20. November 2020 / 15:48 Uhr

Premier League Inside: Warum Manchester City mit der Verlängerung mit Pep Guardiola ins Risiko geht

Premier League Inside: Warum Manchester City mit der Verlängerung mit Pep Guardiola ins Risiko geht

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hat bei Manchester City seinen Vertrag verlängert: Pep Guardiola.
Hat bei Manchester City seinen Vertrag verlängert: Pep Guardiola. © picture alliance/Andreas Geber/Montage
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Pep Guardiolas Aufgabe bei Manchester City ist klar: die Meisterschaft zurück erobern und die Champions League gewinnen. Dafür braucht er einen zweiten Frühling. Mit der Vertragsverlängerung des Trainers geht der Klub ein Risiko ein, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

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Manchester City ist ein Coup gelungen in der Länderspiel-Pause. Der Klub ist stolz darauf, Pep Guardiola zur Verlängerung seines Vertrags um zwei Jahre bis 2023 bewegt zu haben. "Ich bin sicher, dass alle City-Fans meine Freude teilen", tönte Präsident Khaldoon Mubarak so, als hätte der Verein einen wichtigen Titel gewonnen.

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Der Trainer aus Katalonien hatte in den vergangenen Wochen bei Fragen nach seiner Zukunft davon gesprochen, sich einen neuen Vertrag verdienen zu müssen, doch das war nur Koketterie. Dass Manchester City weiter mit Guardiola zusammen arbeiten wollte, stand nicht in Zweifel. Unklar war nur, ob der bindungsscheue Übungsleiter sich weiter zu dem Klub bekennt.

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Dass er das getan hat, liegt an den einzigartigen Arbeitsbedingungen. Seine unmittelbaren Vorgesetzten (Vorstand Ferran Soriano und Sportchef Txiki Bigiristain) sind alte Freunde, die finanziellen Möglichkeiten dank des Reichtums von Scheich Mansour grenzenlos. Schon jetzt hat es Guardiola deshalb länger im Nordwesten Englands ausgehalten als bei seinen vorherigen Stationen FC Barcelona und FC Bayern. Sollte er seinen Vertrag erfüllen, wäre er epische sieben Jahre bei Manchester City gewesen.

Die Aufgabenstellung für den Rest seiner Amtszeit ist klar: Nach zwei Meisterschaften nacheinander ist Manchester City in der vergangenen Saison vom FC Liverpool vom englischen Fußball-Thron verdrängt worden. Dieser soll zurück erobert werden. Außerdem muss es endlich klappen mit dem Gewinn der Champions League. "Unfinished business" habe er bei Manchester City, gestand der Trainer.


Um diese Arbeit zu vollenden, benötigt er einen zweiten Frühling bei Manchester City, einen zweiten Höhepunkt seines Schaffens in der Premier League. Der erste, das waren die Jahre 2017 bis 2019 mit den beiden Titeln, einem Punkte-Rekord und dem vielleicht besten Fußball, den die Premier League jemals gesehen hat. Aktuell muss Guardiola einen Umbruch bewältigen. Wichtige Spieler wie Vincent Kompany, Fernandinho, David Silva, Leroy Sané oder Sergio Agüero sind weg oder kommen in die Jahre. Gleichwertiger Ersatz ist noch nicht für alle da.

Zweifel an Guardiolas Trainer-Kunst

Die demütigende Vorsaison mit 18 Punkten Rückstand auf Liverpool und der schwache Start in diese Spielzeit belegen den Substanzverlust des himmelblauen Ensembles. Viele von Guardiolas Transfers sind fragwürdig. Das regelmäßige Scheitern in der Champions League hat Zweifel an seiner Trainer-Kunst geweckt. Außerdem nutzt sich seine intensive Art der Personalführung irgendwann ab.

Es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn sich Manchester City nach dieser Saison von ihm getrennt hätte, um den Neuaufbau mit einem neuen Mann an der Spitze zu vollziehen. Stattdessen setzt der Verein weiter voll auf Guardiola. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Auch eine mögliche Verpflichtung Lionel Messis im kommenden Sommer wäre dafür keine Garantie. Mit der Vertragsverlängerung des Trainers geht Manchester City ein Risiko ein.