06. Dezember 2021 / 19:40 Uhr

Premier League Inside: FC Liverpools Nachbar FC Everton – Wenn große Ziele und viel Geld zu wenig sind

Premier League Inside: FC Liverpools Nachbar FC Everton – Wenn große Ziele und viel Geld zu wenig sind

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Star-Stürmer Richarlison (l.) und Trainer Rafa Benitez wollen mit dem FC Everton endlich wieder erfolgreich sein. 
Star-Stürmer Richarlison (l.) und Trainer Rafa Benitez wollen mit dem FC Everton endlich wieder erfolgreich sein.  © IMAGO/Shutterstock/News Images (Montage)
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Seit Jahren scheitert der FC Everton bei dem Versuch, den Anschluss an Englands Top-Klubs zu schaffen. Die "Toffees" zeigen, dass Geld, Ambitionen und Tradition nicht zum Erfolg reichen, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Im Merseyside-Derby drehten die Fans des FC Liverpool die Zeit zurück. Sie feierten bei der Partie beim FC Everton am Mittwoch Trainer Rafael Benítez, genau so, wie sie es oft getan hatten in jener Zeit, in der der Spanier den FC Liverpool zum Gewinn der Champions League (2005) und des FA-Cups (2006) geführt hatte. Allerdings ist Benítez mittlerweile bekanntlich nicht mehr für die "Reds" zuständig, sondern trainiert seit dieser Saison Liverpools Stadtrivalen Everton. Die Gesänge aus dem Gästeblock im Goodison Park waren auch nicht als Lobpreis gemeint, sondern drückten Häme aus.

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Benítez leistet fantastische Arbeit – aber nur aus Sicht solcher Fans, die dem FC Everton Unglück wünschen. Die "Toffees" holten aus den vergangenen acht Spielen in der Premier League nur zwei Punkte und wurden im Derby von Liverpool 1:4 gedemütigt. Die ersten Zuschauer verließen den Goodison Park, eines der charmantesten Stadien Englands, schon nach 20 Minuten. Trainer Benítez musste hinterher das schlimmste denkbare Szenario diskutieren: Nein, sagte der Trainer, im Abstiegskampf befinde sich Everton nicht.

Bei kaum einem Klub im englischen Fußball liegen Anspruch und Wirklichkeit seit Jahren so dramatisch auseinander wie bei Everton. Haupteigner Farhad Moshiri trat vor fünf Jahren mit dem Ziel an, den Klub in die Champions League zu führen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro haben die "Blues" seitdem in Transfers investiert. Doch im Goodison Park zeigt sich, dass Ambitionen, Geld und Tradition – Everton ist als neunmaliger Meister einer der erfolgreichsten Vereine Englands – nicht für eine ruhmreiche Gegenwart reichen. Es braucht auch einen übergeordneten Plan, eine Strategie, die unabhängig davon verfolgt wird, wer gerade auf der Trainerbank sitzt.


Everton auf dem Transfermarkt aktiv

Das gibt es bei Everton nicht. Der Klub operiert auf dem Transfermarkt mit einem "scattergun approach", wie es in englischen Medien heißt, also nach Schrotflinten-Prinzip. Die Sun hat gerade berechnet, dass Everton zusammen mit dem dem FC Chelsea der Premier-League-Verein ist, der seit 2016 die meisten Transfers für 20 Millionen Pfund oder mehr getätigt hat, nämlich 18. Unter diesen teuren Zugängen befanden sich namhafte Spieler wie Theo Walcott, Davy Klaassen, Moise Kean oder Alex Iwobi. Keiner von ihnen hat Everton der Champions League näher gebracht.

Ähnlich verhält es sich in der Trainerfrage. Prominente Name wie Ronald Koeman oder Carlo Ancelotti versuchten sich ohne Erfolg im Goodison Park. Der zu dieser Saison angetretene Benítez ist schon der sechste Übungsleiter unter Besitzer Moshiri, und er fremdelt im neuen Umfeld nicht nur wegen der sportlichen Misere. Aufgrund seiner Vergangenheit beim Erzrivalen FC Liverpool sind viele Everton-Fans grundsätzlich gegen ihn. Der einzige Weg, um solche Vorbehalte abzubauen, sind gute Ergebnisse. Setzt sich die aktuelle Tristesse fort, ist Benítez bald der nächste Trainer, der beim FC Everton gescheitert ist.