03. Januar 2020 / 10:42 Uhr

53 verletzte Spieler in der Premier League über die Feiertage 2019: Experten kritisieren Spielplan

53 verletzte Spieler in der Premier League über die Feiertage 2019: Experten kritisieren Spielplan

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sowohl der finnische Nationalstürmer Teemu Pukki von Norwich City (l.), als auch der französische Mittelfeldspieler Tanguy Ndombélé von Tottenham Hotspur (r., blaues Trikot) verletzten sich über die Festtage in der Premier League.
Sowohl der finnische Nationalstürmer Teemu Pukki von Norwich City (l.), als auch der französische Mittelfeldspieler Tanguy Ndombélé von Tottenham Hotspur (r., blaues Trikot) verletzten sich über die Festtage in der Premier League. © imago images/Action Plus/Focus Images/Montage
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Im englischen Fußball wird erneut eine Debatte über den Premier-League-Spielplan und die starke Belastung der Profis geführt. Mehrere Experten und Trainer kritisieren die Hektik um die Festtage scharf und warnen vor schweren Verletzungen. Allein über die Feiertage 2019 haben sich 53 Spieler verletzt.

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Alljährlich haben die englischen Vereine in der Premier League über die Feiertage am Ende des Jahres einen eng getakteten Spielplan zu bestreiten -unter anderem wird an Weihnachten und Neujahr gespielt. Daran hat es von Seiten der Vereine und von der Fédération Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels (Fifpro) wiederholt scharfe Kritik gegeben. Auslöser waren zahlreiche Verletzungen, die es über die Feiertage 2019 gegeben hat. 53 Spieler verletzten sich nur zwischen Weihnachten und Neujahr in Englands erster Liga, wie der Daily Telegraph berichtet.

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Allein beim Tabellen-13. Newcastle United verletzten sich acht Spieler, vier davon innerhalb von 20 Minuten im Neujahrs-Duell gegen Leicester City. Mit dem FC Burnley und den Wolverhampton Wanderers blieben nur zwei Vereine verschont. Der 59 Jahre alte Newcastle-Trainer Steve Bruce machte klar, er habe so etwas in seiner langen Trainer-Karriere noch nicht erlebt. Er kritisierte: "Verletzungen bekommt man, wenn man Spieler erschöpft spielen lässt. Ich habe vor einem Monat gesagt, dass es irrsinnig ist, Spieler viermal in zehn Tagen spielen zu lassen. Das ist die Konsequenz daraus."

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Die Verträge von Dortmunds Mario Götze (von links), Paris' Thomas Meunier und Chelseas Willian laufen im Sommer 2020 aus. ©

Bestätigung erhält Bruce von Verletzungs-Analyst Ben Dinnery, der den "Neujahrstag als "schrecklich" bezeichnet. Sich häufende Verletzungen zu dieser Zeit seien die unausweichliche Konsequenz aus den zusätzlichen Spielen. Man müsse die Frage danach stellen, wie die Spieler eingesetzt wurden. Jamie Vardy von Leicester City und Danny Ings vom FC Southampton vermieden Verletzungen, weil sie als Leistungsträger dennoch nicht alle Spiele über die Feiertage von Beginn an bestritten hatten.

Klopp: "Am 26. und 28. zu spielen, ist ein Verbrechen"

Auch Liverpool-Coach Jürgen Klopp, der aufgrund der Tabellensituation allen grund zu Freude hätte, sah sich erneut gezwungen, die Probleme deutlich anzusprechen. "Das ist absolut nicht ok. Kein Trainer hat Probleme mit Spielen am Boxing Day, aber am 26. und 28. Dezember zu spielen ist ein Verbrechen." Die "Reds" spielten neun Partien im Dezember - davon zwei in Katar. Der Höhepunkt: Die Klopp-Elf musste innerhalb von 24 Stunden sowohl das Viertelfinale des Carabao Cup gegen Aston Villa, als auch das Klub-WM-Halbfinale gegen CF Monterrey in Katar bestreiten und entsandte kurzerhand eine U23, die gegen Villa antrat und einen A-Kader, der mit Jürgen Klopp nach Katar reiste, um Weltmeister zu werden.

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Jürgen Klopp, Leroy Sané und Mesut Özil (von links) sind nur drei von einigen Deutschen in der Premier League. Der SPORTBUZZER präsentiert die Hinrundenzeugnisse der deutschen Premier-League-Legionäre. ©

Eine ständige Lösung solcher Probleme kann das natürlich nicht sein. Deshalb fordert der europäische Fifpro-Präsident Bobby Barnes weitreichende Maßnahmen: "Wir können das ganze nicht nur von einem nationalen Punkt aus betrachten. Wir benötigen eine gemeinsame und erwachsene Diskussion. Man spielt das Spiel nicht ohne die Spieler. Ihre Interessen müssen besser geschützt werden." Vor allem die Monate zum Jahreswechsel 2021/22, wenn zusätzlich zum Ligabetrieb die WM im November, der Afrika Cup und der Gold Cup der CONCACAF aufeinander folgen, bereiten Barnes Sorgen. "Die den Fußball lenkenden Einrichtungen, genauso wie die Klubs und Ligen, müssen auf einer globalen Basis versuchen, den Druck zu verringern", erklärte er.

Pause im Februar zu kurz und zu spät?

Vor allem im eigenen Land sieht Barnes Änderungsbedarf und fordert auch ein kulturelles Umdenken. "Wir sind in einer leicht veränderten Situation - wir haben diese Tradition, an Weihnachten zu spielen und es ist Teil unserer Kultur - aber es fühlt sich an, als sei das kein verbundenes System." Im Februar wird es die erste Pause der Saison geben. Medizinische Mitarbeiter fürchten allerdings, dass diese Pause nicht lang genug dauert und hinsichtlich der Europameisterschaft 2020 auch zu spät kommt. Als "eine sehr gute Idee und sehr stark benötigte Idee" bezeichnet Barnes die diese Pause, zweifelt aber an der Lösung weitreichender Probleme, weil damit nicht die gesamte Belastung im globalen Sinne angegangen werde.

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