15. Januar 2022 / 13:22 Uhr

Premier League Inside: Warum Englands Öffentlichkeit schon an Ralf Rangnick zweifelt

Premier League Inside: Warum Englands Öffentlichkeit schon an Ralf Rangnick zweifelt

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Unter Ralf Rangnick läuft es fußballerisch gesehen für Manchester United noch nicht besser als zuvor unter Ole Gunnar Solskjær, analysiert SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.
Unter Ralf Rangnick läuft es fußballerisch gesehen für Manchester United noch nicht besser als zuvor unter Ole Gunnar Solskjær, analysiert SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister. © IMAGO / PA Images (Montage)
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Ralf Rangnicks Revolution bei Manchester United stockt. Der Fußball ist mau, die Probleme die gleichen wie unter Vorgänger Ole Gunnar Solskjaer. Rangnicks Arbeit wird dadurch erschwert, dass er im internationalen Vergleich eher unbekannt ist, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Die englische Bezeichnung für Interimstrainer lautet “caretaker manager”, und wenn man im Wörterbuch nach der Übersetzung für “caretaker” schaut, dann findet man dort: Hausmeister, Betreuer, Verwalter. Genau das – verwalten – macht Ralf Rangnick in seinen ersten Wochen als Interimstrainer bei Manchester United. Er verwaltet das, was sein Vorgänger Ole Gunnar Solskjaer ihm hinterlassen hat. Die Ergebnisse haben sich zwar verbessert mit vier Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage in sieben Spielen, ein spielerischer Fortschritt ist aber nicht zu erkennen.

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Englands Rekordmeister tritt weiterhin uninspiriert und ohne definierbaren Stil auf, die Partien im Old Trafford sind freudlose Veranstaltungen, nur einmal unter Rangnick schoss die Mannschaft mehr als ein Tor – beim 3:1 gegen Abstiegskandidat FC Burnley. Das United-Publikum ist nicht sonderlich beeindruckt von Rangnick, und die berüchtigte Inselpresse hegt schon den Verdacht, dass es sich bei seinem Ruf als “godfather of gegenpressing” um Markenschwindel handeln könnte.

"new manager bounce" schnell wieder verpufft

Natürlich – der komplizierte Start des Übergangstrainers schließt nicht aus, dass sein bis zum Ende der Saison geplantes Engagement bei Manchester United ein Erfolg wird. Sollte der Klub allerdings auf einen “new manager bounce” gehofft haben, wie es in England heißt, also auf einen kurzfristigen Aufschwung durch den Wechsel auf der Trainerbank, so ist dieser verpufft. Unter dem neuen Mann hat der Verein alte Probleme.


Das Pressing funktioniert nicht wie gewünscht, Schlüsselspieler sind außer Form, die Integration von Jadon Sancho bleibt schwierig. Siege sind eher Zufallsprodukte, dafür war das jüngste 1:0 im FA Cup gegen Aston Villa das beste Beispiel. United war unterlegen und hatte Glück, dass dem Gegner zwei Treffer aberkannt wurden. An diesem Samstag im Premier-League-Duell hat Steven Gerrards Mannschaft umgehend die Chance zur Revanche.

Rangnick ist kein Van Gaal, Mourinho, Conte oder Zidane

Rangnicks Arbeit wird dadurch erschwert, dass er kein großer Name ist im internationalen Geschäft, kein Van Gaal, Mourinho, Conte oder Zidane. Als Manchester United den Deutschen zum Übergangstrainer machte, musste mindestens ein Profi seinen Namen angeblich googeln. Ohne einen Vorschuss an Respekt aus dem Spieler-Lager ist es für jeden Trainer schwierig, einen dysfunktionalen Kader voller Super-Egos zu befrieden. Die Öffentlichkeit ist ungeduldiger mit Rangnick als sie es bei einem Coach wäre, der bei seinen vorherigen Stationen Trophäen-Schränke gefüllt hat. Rangnick hat sich einen Namen gemacht als Vordenker des Spiels und als Architekt bei den Fußball-Projekten Hoffenheim und Leipzig, nicht als Seriensieger und Star-Dompteur.

Immerhin hat der “caretaker manager” gerade Zuspruch erhalten vom wichtigsten Mann im Imperium von Manchester United, dem größten aller Stars: “Er braucht Zeit, aber ich glaube, dass er einen guten Job machen wird”, sagte Cristiano Ronaldo.