04. April 2021 / 15:43 Uhr

Premier League Inside: Warum der beste Abstiegskandidat Europas aus Brighton kommt

Premier League Inside: Warum der beste Abstiegskandidat Europas aus Brighton kommt

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Brighton & Hove Albion kämpft trotz des attraktiven Spielstils in der Premier League gegen den Abstieg.
Brighton & Hove Albion kämpft trotz des attraktiven Spielstils in der Premier League gegen den Abstieg. © IMAGO/picture alliance/Andreas Geber/PA Images (Montage)
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Wenn man die Statistiken zu Grunde legt, müsste Brighton & Hove Albion um die internationalen Plätze mitspielen. Doch die Mannschaft um den Deutschen Pascal Groß findet immer neue Wege, Spiele zu verlieren, schreibt SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

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Brighton ist ein herrliches Seebad an der Südküste Englands, dementsprechend trägt der örtliche Premier-League-Verein den Spitznamen “Seagulls” – Möwen. Genau wie das Wappentier müsste eigentlich auch Brighton & Hove Albion hoch fliegen im Moment. Die Mannschaft um den ehemaligen Ingolstadt-Profi Pascal Groß spielt attraktiven Fußball, hat meistens mehr Ballbesitz als der Gegner und oft mehr Chancen. Ginge es nach Werten wie erwarteten Toren und Punkten (xG und xP genannt), würde die Mannschaft um einen Platz im internationalen Geschäft konkurrieren.

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Zu diesen statistischen Spielereien ein kurzer Exkurs: Sie geben – ganz grob gesagt – Auskunft darüber, wie gut oder schlecht eine Mannschaft ist, wenn man Zahl und Qualität der Chancen aufrechnet. Brighton ist den Daten zufolge ziemlich gut, doch das Problem ist, dass die entscheidenden Einheiten im Fußball immer noch Tore und Gegentore sind. Da sieht es bei Brighton schlecht aus. Die Mannschaft macht zu wenig aus ihren Gelegenheiten, kassiert zu viele einfache Treffer – und geht deshalb als Tabellen-16. (in einer Liga mit 20 Teams) in das Wochenende nach der Länderspiel-Pause.

Es ist statistisch belegt: Brighton ist der beste Abstiegskandidat Europas. Bei keiner Mannschaft in den europäischen Top-Ligen ist die Differenz bei den erwarteten und den tatsächlichen Toren und Punkten so groß wie bei den Seagulls. Nirgends liegen Theorie und Wirklichkeit so weit auseinander.

Der Verein steht in England im Mittelpunkt einer Debatte darüber, woran man eigentlich die Qualität eines Teams misst – an der Spielweise und den Chancen? Oder schlicht am Ergebnis? Während Brighton von Statistik-Fans gefeiert wird, sehen sich traditionelle Beobachter bestätigt: “Schluss mit der Daten-Besessenheit, in der echten Welt zählen nur Tore”, kommentierte neulich der Telegraph.

Die Chancenverwertung macht Brighton das Leben schwer

Brighton bietet oft eine Mischung aus Komödie und Drama. Der Mannschaft gelingt es immer wieder, Spiele zu verlieren, die man eigentlich gar nicht verlieren kann. Ein Beispiel: Gegen West Bromwich Albion Ende Februar hatten die Seagulls 70 Prozent Ballbesitz und 15 zu sechs Schüsse. Das Ergebnis: 0:1.“Ich kann nur darüber lachen, wie bizarr das Spiel war”, gestand hinterher West-Bromwich-Trainer Sam Allardyce.

Dieser wird von allen nur “Big Sam” genannt und ist ein Dinosaurier der Branche, während Brightons Coach Graham Potter als Vertreter der neuen, innovativen Schule gilt. Den schwedischen Klub Östersund führte er einst aus der vierten Liga bis in die Europa League. Um auch in Brighton erfolgreich zu sein, muss seine Mannschaft ihre Überlegenheit und die vielen Chancen in Tore und Punkte umwandeln. Sie muss die Theorie Wirklichkeit werden lassen.