05. September 2019 / 17:55 Uhr

Potsdamer Eliteschule des Sports ist Beste im Land

Potsdamer Eliteschule des Sports ist Beste im Land

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Maren Völz, Sophie Weidauer, Jean Paul Bredau und Jonas Huth lernen an der Sportschule.
Maren Völz, Sophie Weidauer, Jean Paul Bredau und Jonas Huth lernen an der Sportschule. © Peter Stein
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Zum zweiten Mal nach 2008 wurde die Sportschule Potsdam als Eliteschule des Jahres ausgezeichnet. Sportschüler erzählen, wie ihr Alltag abläuft.

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"Schlag die Lehrer“ heißt es am 13. September (9 Uhr) in der Potsdamer MBS-Arena. Schüler der Sportschule Friedrich Ludwig Jahn treten nach dem abgewandelten Motto einer bekannten TV-Show gegen ihre Lehrer in kreativen sportlichen Wettbewerben an. Das zeugt vom Sportsgeist und partnerschaftlichem Miteinander an der Ausbildungsstätte mit 682 Schülern, die in diesem Jahr wieder unter 43 Sportschulen als Eliteschule des Jahres durch den Deutschen Olympischen Sportbund geehrt wurde. Zum zweiten Mal nach 2008.

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Wie zwischen Schule und Sport die Rädchen ineinander greifen, zeigen die beeindruckenden Erfolge (siehe Info-Kasten). Und die Sportschüler sind stolz auf ihre Schule, in der nach dem Motto „Lernen, trainieren, leben“ der Alltag gestaltet wird. Fußballerin Sophie Weidauer kam in der 7. Klasse aus dem Dorf Brünlos in der Nähe von Aue im Erzgebirge nach Potsdam, wohnt seitdem im Internat. „Mich haben die Möglichkeiten, die ich hier an der Sportschule habe, von Anfang an überzeugt“, sagt die 17-Jährige, die nun in die 12. Klasse geht und mit der 13. ihr Abitur an der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe abschließen möchte.

Mehr Sport aus Potsdam

„Hier wird das Training so gelegt, dass ich die Schule schaffe“, findet die diesjährige U17-Europameisterin, die im Finale nicht nur in der regulären Spielzeit traf, sondern auch beim entscheidenden Elfmeterschießen. Meist beginne die Schule um 7.30 Uhr, dann folge um 9.30 Uhr das erste Training mit dem Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam oder Schulsport. Um 12.05 Uhr sitze sie erneut bis 15.50 Uhr in der Schule. 17 Uhr schließe sich die nächste Trainingseinheit bis 19.30 Uhr an. Der Tag sei lang. „Im Luftschiffhafen habe ich kurze Wege, ob vom Internat zur Schule oder zur Mensa oder den Trainingsstätten“, erzählt die Fußballerin, die mit Volleyballerinnen, Handballern, Judoka und Modernen Fünfkämpfern in einer Klasse ist. Alles liegt quasi nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

Individuell angepasster Stundenplan

Wenn die Offensivspielerin zu Lehrgängen mit der Nationalmannschaft unterwegs ist, nimmt sie Schulaufgaben mit. Der Deutsche Fußball-Bund leistet sich den Luxus, sogar zwei Lehrer zur Verfügung zu stellen, auch Tablets werden bereitgestellt. So kann beim E-Learning der aktuelle Unterrichtsstoff weiter behandelt werden, auch Klausuren werden im Trainingslager geschrieben. Durch das additive Abitur kann die Schulzeit bis auf 14 Jahre verlängert werden. Statt 34 Wochenstunden, sind es dann nur 22. An der Sportschule werden dieselben Abiturprüfungen geschrieben wie im ganzen Land Brandenburg. Sechs Absolventen hatten in diesem Jahr eine 1,0 auf dem Abi-Zeugnis, der Durchschnitt der 73 Abiturienten betrug 2,1. Zum Vergleich: Der Landesschnitt war 2,3. Allerdings sind bis zum Abi 40 Prozent des Jahrgangs nicht mehr im Leistungssport aktiv.

