20. November 2021 / 13:00 Uhr

Premier League Inside: Wie West Ham plötzlich zum Spitzenteam wurde

Premier League Inside: Wie West Ham plötzlich zum Spitzenteam wurde

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
West Ham United hat sich in der Spitzengruppe der Premier League eingenistet.
West Ham United hat sich in der Spitzengruppe der Premier League eingenistet. © IMAGO/Focus Images (Montage)
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West Ham United macht sich Hoffnungen auf den Champions-League-Einzug. Das ist kein Zufall, sondern das Werk von Trainer David Moyes. Er hat den Klub nach seinen Vorstellungen geformt – und befreit sich nebenbei vom eigenen Loser-Image, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

Es geschehen wundersame Dinge bei West Ham United. Dinge, die man in den vergangenen Jahren für einen Witz gehalten hätte. Dinge wie das Interview mit Trainer David Moyes nach dem 3:2-Heimsieg gegen den FC Liverpool vor der Länderspiel-Pause. Der Fragesteller der BBC fragte allen Ernstes nach den Chancen auf die Meisterschaft, und Moyes antwortete darauf sachlich und ruhig. Er denke immer positiv, sagte der Schotte, aber als Kandidaten auf den Titel sehe er seine Mannschaft nicht. Ein realistisches Ziel sei in dieser Saison Platz vier und damit die Qualifikation zur Champions League.

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Damit sieht es gut aus. Mit dem Sieg gegen das zuvor 25 Spiele ungeschlagene Liverpool überholte West Ham den Klub von Trainer Jürgen Klopp, ist als Tabellendritter punktgleich mit Meister Manchester City und liegt nur drei Zähler hinter Spitzenreiter FC Chelsea. Die “Hammers”, wie der Verein aus dem Osten Londons genannt wird, schreiben an einer Erfolgsgeschichte, die ebenso erstaunlich wie erklärbar ist. Moyes übernahm den Verein Anfang 2020 zum zweiten Mal, führte ihn aus der Abstiegszone in der vergangenen Saison zur Qualifikation zur Europa League und bringt West Ham als dauerhaften Konkurrenten für die etablierten Kräfte im oberen Segment der Premier-League-Tabelle in Stellung.

Moyes hat die “Hammers” nach seinen Vorstellungen geformt. Der Schotte, der gegen Liverpool sein 1001. Spiel als Trainer absolvierte, verpasste der Mannschaft einen unspektakulären aber wirksamen Stil, basierend auf einer gut organisierten Defensive und einer Stärke bei Kontern und Standards. Während der Klub in der Vergangenheit mit klangvollen Namen wie Samir Nasri, Chicharito oder Marko Arnautović ins Verderben rannte, vertraut Moyes Teamspielern wie den Tschechen Vladimír Coufal und Tomáš Souček. Das alles ist wenig glamourös, aber es ist erfolgreich. Angesichts des Aufschwungs arrangiert sich das Publikum der “Hammers” sogar so langsam mit dem ungeliebten ehemaligen Olympiastadion im Londoner Stadtteil Stratford, in dem der Verein seit dem Abriss des urigen Upton Park vor fünf Jahren spielt.

Mit dem Erfolg repariert Trainer Moyes auch das eigene Image. Nach elf erfolgreichen Jahren beim FC Everton bestimmte ihn Sir Alex Ferguson einst zu seinem Nachfolger bei Manchester United, doch “The Chosen One” (“Der Auserwählte”) wurde nach nur zehn Monaten wieder entlassen. Die folgenden Engagements bei Real Sociedad und Sunderland verliefen desaströs. Selbst für West Ham schien Moyes nicht gut genug. Er übernahm den Klub im November 2017 als Feuerwehrmann zum ersten Mal, schaffte den Klassenerhalt, wurde am Ende der Saison aber wieder freigestellt. Der Verein wollte mehr Glanz an der Seitenlinie und verpflichtete Manuel Pellegrini. Als dieser Ende 2019 entlassen wurde, kehrte Moyes zurück – und muss mittlerweile Fragen nach der Meisterschaft beantworten. Kein Witz.