01. Mai 2021 / 17:01 Uhr

Premier League Inside: Von der Lachnummer zum Helden könnte es für Timo Werner schnell gehen

Premier League Inside: Von der Lachnummer zum Helden könnte es für Timo Werner schnell gehen

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Timo Werner leidet beim FC Chelsea derzeit unter einer Abschlussschwäche.
Timo Werner leidet beim FC Chelsea derzeit unter einer Abschlussschwäche. © IMAGO/Clive Rose/PA Images (Montage)
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Mit seiner Abschlussschwäche wird Timo Werner zum Gespött in England. Dabei macht er viele Dinge richtig. Bei Chelseas Saisonfinale könnte er wichtig werden, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

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Mittlerweile kommen die Attacken schon aus dem engsten Umfeld seiner Kollegen. Timo Werner hat beim 1:1 des FC Chelsea im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid eine Großchance vergeben – wieder einmal. Die englische Presse wundert sich über die Abschlussschwäche des deutschen Nationalspielers, die längst in YouTube-Zusammenschnitten (“Timo Werner MASTERCLASS miss Compilation”) zu bestaunen sind, und Thomas Tuchel ist genervt von den ständigen Fehlschüssen des 53-Millionen-Euro-Zugangs aus Leipzig: “Nicht hilfreich” sei Werners Unzuverlässigkeit vor dem Tor, sagte der Trainer nach dem Remis in Madrid.

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Die überraschendste Kritik präsentierte allerdings Isabelle Silva, die Frau von Chelsea-Verteidiger Thiago Silva. Während der Partie postete sie bei Instagram ein Video, in dem sie sich sichtbar aufgebracht über Werner beklagte: “Ich weiß nicht, warum er das Tor nicht macht!” Das weiß Werner vermutlich selbst nicht. Sein Einstand bei Chelsea war eigentlich gut, in den ersten acht Premier-League-Partien schoss er vier Tore – danach allerdings kam ihm die Genauigkeit abhanden. Sein Treffer zum 1:0-Erfolg am vergangenen Wochenende bei West Ham United war sein erstes Tor seit mehr als zwei Monaten, doch auch dieses Erfolgserlebnis wurde durch eine spektakulär vergebene Gelegenheit überschattet. Mit 17 ausgelassenen Großchancen liegt Werner in dieser wenig schmeichelhaften Wertung auf dem zweiten Platz in der Premier League.

Der Hype, der bei seiner Ankunft an der Stamford Bridge im Sommer geherrscht hat – er hat sich ins Gegenteil verkehrt. Werner ist auf dem bestem Weg zur Lachnummer der Saison. Allerdings wäre es unfair, ihn auf seine Abschlussschwäche zu reduzieren. Werner macht viele Dinge richtig. Er schafft Räume für die Mitspieler, hilft bei der Entstehung von Chancen, ist Chelseas bester Vorbereiter und kommt oft in gute Positionen. Dabei hilft ihm, dass er unter Tuchel eine zentralere Rolle spielt als unter dessen Vorgänger Frank Lampard. Werner kann sein Tempo voll ausspielen mit Läufen hinter die gegnerische Abwehr, so geschehen kürzlich beim 1:0-Erfolg im Halbfinale des FA-Cups gegen Manchester City, als er das Siegtor von Hakim Ziyech vorbereitete. Nur bei den eigenen Abschlüssen scheint Werner jegliches Selbstvertrauen zu fehlen.



Natürlich ist es zu früh, ihn als Fehleinkauf abzustempeln. Die englische Fachwelt geht davon aus, dass einfach nur der Knoten platzen muss und er dann ein echter Torjäger wird. Die kommenden Wochen bieten sich dafür an. In der Liga kämpft Chelsea um den Champions-League-Einzug, in der aktuellen Ausgabe der Königsklasse muss die Mannschaft nach der guten Vorstellung in Madrid als Geheimfavorit gelten, und dann wartet auch noch das FA-Cup-Finale gegen Leicester City – genug Chancen für Werner, um von der Lachnummer zum Helden zu werden. Die Öffentlichkeit, Trainer Tuchel und Isabelle Silva werden genau hinschauen.