„Die Unterrichtspläne werden individuell angepasst“, sagt Schulleiterin Iris Gerloff. Das gelte sogar für den täglichen Unterricht. Dann werde zum Beispiel derselbe Unterrichtsstoff einmal in der 1. und 2. Stunde und einmal in der 4. und 5. Stunde angeboten, je nachdem, wann die Sportler trainieren.

Vor der Schule bereits zum Training

Auch die Ruderer müssen früh raus auf das Wasser, „gerade im Sommer, weil dann der Bootsverkehr noch nicht so stark ist“, wie Maren Völz erzählt, die gleichfalls das Internat nutzt, wo die monatliche Miete 40 Euro beträgt, dazu kommen 190 Euro für die Vollverpflegung in der Mensa sowie zehn Euro für Wlan. Die Silbermedaillengewinnerin bei der U23-WM im Doppelvierer wurde in der 6. Klasse wegen ihrer Größe für das Rudern ausgewählt. „Ich habe mir damals wenig darunter vorstellen können. Aber als ich dann jeden Tag Sportler wie Hans Gruhne (Olympiasieger und Weltmeister/d.R.) im Training gesehen habe, wurde mir aufgezeigt, wohin das führen kann. Ich war so immer motiviert“, meint sie.

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Brandenburgs Sportler des Jahres seit 1998. Zur Galerie
Brandenburgs Sportler des Jahres seit 1998. ©

Der Unterricht zeichne sich durch eine hohe Flexibilität aus, sagt Iris Gerloff. Das werde allein schon dadurch vorgegeben, „dass jede Sportart zu einer anderen Zeit ihre Höhepunkte hat“. Weil die Ruderer zum Beispiel ihre Titelkämpfe mitten in den Schulferien hatten, durften die WM-Teilnehmer erst zwei Wochen nach Schuljahresbeginn wieder in den Unterricht einsteigen. Jonas Huth (18) kehrte mit JWM-Gold im Achter aus Tokio zurück. Er kam aus Basdorf (Barnim) nach Potsdam. Alle Schüler sind sich einig: „Hier in Potsdam haben wir die perfekten Bedingungen.“

Auf dem Weg zu Olympischen Spielen

Während das Gros mit der siebten Klasse auf die Sportschule kommt, wechselte Jan Paul Bredau erst in der 11. Klasse dorthin. Der 20-Jährige, im Sommer U23-Europameister mit der deutschen 400-Meter-Staffel geworden und nun Mitschüler von Maren Völz in der 13. Klasse, sagt: „Die Sportschule ist ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich wäre sportlich nicht so erfolgreich und hätte sonst auch nicht das Abitur gemacht. Ich bin mit meinen Mitschülern quasi zehn Stunden am Tag zusammen, das ist wie eine zweite Familie, obwohl ich zu Hause wohne.“ Für alle sind Olympische Spiele nicht nur ein Traum, sondern ein realistisches Ziel. 2016 nahmen 16 ehemalige und aktuelle Sportschüler an den Sommerspielen in Rio teil, sieben davon brachten viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze mit.

36 Sportschüler nahmen in diesem Jahr an internationalen Meisterschaften teil, viele kehrten mit Medaillen heim.Die Fußballerinnen Mieke Schiemann, Marleen Rohde und Sophie Weidauer holten Gold bei der U17-EM. Kanute Elias Kurth siegte bei der JWM im Kajakzweier über 1000 Meter.Die paralympischen Schwimmer waren bei den European Paralympic Youth Games erfolgreich: Gina Böttcher holte dreimal Gold und einmal Bronze, Jan Schreiber zweimal Gold und einmal Bronze, Tom Meixelsberger dreimal Silber, Julian Hiersche einmal Gold.