09. April 2021 / 18:32 Uhr

Potsdamer Geher kämpfen bei der Deutschen Meisterschaft um Titel und Olympia-Tickets

Potsdamer Geher kämpfen bei der Deutschen Meisterschaft um Titel und Olympia-Tickets

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Bei der Deutschen Meisterschaft 2019 in Naumburg schaffte Nils Brembach (l.) die Olympianorm und holte auch den Titel, Christopher Linke wurde Zweiter.
Bei der Deutschen Meisterschaft 2019 in Naumburg schaffte Nils Brembach (l.) die Olympianorm und holte auch den Titel, Christopher Linke wurde Zweiter. © Philipp Pohle
Anzeige

Die Geher Christopher Linke, Nils Brembach, Hagen Pohle und Saskia Feige fahren zur Deutschen Meisterschaft in Frankfurt. Während Linke sein Olympia-Ticket schon sicher hat, müssen die anderen drei noch einmal ihre Zeiten bestätigen - obwohl zwei bereits die Olympia-Norm geschafft haben.

Die Wartezeit schien fast unendlich lang. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha im Oktober 2019 bestritt Nils Brembach seinen letzten Wettkampf. 16 Monate später ist die schier endlose Wartezeit vorbei, bei der Deutschen Meisterschaft im Straßengehen am Sonnabend (9.30 Uhr) in Frankfurt tritt der Falkenseer wieder bei einem Wettkampf an. „Es war schon eine lange Durststrecke, weil man sich gar nicht mehr mit anderen messen konnte“, erzählt der 28-Jährige. „Das ist eine wichtige Standortbestimmung, um zu sehen, wo man steht und was man drauf hat. Und wir können testen, ob das, was wir in den letzten fast anderthalb Jahren extra umsetzen konnten, auch im Wettkampf anschlägt.“

Anzeige

Brembach und sein Trainer Ronald Weigel, selbst Weltmeister 1983 über die 50-Kilometer, hatten vor allem im vergangenen Sommer im athletischen Bereich und an der Grundlagenausdauer gearbeitet. Das alles hätte er gerne schon in der Spätsaison im vergangenen September und Oktober ausprobiert, doch weil neue Quarantäne-Bestimmungen erlassen wurden, verzichtete er auf einen Start in Tschechien. Auch in der Vorbereitung machte er Abstriche, statt zwei Höhentrainingslagern in Südafrika gab es nur ein Trainingslager auf Gran Canaria, sonst habe er sich „auf Meereshöhe“ vor allem in Potsdam vorbereitet. „Ich will da auf jeden Fall nicht die Schuld auf ein fehlendes Höhentrainingslager schieben, falls es nicht läuft. Die Bedingungen sind wie sie sind, die muss man akzeptieren und das Beste daraus machen“, sagt Brembach.

Brembach hat gutes Gefühl

Zumal er sowieso ein ganz gutes Gefühl habe: „Wenn ich mich selbst einschätze, liefen die letzten Wochen sehr gut, sowohl im Ausdauerbereich als auch in der Geschwindigkeit. Das hat sich schon im Training bemerkbar gemacht, was in meinen Beinen steckt“, sagt Brembach, der als Titelverteidiger nach Frankfurt reist, nachdem er 2019 den DM-Titel im Schneetreiben von Naumburg gewinnen konnte und die DM 2020 ausfiel.

Bei der Meisterschaft vor zwei Jahren knackte Brembach auch die vom Deutschen Leichtathletik-Verband vorgegebene Olympianorm von 1:21 Stunden über die 20 Kilometer. Wegen der coronabedingten Verschiebung der Spiele in Tokio auf dieses Jahr muss er die Leistung allerdings noch einmal bestätigen und bis zum 29. Juni eine Zeit von 1:22:30 Stunden nachlegen. „An sich kann ich das nachvollziehen, dass man nicht jemanden schicken will, der vor zwei Jahren eine Top-Zeit hingelegt hat, aber seither dann Urlaub gemacht hat“, sagt Brembach, der allerdings die nachträgliche Änderung der Nominierungskriterien nicht unbedingt glücklich findet. Allerdings: „Ich müsste im Stande sein, die Zeit gehen zu können“, sagt er über den aktuellen Formstand, „es wäre natürlich absolut komfortabel, wenn ich das schon in Frankfurt von meiner To-do-Liste abhaken könnte.“

Linke hat Ticket schon sicher

Insgesamt dürfen jeweils drei deutsche Geher über die 20 Kilometer bei den Olympischen Spielen starten, sein Vereinskollege vom SC Potsdam, Christopher Linke, hat das Ticket als WM-Vierter von 2019 bereits sicher. „Christopher wird versuchen, auf Sieg zu gehen“, kündigte Trainer Ronald Weigel an. Seine Potsdamer Vereinskollegin Saskia Feige ist wie Brembach Titelverteidigerin und muss ebenfalls ihre bereits erfüllte Norm noch einmal bestätigen. „Sie hat ganz gut trainiert, auch wenn sie immer mal wieder ein paar Probleme mit dem Rücken hatte“, sagt Weigel.

Als vierter Olympiakandidat hat Hagen Pohle hat die 20-Kilometer-Norm dagegen noch nicht geknackt, der 29-Jährige hatte sowieso eher auf die 50-Kilometer-Strecke gesetzt. Beim Wettkampf in Dudince/Slowakei im März verpasste er die Norm von 3:50 Stunden aber um knapp fünf Minuten. „Bis Kilometer 42 lag ich noch unterhalb der Norm“, erzählt Pohle, doch anschließend baute er ab. In Frankfurt startete er nun über die 20 Kilometer. „Da ich vor drei Wochen erst die 50 Kilometer gegangen bin, ist es utopisch, die Olympianorm zu schaffen. Ich will versuchen, vorne mitzugehen“, sagt Pohle.


Insgesamt zwölf Potsdamer am Start

Bei der Deutschen Meisterschaft im Gehen in Frankfurt sind insgesamt zwölf Potsdamerinnen und Potsdamer dabei, die damit das größte Aufgebot gemeldet haben. Bei den Männern starten Nils Brembach, Hagen Pohle und Christopher Linke, bei den Frauen Saskia Feige. Johannes Frenzel, Jakob Johannes Schmidt (U23, 20 km), Mathilde Frenzl, Alina Leipe (U20, 10 km), Frederick Weigel (U18, 10 km) und Lena Sonntag (U18, 5 km). Lena und Sina Riedel (ASV Erfurt) trainieren ebenfalls am Bundesstützpunkt Potsdam.