26. November 2021 / 10:34 Uhr

Premier League Inside: Warum Ralf Rangnick eine gute Lösung für Manchester United ist

Premier League Inside: Warum Ralf Rangnick eine gute Lösung für Manchester United ist

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ralf Rangnick 
Ralf Rangnick  © IMAGO/picture alliance/Andreas Geber/Jan Huebner (Montage)
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Die laut Medienberichten kurz bevorstehende Verpflichtung von Ralf Rangnick ist eine gute Entscheidung von Manchester United – eine, die man dem Verein nicht zugetraut hätte, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Der Respekt der englischen Öffentlichkeit für Ralf Rangnick ist enorm. Das zeigt schon der Titel, den ihm die Medien auf der Insel gegeben haben. “Godfather of Gegenpressing” – so nennen sie den 63 Jahre alten Fußball-Professor, der laut The Athletic als Interimstrainer die Saison von Manchester United retten und dem englischen Rekordmeister danach als Berater erhalten bleiben soll. Rangnicks Name schwebte schon eine Weile über Old Trafford, dennoch kommt seine Verpflichtung überraschend. Sie ist eine Personalentscheidung, wie man sie bei Manchester United nicht mehr gewohnt war seit einiger Zeit: schlau, ambitioniert und mit Aussicht auf Erfolg.

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Der Klub lag in den vergangenen Jahren konsequent daneben mit seinem Führungspersonal, das lässt sich am besten auf der Trainerposition beobachten. Dem ewigen Sir Alex Ferguson folgte vor acht Jahren David Moyes, der eine Nummer zu klein war für die gigantische Aufgabe. Danach kamen Louis van Gaal und José Mourinho – große Namen, die den Höhepunkt ihres Schaffens längst überschritten hatten. Ole Gunnar Solskjaer qualifizierte sich für den Job alleine durch seinen Status als Vereinslegende aus seinen Tagen als Super-Joker und Bayern-Schreck. Das irrlichternde Experiment ging mit der 1:4-Pleite am vergangenen Wochenende beim FC Watford zu Ende.

Rangnick bringt die Eigenschaften mit, die Manchester United braucht – er ist innovativ, detailversessen und fordernd. Man darf gespannt sein, wie er Cristiano Ronaldo dazu bringen will, sich an Pressing und Abwehrarbeit zu beteiligen. Insgesamt aber hat Rangnick das Zeug, den hochwertig besetzten Kader von Manchester United wieder in die Spur zu bringen. Die Qualifikation zur Champions League ist für den aktuell auf dem achten Tabellenplatz befindlichen Rekordmeister noch in Reichweite. In der aktuellen Ausgabe der Königsklasse steht der Klub schon als Achtelfinalist fest. In einer ähnlichen Lage übernahm Thomas Tuchel im Januar den FC Chelsea. Das Ende ist bekannt. Bei Uniteds Besuch am Sonntag an der Stamford Bridge sitzt Rangnick übrigens noch nicht auf der Bank.

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Vor allem seine Verpflichtung über die Saison hinaus ist ein Coup für Manchester United. Der Klub leidet unter einem dramatischen Mangel an Fußball-Sachverstand auf der Führungsebene. Der zum Jahresende ausscheidende Geschäftsführer Ed Woodward wird in Englands Medien dafür verspottet, auf der ganzen Welt lokale Marketing-Partner für den Verein zu akquirieren, während das sportliche Kerngeschäft verkümmert. Dieses Kompetenz-Vakuum könnte Rangnick füllen, entweder zusammen mit den vergleichsweise neuen Direktoren Darren Fletcher und John Murtough, oder in übergeordneter Funktion. Fest steht, dass Rangnick eine gute Entscheidung von Manchester United ist – eine, die man dem Verein nicht zugetraut hätte.