23. Oktober 2020 / 19:45 Uhr

Premier League Inside: Wie zwei Ex-Bayern den FC Everton vom Lachnummern-Image befreien

Premier League Inside: Wie zwei Ex-Bayern den FC Everton vom Lachnummern-Image befreien

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
James Rodríguez und Carlo Ancelotti verhelfen dem FC Everton zu ungeahntem Erfolg.
James Rodríguez und Carlo Ancelotti verhelfen dem FC Everton zu ungeahntem Erfolg. © imago images/picture alliance/Andreas Geber/Montage
Anzeige

Dank Carlo Ancelotti und James Rodríguez führt der FC Everton die Premier-League-Tabelle an. Den Stadtrivalen des FC Liverpool zum Titelkandidaten zu erklären, wäre verfrüht. Wobei: In dieser Saison ist die Chance für einen Außenseiter günstig, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Anzeige

Das Merseyside-Derby am vergangenen Wochenende lieferte allerhand Debattenstoff. Die Kreuzband-Verletzung von Liverpools wichtigstem Spieler Virgil Van Dijk nach dem brutalen und ungestraften Einsteigen von Everton-Torwart Jordan Pickford und der vermeintliche Siegtreffer des Meisters in der Nachspielzeit, der durch den Video-Schiedsrichter annulliert wurde, waren die größten Streitpunkte.

Anzeige

In den Hintergrund geriet dabei die Tatsache, dass dieses 2:2 ein weiterer Schritt nach vorne war für den FC Everton. Die Mannschaft kam zweimal nach Rückstand zurück, verdiente sich einen Punkt und bleibt ungeschlagener Tabellenführer der Premier League. Die Saison ist noch lang, doch es ist unverkennbar, dass es bei Liverpools Stadtrivalen (die Stadien der beiden Klubs liegen nur wenige Fußminuten voneinander entfernt) aufwärts geht.

Mehr vom SPORTBUZZER

Das ist maßgeblich zwei früheren Angestellten des FC Bayern zu verdanken. Der eine ist Carlo Ancelotti, der im Dezember das Trainer-Amt bei Everton übernahm. Der dreimalige Champions-League-Sieger (zweimal mit der AC Mailand, einmal mit Real Madrid) verleiht den oft zur Lachnummer degradierten Toffees den Glanz, den sie so lange herbeigesehnt hatten.

Der andere Ex-Münchner ist James Rodríguez. Er kam zu dieser Saison ablösefrei von Real Madrid, wo er auf dem Abstellgleis gelandet war, und will bei Everton seine Karriere wiederbeleben. Entscheidender Faktor bei dem Transfer war Ancelotti, mit dem der kolumbianische Torschützenkönig der WM 2014 schon bei Real Madrid und beim FC Bayern harmoniert hatte. Auch bei Everton funktioniert die Zusammenarbeit bislang prächtig. James ist einer der besten Spieler der bisherigen Premier-League-Saison (fehlt aber am Sonntag gegen Southampton verletzt).

Trotz der Tabellenführung wäre es verfrüht, Everton zum Titelkandidaten zu erklären. Der Klub ist in den vergangenen Jahren immer wieder an überzogenen Erwartungen und mangelnder Konstanz gescheitert. Ein Platz im Europapokal wäre schon ein Erfolg für die Toffees. Einerseits. Anderseits ist die Gelegenheit in dieser Saison günstig ist für einen Außenseiter-Sieg, so günstig wie seit der Sensationsmeisterschaft von Leicester City vor vier Jahren nicht.

Titelverteidiger Liverpool ist mäßig gestartet und von Verletzungen geplagt (siehe oben). Auch die anderen vermeintlichen Meisterschaftskandidaten Manchester City, der FC Chelsea und Manchester United überzeugen nicht. Die Mehrfach-Belastung in der überfrachteten Corona-Saison ist ein zusätzlicher Nachteil für diese Klubs. Und überhaupt ist die Spielzeit bislang geprägt von Chaos und Unwägbarkeiten. Es ist also denkbar, dass sie bald kommen – die Vergleiche zwischen Everton und Leicester.