10. September 2019 / 18:36 Uhr

Royals-Präsident Goericke: „Football im Karli fände ich spannend“

Royals-Präsident Goericke: „Football im Karli fände ich spannend“

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Potsdam Royals um Präsident Stephan Goericke (l.) gewannen in dieser Saison den Eurobowl.
Die Potsdam Royals um Präsident Stephan Goericke (l.) gewannen in dieser Saison den Eurobowl. © Gerhard Pohl
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GFL: Das Stadion im Luftschiffhafen wird demnächst saniert, dann müssen die Footballer der Potsdam Royals ausziehen. Im Interview spricht Vereinspräsident Stephan Goericke über alternative Spielstätten, das Buhlen um Sponsoren und zieht eine sportliche Saisonbilanz.

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Nach Platz fünf im Vorjahr landeten die Potsdam Royals in ihrer zweiten Saison auf Platz sechs der GFL Nord, der höchsten Liga im deutschen Football. Royals-Präsident Stephan Goericke spricht im Interview über mögliche Spiele im Karl-Liebknecht-Stadion, fehlende Sportstätten in Potsdam und das Buhlen um Sponsoren.

Herr Goericke, das Saisonziel Playoffs haben die Royals klar verpasst. Wie unzufrieden sind Sie?

Stephan Goericke: Gar nicht. Mit ein bisschen Abstand gesehen war es eine unserer besten Spielzeiten, auch wenn man das vielleicht nicht am Tabellenplatz sechs ablesen kann. Aber unter dem Gesichtspunkt, was die Trainer, die Mannschaft und der Verein unter diesen Umständen geleistet haben, war es eine gute Saison. Wir hatten kurzfristige Abgänge, neun Quarterbacks und viele Verletzungen, jede andere Mannschaft wäre abgestiegen, denn die wäre irgendwann auseinandergefallen.

Also war das Ziel Playoffs nicht zu hoch gegriffen?

Auf keinen Fall. Ich glaube, wir hätten Schwierigkeiten gehabt mit Braunschweig, aber alle anderen kann man schlagen. Deshalb ist es auch nicht vermessen zu sagen, dass es unser Ziel bleibt, im nächsten Jahr in die Playoffs zu kommen. Wir gehören nicht dahin, wo wir jetzt sind. Wenn nicht alles schief läuft, so wie es in dieser Saison gelaufen ist, dann spielen wir oben auch mit.

Potsdam Royals gewinnen Eurobowl gegen die Amsterdam Crusaders mit 62:12.

Mit einem souveränen 62:12 gewinnen die Potsdam Royals den Eurobowl gegen die Amsterdam Crusaders. Gennadyi Adams (14), Timothy Knüttel (12), Michael Reynolds (12), Jan Schewitza (6), Frederik Myrup-Nielsen (6), Keevan Lucas (6) und Hannes Werner (6) erzielten die Punkte für die Royals. Zur Galerie
Mit einem souveränen 62:12 gewinnen die Potsdam Royals den Eurobowl gegen die Amsterdam Crusaders. Gennadyi Adams (14), Timothy Knüttel (12), Michael Reynolds (12), Jan Schewitza (6), Frederik Myrup-Nielsen (6), Keevan Lucas (6) und Hannes Werner (6) erzielten die Punkte für die Royals. © Gerhard Pohl
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Wie wirkt sich die geplante die Sanierung des Luftschiffhafens auf Ihre Planungen für die kommende Saison aus?

Für uns zählt eines: Wir müssen bis zum 15. Oktober den Lizenzantrag unter Nennung einer ligatauglichen Spielstätte abgeben. Das ist für mich der Luftschiffhafen, denn mein Stand heute ist, dass wir dort spielen. Ob im Laufe der nächsten Saison eine Baustelle kommt und wir ausweichen müssen, ist ein anderes Thema. Ich habe mit den Verantwortlichen der Stadt und des Luftschiffhafens gesprochen und es ist klar, dass wir das Stadion weiter als Spielstätte angeben, da derzeit unklar ist, wann die Baumaßnahmen beginnen.

Wie sieht es während den Bauarbeiten aus?

Oberbürgermeister Mike Schubert hat uns zugesichert, dass er den Spielbetrieb für die Royals sicherstellt. Ich bin auch im ständigen Austausch mit Archibald Horlitz (Präsident des SV Babelsberg 03, d. Red.), ich finde es sehr solidarisch, wie er agiert. Aber er kann das nicht alleine lösen, es braucht die moderierende Wirkung der Stadt. Football im Karli fände ich spannend. Ich kann natürlich verstehen, dass die Fußballvereine Bedenken haben, wenn der Rasen im Sommer keine Schonzeit hat.

Also wäre das Karl-Liebknecht-Stadion die erste Option?

Die erste Option wäre der Luftschiffhafen in sanierter Form, deshalb sind wir natürlich sehr dankbar, dass die Stadt bei den Umbauplänen berücksichtigt hat, dass das Stadion dauerhaft Spielstätte für American Football bleibt. Ungeklärt ist allerdings die Trainingssituation, wenn der Luftschiffhafen wegfällt. Außerdem haben wir Jugendmannschaften, die im Luftschiffhafen gespielt haben, was im Karli nicht möglich wäre. Die haben aber auch eine Berechtigung, weil unsere Jugendmannschaften nicht ganz unerfolgreich sind und einen guten Zulauf haben. Und es ist ja Aufgabe des Sports, in die Breite zu wirken. Wir wollen uns nicht nur ein Team zusammenkaufen, sondern den eigenen Nachwuchs hochziehen.

