10. April 2020 / 20:04 Uhr

Premier League Inside: Wie die Spieler in der Corona-Krise um ihr Image kämpfen 

Premier League Inside: Wie die Spieler in der Corona-Krise um ihr Image kämpfen 

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Unter Führung von Liverpool-Kapitän Jordan Henderson stellten die Spieler der Premier League eine Corona-Stiftung auf die Beine.
Unter Führung von Liverpool-Kapitän Jordan Henderson stellten die Spieler der Premier League eine Corona-Stiftung auf die Beine. © imago images/GEPA Pictures
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Die Profis der Premier League haben einen Corona-Hilfsfonds gegründet, mit dem das Gesundheitssystem unterstützt werden soll. Das bringt mehr als ein pauschaler Gehaltsverzicht. Wie ernst es den Fußballern mit ihrer Hilfsbereitschaft ist, muss sich allerdings noch zeigen, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Matt Hancock war zufrieden mit sich, das war deutlich herauszulesen aus dem Tweet, den er am Mittwochabend absetzte. “Ihr leistet Euren Beitrag”, rief der englische Gesundheitsminister den Spielern der Premier League zu. Genau so hatte er es eine Woche vorher gefordert, als er die Profis der reichsten Fußball-Liga der Welt angesichts des Corona-Notstands zum Gehaltsverzicht aufgerufen hatte

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Jetzt betrachtet er es offensichtlich als Reaktion auf seinen Appell, dass die Spieler eine Stiftung mit dem Namen “Players Together” gegründet haben und damit Geld für den nationalen Gesundheitsdienst NHS sammeln wollen. Doch damit liegt Hancock falsch.

Die Profis hatten sich unter der Führung von Liverpools Kapitän Jordan Henderson und Manchester Uniteds Spielführer Harry Maguire offenbar schon vorher Gedanken über einen gemeinsamen Spendentopf gemacht. Nur hat es eben eine Weile gedauert, bis sie zu einer Lösung kamen.

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Diese Lösung ist jetzt da. Und sie klingt besser als ein pauschaler Gehaltsverzicht. Denn ein solcher hätte nicht der Allgemeinheit genützt, sondern in vielen Fällen nur den reichen Besitzern der Premier-League-Klubs.

Zur Erinnerung: Das sind milliardenschwere Unternehmer wie Mike Ashley bei Newcastle United oder Joe Lewis bei Tottenham Hotspur, die entschieden haben, vielen einfachen Angestellten den Lohn zu Kürzen und Personalkosten über ein Hilfsprogramm der Regierung auf die Staatskasse abzuwälzen. Der FC Liverpool kam nur deshalb nicht damit durch, weil die eigene Fan-Basis protestierte.

Mit ihrer Spenden-Initiative signalisieren die Spieler der Premier League vor allem das: Sie wollen helfen. Und sie haben keine Lust, von der Öffentlichkeit zu Sündenböcken erklärt zu werden. Es ist populistisch, dass sich Politiker wie Hancock zuletzt ausgerechnet auf Fußballer eingeschossen hatten, und nicht etwa auf Firmenbosse. Oder auf reiche Tory-Politiker.

Die Profis sind ein einfaches Ziel, weil sie schon in jungem Alter zu unfassbarem Reichtum gekommen sind, und weil sie in der Öffentlichkeit stehen. Doch sie erkennen sehr wohl an, dass sie nicht in einer Blase leben, die vom globalen Notstand verschont bleibt. Das beweist ihr Corona-Fonds.

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Die entscheidende Frage ist jetzt, wie viel die Spieler wirklich spenden. Konkrete Summen nennt “Players Together” nicht. Es stehen verschiedene Zahlen im Raum. Auch der von der Premier League angestrebte Verzicht auf 30 Prozent des Gehalts wird weiter diskutiert. Die Hilfsbereitschaft der Fußballer ist lobenswert. Wie ernst es ihnen damit wirklich ist, muss sich noch zeigen.