06. November 2022 / 14:08 Uhr

Premier League Inside: Warum England über den Höhenflug von Tottenham Hotspur rätselt

Premier League Inside: Warum England über den Höhenflug von Tottenham Hotspur rätselt

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Pierre Emile Højbjerg (l.) schoss Antonio Contes Team in der Champions League zum Sieg.
Pierre Emile Højbjerg (l.) schoss Antonio Contes Team in der Champions League zum Sieg. © picture alliance /Andreas Geber/Imago/Shutterstock (Montage)
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Tottenham Hotspur ist in der Champions League weiter und in der Liga Dritter. Trotzdem rätselt England, wie gut die Mannschaft wirklich ist. Es gibt Grund zum Optimismus, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Die Überlegungen von Edward sind verständlich. Er sei Vater und habe wenig Zeit, schrieb er gerade an den Fußball-Podcast des Guardian. Ob es deshalb sinnvoll sei, wenn er bei den Spielen von Tottenham Hotspur künftig erst zur zweiten Halbzeit einschalte?

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Der Klub aus dem Norden Londons kultiviert die seltsame Angewohnheit, erst nach der Pause mit dem Fußballspielen zu beginnen. Bei Olympique Marseille in der finalen Vorrunden-Partie der Champions League unter der Woche lag Tottenham zum vierten Mal nacheinander nach der ersten Hälfte zurück, kam aber wie schon am vergangenen Wochenende gegen Aufsteiger Bournemouth (3:2 nach 0:2) noch zum Sieg dank eines Treffers in der Nachspielzeit. Der einstige Bundesliga-Profi Pierre Emile Højbjerg schoss Tottenham mit seinem Tor zum 2:1 als Gruppensieger ins Königsklassen-Achtelfinale.

Die Ergebnisse stimmen also für die seit einem Jahr von Antonio Conte trainierten Spurs, denn auch in der Premier League steht die Mannschaft gut da. Sie ist Tabellendritter vor namhafteren Konkurrenten wie Manchester United, dem FC Chelsea und dem FC Liverpool, der an diesem Sonntag zu Gast im schillernden Tottenham-Stadion ist. Nach dem 2:0 im (unbedeutenden) Champions-League-Spiel gegen Neapel hofft Jürgen Klopps Mannschaft, der Saison endlich eine Wende zum Guten zu geben, doch diese Zuversicht wurde schon nach dem 9:0 gegen Bournemouth, dem 7:1 gegen die Rangers oder dem 1:0 gegen Meister Manchester City enttäuscht. Liverpool taumelt weiter durch den Spielplan und ist nach Niederlagen zuletzt gegen die Abstiegskandidaten Nottingham Forest und Leeds United Tabellenneunter.

"Wussten nicht, ob wir angreifen oder verteidigen sollten"

Tottenhams Lage ist deutlich erfreulicher, doch die Vorstellungen der Mannschaft schwanken extrem. Weil die Spurs in dieser Saison kaum einmal über die vollen 90 Minuten überzeugt haben, rätselt England, wie es wirklich um die Qualität des Premier-League-Dritten bestellt ist. Auf den Punkt brachte diese Ratlosigkeit neulich das Portal Football 365: “Are Spurs good or sh*t or what?” Zwar gehört es zur Strategie von Antonio Contes Mannschaft, abwartend zu spielen, doch die vielen verschlafenen Starts in den vergangenen Wochen lassen sich unmöglich als Teil eines Plans verkaufen. Das gestand nach dem Sieg in Marseille auch der aus Barcelona geliehene Verteidiger Clément Lenglet, Schütze zum zwischenzeitlichen 1:1: “Wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt, weil wir nicht wussten, ob wir angreifen oder verteidigen sollten.”

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Tottenham-Fans sind es gewohnt, enttäuscht zu werden. Sie genießen die aktuellen Erfolge mit Vorsicht, insbesondere angesichts der verwirrenden Leistungen, die hinter den guten Ergebnissen stecken. Doch man kann den Umstand, dass die Nordlondoner oft erst spät aufwachen, auch positiv deuten. Contes Mannschaft hat die Kondition, die Klasse und auch die Mentalität, um Rückschläge zu überwinden und Rückstände in Siege zu verwandeln. Das ließ sich in der Vergangenheit nicht oft behaupten über einen Klub, für den sogar ein Adjektiv erfunden wurde – “spursy”. Es bedeutet: auf rätselhafte Weise enttäuschen, in den entscheidenden Momenten versagen. Gerade gelingt Tottenham genau das Gegenteil.

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