14. Mai 2021 / 18:49 Uhr

Premier League Inside: Wie Manchester Citys Reichtum zum Problem für die Liga wird

Premier League Inside: Wie Manchester Citys Reichtum zum Problem für die Liga wird

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manchester City sicherte sich in dieser Saison den Meistertitel in der Premier League.
Manchester City sicherte sich in dieser Saison den Meistertitel in der Premier League. © IMAGO / picture alliance / Andreas Geber / CHROMORANGE (Montage)
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Manchester City ist Meister, zum dritten Mal in vier Jahren. Der Scheichklub gefährdet die Ausgeglichenheit, die als Alleinstellungsmerkmal der Premier League gilt, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister. 

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Auch Jürgen Klopp hat gratuliert, höflich und ohne Bitterkeit. “Wenn man finanzielle Mittel und Fußball-Sachverstand zusammenbringt, hat man gute Chancen, etwas Besonderes zu erschaffen – das ist hier der Fall”, sagte der Trainer des entthronten englischen Meisters FC Liverpool über Manchester Citys Titelgewinn, der seit Monaten praktisch feststand und durch die Niederlage des Tabellenzweiten Manchester United (“Verfolger” wäre das falsche Wort) gegen Leicester City am Dienstag auch rechnerisch besiegelt wurde.

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Fußball-Sachverstand ist beim Champions-League-Finalisten aus dem Osten Manchesters ohne Zweifel vorhanden, vor allem in Person von Pep Guardiola, der für Klopp nach wie vor “der beste Trainer der Welt” ist. Nach der schwachen Vorsaison und dem misslungenen Start in die aktuelle Spielzeit hat der Katalane seine Mannschaft neu erfunden, mit einer deutlich defensiveren Herangehensweise und ohne echten Mittelstürmer. Zur Erinnerung: Bester Torschütze ist immer noch Ilkay Gündogan mit zwölf Treffern. Die britische Presse preist Guardiola zu Recht als Genie und vergleicht ihn schon mit Sir Alex Ferguson, dem langjährigen Titelgaranten von Manchester United.

Doch man kommt eben auch nicht an den finanziellen Mitteln vorbei, um den Erfolg von Manchester City zu erklären. Im Gegenteil: sie sind die Grundlage dieses Erfolgs. Ohne die Investitionen von Scheich Mansour aus Abu Dhabi würde Guardiola nicht bei den Citizens arbeiten, der Klub hätte nicht den wertvollsten Kader und die höchsten Gehaltskosten der Premier League. Erfolg sei angesichts des Reichtums von Manchester City “unvermeidbar”, hat der seriöse Independent gerade notiert. Das ist ein Problem für die Premier League.



Manchester City bedroht Alleinstellungsmerkmal der Premier League

Die Liga brüstet sich eigentlich damit, dass jedes Jahr eine Vielzahl von Teams Chancen auf die Meisterschaft hat. Damit setzt sich die Liga von den anderen großen Spielklassen Europas ab, wo entweder ein Klub alleine herrscht – der FC Bayern in der Bundesliga, PSG in Frankreich – oder der Kreis der Titelkandidaten sehr klein ist (Spanien, Italien). Manchester City hat gerade zum dritten Mal in vier Jahren und zum fünften Mal in zehn Jahren die Meisterschaft geholt und bedroht damit das Alleinstellungsmerkmal der Premier League.

Es müssen schon zwei Dinge zusammenkommen, damit eine andere Mannschaft Chancen auf die Premier-League-Krone hat: eine Schwächephase der Citizens und ein außergewöhnlich starker Konkurrent. Das war in der vergangenen Saison bei Liverpools Triumph der Fall. Und auch wenn mit Klopps Ensemble in der neuen Saison nach der Rückkehr von Abwehrchef Virgil van Dijk wieder zu rechnen sein dürfte und sich der FC Chelsea mit Thomas Tuchel als echter Titelanwärter in Stellung bringt – so lange bei Manchester City finanzielle Mittel und Fußball-Sachverstand zusammenkommen, wäre alles andere als ein Meister in Himmelblau eine Überraschung.