27. August 2020 / 14:30 Uhr

Präsenz-Probleme in Barsinghausen: Spieler erscheinen nicht zum Training oder Spiel

Präsenz-Probleme in Barsinghausen: Spieler erscheinen nicht zum Training oder Spiel

Jens Niggemeyer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dominik Hänel (links, gegen  Eldagsens José Rubén Pérez)  gehört zu den fleißigen  Youngstern im TSV-Team. 
Dominik Hänel (links, gegen Eldagsens José Rubén Pérez) gehört zu den fleißigen Youngstern im TSV-Team.  © Stefan Zwing
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In der Vorbereitung des Landesligisten TSV Barsinghausen ziehen bislang nicht alle Spieler voll mit, sogar Trainer Dennis Herrmann musste in einem Testspiel mit auf dem Platz stehen. Das interne Regelwerk ist deshalb verschärft worden. 

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Dass fünf Spieler des letztjährigen Kaders nicht mehr zur Verfügung stehen, darunter mit Tobias Kienlin der Kapitän sowie mit Dennis Mehrkens und Marvin Körber zwei Altgediente, die in den vergangenen zwölf Jahren zu den absoluten Leistungsträgern des Teams zählten, empfindet Dennis Herrmann als bitter. „Aber das gehört letztlich zum Geschäft“, sagt der Coach des Landesligisten TSV Barsinghausen. „Wir müssen zusehen, dass wir das kompensieren.“

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Es würde ihm auch keine großen Kopfschmerzen bereiten, wenn „wir immer 22 Mann im Training hätten“, denn die generelle Qualität im Kader sei weiterhin „richtig gut“. Doch die Präsenz während der bisherigen Übungseinheiten der Saisonvorbereitung habe arg zu wünschen übrig gelassen. „Die ersten vier Wochen waren nicht zufriedenstellend“, moniert Herrmann. „Unser Problem ist nicht das Potenzial, sondern die fehlende Anwesenheit.“

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Das sei sogar so weit gegangen, dass das Trainerteam sich Gastspieler und potenzielle Kandidaten für die Zukunft dazu geholt habe, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Bei der 3:5-Niederlage gegen den MTSV Aerzen hätten ihm nur sieben Spieler der ersten Mannschaft zur Verfügung gestanden. „Es mussten uns Jungs aus der Zweiten und ­einige Spieler von den ­A-Junioren helfen, sogar ich habe eine halbe Stunde auf dem Platz gestanden.“

Mehr Gäste als Spieler der Ersten

Das Kräftemessen gegen den TSV Kolenfeld habe er ganz absagen müssen, weil es nicht zu einer Startelf gereicht habe. Auch im Duell gegen den HSV BW Tündern am vergangenen Wochenende (0:3) fehlten ihm elf Mann, darunter alle Innenverteidiger. „So ein Test gegen einen Oberligisten ist normalerweise ein Highlight. Das ist schon schade.“ Der absolute Tiefpunkt sei allerdings eine Übungseinheit gewesen: „Da hatten wir mehr Gäste auf dem Platz als Spieler der Ersten.“


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Diejenigen, die unter der Woche trainieren, gäben Vollgas, relativiert Herrmann, „aber es sind zu wenige“. Deshalb sei es Stand jetzt so: „Wir haben derzeit noch kein Landesliga-Niveau.“ Maßnahmen wurden schon ergriffen: „Wir haben viele Gespräche geführt, einzeln und im Kreis der Mannschaft.“ Zudem sei das interne Regelwerk verschärft worden. „Dabei geht es vor allem um die Form und die Gründe für Absagen von Training und Spielen.“ Des Weiteren sei Im Training die Intensität deutlich erhöht worden.

