt Schleswig-Holstein Germany Audi-Sportpark *** Martin Roeser No. 9, VfB Luebeck vs. Merlin Roehl No. 34, FC Ingolstadt 04 FC Ingolstadt 04 vs. VfB Luebeck , Football, 3 League, 05 12 20 Ingolstadt Schleswig Holstein Germany Audi Sportpark Copyright: xAgentur54Gradx/xJohnxGarvex
Der Potsdamer Merlin Röhl (r., hier im Duell mit Lübecks Martin Röser) bestritt bislang drei Spiele in der 3. Liga. © imago images/Agentur 54 Grad
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3. Liga: Der 18-Jährige, der beim SV Babelsberg 03 mit dem Kicken begonnen hat, sammelt seine ersten Erfahrungen als Drittligaspieler bei Aufstiegsanwärter FC Ingolstadt.

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Natürlich sei der Puls ordentlich in die Höhe geschnellt, erinnert sich Merlin Röhl an einen Moment, den er wohl für immer in Erinnerung behalten wird. Zwei Stunden vor Anpfiff der Drittliga-Partie zwischen den Fußballern des FC Bayern München II und dem FC Ingolstadt erfuhr der 18-jährige Potsdamer am 25. November von seiner Startelf-Nominierung von FCI-Trainer Tomas Oral. „Am Tag davor wurde ich erstmals überhaupt in den Kader berufen. Direkt von Anfang an mitwirken zu dürfen, war eine super Erfahrung. So richtig realisieren konnte ich das in diesem Moment gar nicht, das kam erst später“, berichtet Röhl, der inzwischen in drei Drittliga-Partien zum Einsatz kam.

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Im Sommer 2018 wechselte er von den B-Junioren seines Jugendvereins Babelsberg 03 in die kreisfreie Großstadt an der Donau in Oberbayern. Seine Entwicklung bei den Schanzern ging seitdem steil nach oben. Stammplatz in der B-Jugend-Bundesliga, Berufung in die U-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes, Stammplatz in der A-Jugend-Bundesliga und das Debüt in der 3. Liga. „Viel besser hätte es nicht laufen können. Es gab bislang kaum Rückschläge.“

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Beim 3:1-Erfolg über die Reserve des Deutschen Rekordmeisters lief der noch für die A-Junioren des Vereins spielberechtigte 1,91 Meter große Kicker im altehrwürdigen Grünwalder Stadion im zentralen Mittelfeld auf – und damit hinter FCI-Kapitän Stefan Kutschke. Der hat ebenfalls eine Babelsberger Vergangenheit. Von 2008 bis 2010 trug der 32-Jährige das SVB-Trikot, ehe er zu RB Leipzig wechselte. „Er ist ein absoluter Führungsspieler, sehr kommunikativ und hilft uns jungen Spielern sehr“, sagt Röhl über „Kutsche“, mit dem er sich natürlich schon über den gemeinsamen Ex-Verein ausgetauscht hat. „Ein toller Club mit überragenden Fans, da sind wir uns beide einig.“

Für die kommenden Wochen hofft der Akteur mit der Rückennummer 34 weiterhin so viel wie möglich Spielminuten im Team des Aufstiegsanwärters zu sammeln – ohne die Schule zu vernachlässigen. Am vergangenen Freitagvormittag schrieb der angehende Abiturient zum Beispiel erst eine zweistündige Klausur, bevor es zum Training mit den Profis – bei deren 1:1 gegen den VfB Lübeck er am Samstag 90 Minuten auf dem Platz stand – ging. „Es ist wichtig, einen gesunden Mittelweg zu finden. Die Schule vorzeitig abzubrechen ist keine Option“, stellt der im Mittelfeld flexibel einsetzbare Kicker klar und macht dabei einen sehr reifen Eindruck.

"Vielversprechendes und umworbenes Talent"

„Drei Drittligaspiele sind kein Grund, sich irgendetwas einzubilden. Es wird in den kommenden Wochen und Monaten auch Rückschläge geben. Wird es mit der Schule zu stressig, wird man sicherlich auch mal einen Schritt zurückgehen müssen. Da achtet der Verein aber ohnehin sehr drauf“, weiß der gebürtige Potsdamer, dessen Familie in der Landeshauptstadt wohnt und der nach seinem Drittligadebüt viele Glückwünsche aus der Heimat bekommen hat. Vor knapp einem Jahr hatte er bei den „Schanzern“ einen Vertrag bis 2023 unterschrieben. Ein Zeichen von großer Wertschätzung, die sich der Brandenburger in seiner verhältnismäßig kurzen Zeit im Süden der Republik erarbeitet hat.

Als „vielversprechendes und umworbenes Talent“ hatten die Ingolstädter Röhl im Zuge der Mitteilung zur Unterzeichnung des Profivertrags bezeichnet. Im Sommer absolvierte der aufstrebende Fußballer dann bereits die Vorbereitung bei den Profis mit, trainierte regelmäßig mit ihnen und kam parallel zu vier Bundesliga-Einsätzen bei den A-Junioren.

Über die App „Tonsser“ hatte er sich 2018 mit seinen Leistungsdaten beim Verein beworben, in einem anschließenden Sichtungstraining überzeugt und einen Platz im Nachwuchsleistungszentrum ergattert. „Dass es wirklich so gut läuft, konnte natürlich niemand erahnen. Aber so ist der Fußball: Da kann es schnell nach oben, aber genauso schnell nach unten gehen“, weiß Röhl und hofft, in den kommenden Wochen und Monaten weitere Erfahrungen auf der Bühne Profifußball sammeln zu dürfen.