Spieler und Trainer mit NFL-Erfahrung beklagen sich über die Gegebenheiten im Luftschiffhafen, ist Besserung in Sicht?

Für die ist es teilweise nicht zu begreifen, dass wir schlechtere Bedingungen haben als jede Highschool-Mannschaft in den USA. Aber wir sind auch relativ schnell gewachsen, da können wir nicht sagen: Hoppla, jetzt kommen wir, jetzt muss hier alles nach unserer Pfeife tanzen. Das muss kontinuierlich wachsen. Über kurz oder lang braucht es eine dritte wettkampffähige Spielstätte in Stadionform in Potsdam. Luftschiffhafen und Karli werden auf Dauer nicht ausreichen.

Welche Vorstellung haben Sie?

Ich könnte mir eine Spielstätte für amerikanische Sportarten vorstellen, weil Baseballer und auch die Rugbyspieler am Neuen Palais ähnliche Probleme haben. Und man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Faninteressen durchaus verändern. Der Altersschnitt bei uns ist deutlich jünger als beispielsweise beim Fußball, weil amerikanische Sportarten Trendsportarten sind. Darauf muss die Stadt reagieren. Mit einem Neubau würden auch Trainingsbedingungen verbessert werden. Man kann Bundesligafußball auch nicht permanent auf Kleinfeld trainieren. Genauso kann man Football nicht auf irgendwelchen Schulplätzen trainieren.

Das Lexikon des American Football: Die wichtigsten Begriffe

Das Lexikon des American Football: Die wichtigsten Begriffe Zur Galerie
Das Lexikon des American Football: Die wichtigsten Begriffe © epa

Welche Reaktionen gab es von der Stadt auf so einen Vorschlag?

Es ist nicht so, dass Herr Schubert und Frau Aubel (Sportbeigeordnete der Stadt, d. Red.) das nicht wollen. Aber wenn irgendwo Sportstätten geplant werden, dann binden sich Leute an die Bäume oder Nachbarn sagen, es wird zu laut. Das kann ich auch nachvollziehen. Aber eine Stadt, die so wächst wie Potsdam, die muss ja nicht nur über ärztliche Versorgung und Verkehr nachdenken, sondern auch über Sport und Kultur. Und wenn eine Stadt seit der Jahrtausendwende um rund 50 000 Einwohner wächst und wir immer noch nur zwei Stadien haben, obwohl wir mit dem Thälmann-Stadion früher drei hatten, ist klar, dass etwas fehlt. Und es fehlt nicht nur für American Football, sondern für alle.

Das gilt auch für Sponsoren. Die Royals sind relativ neu in der Potsdamer Sportlandschaft und buhlen um neue Sponsoren. Verschärft sich dadurch die Konkurrenz?

Um die wenigen Sponsoren, die sich engagieren, gibt es sicherlich einen Wettbewerb. Der Handwerksbetrieb und der Bäckermeister fördern teilweise drei oder vier Sportvereine. Viele größere Unternehmen könnten sich durchaus mehr engagieren. Manche machen sich hier einen schlanken Fuß und engagieren sich nicht, obwohl sie von dieser Stadt und ihrem Ruf profitieren. Bei Ansiedlungen sollte auch darauf geachtet werden, ob und wie sie sich einbringen. Wenn alle mitmachen würden, hätten wir weniger Sorgen. Und was auch ein Problem ist, ist das Buhlen um finanzielle Unterstützung städtischer Unternehmen. Das ist meiner Meinung nicht richtig gelöst. Eine Stadtsport-Stiftung wäre eine transparentere und gerechtere Lösung. Damit hätten die Vereine auch mehr Planungssicherheit. Bei der Frage, welche Vereine unterstützungswürdig sind durch die Stadt, sollten nicht nur Goldmedaillen und Pokale eine Rolle spielen, sondern auch die Frage, was geben die der Stadt eigentlich zurück und sind sie tragende Säule des gesellschaftlichen Zusammenlebens in dieser Stadt.

Außerdem kämpfen alle Vereine in Potsdam um die Zuschauergunst. Haben die Royals Ihrer Meinung nach ganz neue Sportfans generiert oder anderen Sportarten Fans abgezogen?

Wir hatten im Schnitt mehr als 1000 Zuschauer, in der Spitze 2500. Ich kann mir dennoch nicht vorstellen, dass jemand nur, weil er sich bei uns eine Dauerkarte gekauft hat, beim SVB keine kauft. Aber die Fußballfans, die im Sommer nichts zu tun haben, sind bei uns herzlich willkommen. Außerdem unterstütze ich nicht nur die Royals, sondern auch andere Sportarten. Ich sehe von daher keinen Wettbewerb. Hinzu kommt, dass wir im Sommer spielen, wo die meisten Mannschaftssportarten Pause haben.

Zur Person: Vorsitzender der Deutschen Parkinson Hilfe

Stephan Goericke (46) ist seit Juni 2005 CEO der iSQI Group, einer Firma für die weltweite Zertifizierung und Ausbildung von IT-Fachkräften. 2009 gründete Goericke die Goericke Beratung für Strategie und Kommunikations GmbH, außerdem ist er Vorsitzender der Deutschen Parkinson Hilfe e.V und Medienrat für Berlin und Brandenburg.
Seit 2016 ist er Präsident der Royals, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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