Drei Neue sind "Glücksfälle"

Quasi auf den letzten Drücker sind mit Keeper Tim-Liam Freund (SV Ramlingen/Ehlershausen) sowie den beiden Offensivspielern Igor Artamonov (SG Blaues Wunder) und Atakan Cicin (Werder Hannover) noch drei „Neue“ verpflichtet worden. „Das sind echte Glücksfälle für uns“, schwärmt Herrmann. Freund sei ein sehr talentierter Keeper, Artamonov ein schneller Offensivallrounder und Cicin ein technisch enorm versierter Youngster.

„Man sieht, dass Atakan in der Jugend hoch gespielt hat.“ Nicht zuletzt die Neulinge und die jungen Wilden, die im vergangenen Sommer dazu gestoßen waren, wie Florian Nolte, Noah Herhaus, Dominik Hänel und Mustafa-Furkan Cinar, seien bislang auffallend trainingsfleißig gewesen. „Das sind alles junge Bengels, die sind heiß auf Fußball, machen Druck und haben eine Top-Einstellung“, lobt Herrmann. „Unterm Strich steht aber die komplette Mannschaft in der Pflicht, deutlich nachzulegen, um der Landesliga gewachsen zu sein.“

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Zwei weitere Co-Trainer

Die gute physische Grundfitness und die generelle Einstellung seiner Mannen gäben ihm jedoch Hoffnung, dass der Aufholprozess nicht allzu lange dauern werde: „Zum Glück haben wir noch über eine Woche und attraktive Testspiele.“ Allerdings sei jetzt schon klar, dass ihm zu Saisonbeginn vier Urlauber fehlen werden. „Überhaupt werde ich die Jungs während der Hinrunde nie komplett zur Verfügung haben.“ Deshalb sei es wichtig, „dass die angeschlagenen Spieler schnell fit werden und wir keine schwere Verletzungen verdauen müssen“.

Extrem positiv sei, dass mit Toni Pagano und Sören Blunk zwei weitere Co-Trainer den „Staff“ verstärken würden. „Die bringen richtig Know-how mit, haben echt gute Ideen, sorgen für neue Reize und frische Impulse. Davon erhoffe ich mir noch mehr Intensität und Qualität im Training und einen Motivationsschub.“

"Wollen uns taktisch weiter verbessern"

Außer Kienlin (1. FC Germania Egestorf/Langreder), Mehrkens (TSV Goltern) und Körber (jetzt Manager) kann der Coach künftig auch nicht mehr auf Tobias Zak (hört berufsbedingt auf) und Marvin Bialucha (Studiengründe) zurückgreifen. Alles in allem freut sich Herrmann auf die Punktspiele: „Wir haben einen 25er-Kader. Und unser Ziel ist es, an die starke Hinrunde des letzten Jahres anzuknüpfen.“

Wichtig werde es sein, dass die Spieler sich ihre Spielfreude und ihre Lust auf Fußball nicht nur erhalten, sondern noch ausbauen. „Wir bemühen uns auch, uns taktisch weiter zu verbessern, damit wir unterschiedliche Grundordnungen beherrschen“, sagt der Coach, der mit Blick auf das Defensivverhalten mehr Kompaktheit und Kompromisslosigkeit als wünschenswert erachtet.

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Neuer Modus ist reizvoll

Den neuen Modus mit zwei Zehnerstaffeln sowie einer Aufstiegs- und Abstiegsrunde empfinde er als reizvoll: „Das ist mal eine Abwechslung.“ Ein Traum wäre natürlich, unter die ersten drei zu kommen, damit einem das Zittern um den Klassenerhalt erspart bleibe. „Aber das ist extrem schwierig angesichts der Qualität der Konkurrenz.“ Den SV Bavenstedt halte er für den Titelaspiranten Nummer eins,„im Grunde sind aber alle auf Augenhöhe“.

Und wenn die Deisterstädter nicht unter die Top-Drei kommen sollten, werde es knallhart: „Von 13 Mannschaften in der Abstiegsrunde müssen sechs runter in die Bezirksliga – das ist schon ein Brett.“