11. April 2021 / 12:10 Uhr

Premier League Inside: Deshalb blüht Jesse Lingard bei West Ham United plötzlich auf

Premier League Inside: Deshalb blüht Jesse Lingard bei West Ham United plötzlich auf

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jesse Lingard ist bei West Ham United zurzeit in überragender Verfassung.
Jesse Lingard ist bei West Ham United zurzeit in überragender Verfassung. © IMAGO/Shutterstock
Anzeige

Bei Manchester United fristete Jesse Lingard ein Schattendasein, bei West Ham United blüht er auf. Seine Entwicklung steht symbolisch für den Erfolg des sensationellen Champions-League-Anwärters, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Anzeige

Jesse Lingard kam an den Ball, tief in der eigenen Hälfte, und rannte einfach los. Die Spieler der Wolverhampton Wanderers konnten ihn nicht bremsen, beinahe sah es aus, als würden sie an einem unsichtbaren Schutzschild abprallen. Als Lingard frei vor Torwart Rui Patrício stand, lupfte er den Ball leicht und traf zum 1:0 für West Ham United, am Ende der Partie vom vergangenen Montag stand es 3:2. Lingard war der Mann des Abends nach seinem Solo-Treffer, den auch Diego Maradona oder Lionel Messi nicht besser hinbekommen hätten, und setzte seine erstaunliche Verwandlung fort.

Anzeige

Bei seinem Jugendklub Manchester United stand der offensive Mittelfeldmann symbolisch für unerfülltes Talent. Diese Betrachtung ist nicht ganz fair, denn erstens ist Lingard nicht der einzige Profi, der in den vergangenen Jahren beim abgestürzten Rekordmeister enttäuschte, und zweitens vergisst man schnell, dass Fußballer auch ein Leben neben dem Platz haben. Lingards Leben war nicht einfach zuletzt, seine Mutter litt an Depressionen, er musste sich um seine jüngeren Geschwister kümmern. Das wirkte sich auf seinen Fußball aus. Manchester United baute in der Premier League zuletzt gar nicht mehr auf ihn.

Lingard ist nach Wechsel von ManUnited Schlüsselspieler

Seit seiner Ausleihe zu West Ham Ende Januar ist Lingard ein anderer. Er ist plötzlich Schlüsselspieler und hat entscheidenden Anteil daran, dass die Hammers als Tabellenvierter sensationell um den Champions-League-Einzug spielen. Gegen Wolverhampton erzielte er im achten Einsatz sein sechstes Tor und leistete zudem seine vierte Vorlage. Sogar in der Nationalmannschaft gab er gerade sein Comeback und ist plötzlich wieder EM-Kandidat. Lingard ist im Moment die Feel-Good-Geschichte des englischen Fußballs.



Der Grund für seine Verwandlung: Trainer David Moyes baut auf ihn, schenkt ihm Selbstvertrauen, gibt ihm die Möglichkeit, wieder mit Freude Fußball zu spielen. Manchmal passt ein Spieler zu einer bestimmten Zeit einfach besser zu dem einen Klub als zu dem anderen. Lingard bringt genau die Eigenschaften mit, die das Gerüst für West Hams Aufschwung sind. Er arbeitet hart, stellt sich in den Dienst der Mannschaft und will es seinen Kritikern zeigen.

Das gilt auch für viele andere Profis der Hammers. Nachdem der Klub in der Vergangenheit ohne Erfolg auf große und glamouröse Namen gesetzt hatte (Tévez! Arnautovic! Chicharito!), vertraut er neuerdings weniger bekannten Spielern, die lernwillig und uneigennützig sind – und sich beweisen wollen. Letzteres trifft auch auf Trainer Moyes zu. Er war in der öffentlichen Wahrnehmung schon erledigt nach seiner unglücklichen Zeit bei Manchester United als Nachfolger von Sir Alex Ferguson. Aktuell stellt er seinen Ruf wieder her. Wie bei Lingard gilt auch für ihn, dass Erfolg nicht immer eine Frage der Qualität ist – sondern auch davon, zur richtigen Zeit beim richtigen Verein zu sein.