22. Mai 2020 / 13:39 Uhr

Premier League Inside: Die stillen Leiden des Luke Chadwick

Premier League Inside: Die stillen Leiden des Luke Chadwick

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wurde früher gemobbt: Luke Chadwick als er für Manchester United zu Beginn seiner Karriere spielte.
Wurde früher gemobbt: Luke Chadwick als er für Manchester United zu Beginn seiner Karriere spielte. © Jamie McDonald/Getty Images
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In seiner Karriere wurde Manchester-United-Profi Luke Chadwick wegen seines Aussehens gemobbt. Jetzt spricht er darüber, wie sehr ihn das belastet hat. Seine Offenheit zeigt wieder einmal, dass auch Fußballer Menschen sind. Eine wichtige Erkenntnis, schreibt SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

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Am schlimmsten war der Alltag. Beim Einkaufen fragte er sich, ob die Leute über ihn spotten würden hinter seinem Rücken. Während seine Freunde rausgingen und Spaß hatten, blieb er lieber zuhause, alleine mit seinen Leiden. Dabei lebte Luke Chadwick um die Jahrtausendwende doch eigentlich den Traum vieler junger Männer. Er spielte bei Manchester United, unter Sir Alex Ferguson und an der Seite von Weltstars wie David Beckham, Juan Sebastián Verón oder Ruud Van Nistelrooy.

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Den Grund dafür, dass sich der ehemalige englische U21-Nationalspieler zurück zog, dass er die Jahre nicht genießen konnte, die doch eigentlich die besten seines Lebens sein sollten – den hat er gerade in verschiedenen Interviews verraten. Chadwick, heute 39 Jahre alt, wurde für sein Aussehen gemobbt, für seine unreine Haut und den vorstehenden Oberkiefer. Und das nicht in den Niederungen der Sozialen Medien, wie es heute wohl der Fall wäre, sondern unter anderem in der BBC, in einer humorigen Sportsendung, die Woche für Woche Millionen Zuschauer hatte.

Lineker bittet Chadwick um Entschuldigung

Als Fußballer hatte man stark zu sein damals, man hatte solche Bösartigkeiten zu ignorieren, doch für Chadwick war das schwer. Die ständigen Angriffe auf ihn waren eine psychische Tortur. So berichtet er es jetzt.

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Für seine Offenheit bekommt er zu Recht viel Anerkennung, von Menschen auf Twitter, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, und von der englischen Medien-Öffentlichkeit. Unter anderem baten ihn die Moderatoren der BBC-Show von damals um Entschuldigung, einer von ihnen ist übrigens der allseits beliebte und nach wie vor sehr präsente Ex-Nationalstürmer Gary Lineker.

Premier League kämpft um Re-Start

Dass sich die Branche nachträglich schämt für ihren Umgang mit Chadwick, das zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben. Es zeigt, dass mittlerweile ein Verständnis dafür herrscht, dass auch Fußball-Profis Menschen sind. Es kann nicht schaden, hin und wieder daran zu erinnern, gerade im Moment, wo der Fußball einen Weg aus der Corona-Krise sucht und die Akteure dabei gerne übergeht.

In England drängt die Regierung auf die Rückkehr der Premier League, um die Laune der Nation zu heben, die Liga selbst arbeitet wegen der Fernsehgelder am Neustart. Doch prominente Profis wie Danny Rose, Raheem Sterling oder Sergio Agüero protestieren aus Angst um ihre Gesundheit. Beim FC Watford weigern sich einige Spieler, ins Training zurück zu kehren. Sie alle müssen geschützt werden. Genau so, wie Luke Chadwick in seiner Karriere Schutz verdient gehabt hätte.