24. April 2020 / 10:46 Uhr

Premier League Inside: Die Liga muss den Einstieg von Saudi Arabien verhindern

Premier League Inside: Die Liga muss den Einstieg von Saudi Arabien verhindern

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Saudi-Arabien ist kurz davor, den Verein von Stürmer Joelinton zu kaufen. 
Saudi-Arabien ist kurz davor, den Verein von Stürmer Joelinton zu kaufen.  © picture alliance / Andreas Geber
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Trotz der Warnung von Menschenrechtsorganisationen ist Saudi-Arabien kurz davor, Newcastle United zu kaufen. Wenn die Premier League das zulässt, verspielt sie den letzten Rest gesellschaftlicher Verantwortung, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister. 

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Die Flagge Saudi-Arabiens weht schon bei Newcastle United, zumindest virtuell. Viele Fans haben ihr Twitter-Profil mit dem Banner des Wüstenstaats verziert, oft in Kombination mit einem Foto von Kronprinz Mohammed bin Salman.

Damit drücken sie ihre Hoffnung aus, dass ihr geliebter Verein nach der bevorstehenden Übernahme durch den saudi-arabischen Staatsfonds (zu 80 Prozent, britische Unternehmer sollen die übrigen 20 Prozent bekommen) endlich wieder zu einer ernst zu nehmenden Kraft im englischen Fußball wird nach 13 trüben Jahren unter dem aktuellen Besitzer Mike Ashley, und sie zeigen, dass ihnen die Bedenken ziemlich egal sind, die Medien und Menschenrechtsorganisationen wegen des nahenden Deals haben.

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Natürlich, nicht alle Newcastle-Fans sind plötzlich zu Verteidigern eines Regimes geworden, das im vergangenen Jahr nach Angaben von Amnesty International 184 Menschen hinrichten ließ und die Verantwortung für die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi übernommen hat.

Viele Anhänger mögen hin und her gerissen sein zwischen der Aussicht auf neues Geld und besseren Fußball und moralischen Erwägungen. Möglicherweise werden ein paar Fans ihre Dauerkarten kündigen. Erkennbaren Widerstand gegen die Übernahme gibt es aber nicht.

Fans können kritisch sein - auch in der Premier League

Dabei wäre die Tatsache, dass das Publikum den Deal nicht verhindern kann, noch lange kein Argument dafür, ihn zu bejubeln. Fans können kritisch sein, auch dem eigenen Verein gegenüber, auch in der Premier League. Das haben zuletzt Anhänger von Liverpool und Tottenham gezeigt, als sie ihre Klubs zur Kehrtwende bei den Staatshilfen in der Corona-Krise zwangen. Man muss nur kritisch sein wollen.

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Die Verantwortung dafür, den Pakt mit Saudi-Arabien abzuwenden, liegt allerdings nicht beim Anhang, sondern bei der Premier League. Sie muss jede Vereinsübernahme vor dem Vollzug absegnen. Und das dürfte sie auch in diesem Fall tun.

Saudi-Arabien wird kritisiert wie kaum ein anderer Staat

Wüstenstaaten mit problematischer Menschenrechtslage sind ja längst auf der Bühne des internationalen Sports etabliert, richten Weltmeisterschaften und Formel-1-Rennen aus oder besitzen Fußball-Vereine wie Paris Saint-Germain (Katar) und Manchester City (Vereinigte Arabische Emirate).

Saudi-Arabien allerdings wird so heftig kritisiert wie kaum ein anderer Staat. Sollte die Premier League auch hier grünes Licht geben, braucht sie künftig gar nicht erst versuchen, gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein für sich zu reklamieren.