09. Mai 2021 / 14:11 Uhr

Premier League Inside: Platzsturm, Proteste und Co. – Wie Englands Fans nach mehr Macht streben

Premier League Inside: Platzsturm, Proteste und Co. – Wie Englands Fans nach mehr Macht streben

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sorgten zuletzt für einen Spielausfall in der Premier League: Die Fans von Manchester United.
Sorgten zuletzt für einen Spielausfall in der Premier League: Die Fans von Manchester United. © IMAGO / picture alliance / Andreas Geber / PA Images (Montage)
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Die Fans im englischen Fußball erwachen aus der Lethargie und fordern Mitsprache. Das ist gut, auch wenn es mit einer Revolution schwer wird, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.

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Natürlich gab es Stimmen, die fanden, dass das alles zu weit gegangen war am vergangenen Sonntag. Wenn die Fans von Manchester United protestieren wollten gegen die Super League, die Klubbesitzer aus den USA und den Ausverkauf des Fußballs – in Ordnung. Aber doch nicht so, mit Platzsturm, einer Blockade des Team-Hotels und der erzwungenen Absage des Spiels gegen den FC Liverpool.

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Das Problem ist: Die Fans von Manchester United protestieren seit 16 Jahren, seit der Übernahme durch die Glazer-Familie. Einige von ihnen wandten sich sogar ab und gründeten ihren eigenen Verein, den FC United, aktuell in der siebten Liga. Genützt hat es nichts. Die Glazers sind noch immer da, ohne erkennbares Interesse an der sportlichen Entwicklung oder der örtlichen, über viele Jahre gewachsenen Gefolgschaft. Wenn sich die Fans Gehör verschaffen wollten, dann ging es nur so – mit einer konkreten Beeinflussung des Spielbetriebs, in diesem Fall: der Verhinderung einer Partie.

Die Ereignisse vom vergangenen Sonntag waren der vorläufige Höhepunkt der Fan-Proteste, die den englischen Fußball erfasst haben seit dem Super-League-Putsch der sechs großen Klubs vor knapp drei Wochen. Der Anhang ist aus der Lethargie erwacht, fordert grundsätzliche Reformen und Mitsprache, sogar die Einführung der 50+1-Regel nach deutschem Modell wird debattiert, um gierige Besitzer zu entmachten.



Erneut zwei englische Klubs im Champions-League-Finale

Es wäre natürlich naiv zu erwarten, dass die Premier League ab sofort eine Wohltätigkeitsveranstaltung wird. Dafür ist das gegenwärtige, turbokapitalistische Modell viel zu erfolgreich. Nur ein Beispiel: Schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gibt es in dieser Saison ein rein englisches Champions-League-Finale mit dem Duell Chelsea gegen Manchester City (beziehungsweise: Roman Abramowitsch gegen Scheich Mansour). Sehr zur Freude der entsprechenden Fan-Lager natürlich.

Mit der Revolution im englischen Fußball dürfte es schwer werden. Trotzdem ist es gut, dass sich gerade ein kritischer Geist bei den Zuschauern entwickelt, eine Haltung, dass man nicht alles mit sich machen lässt, und das Gefühl, dass man Dinge beeinflussen kann, wenn man zusammen hält und hartnäckig bleibt. Bei Streitfragen wie Kartenpreisen oder der möglichen Rückkehr von Stehplätzen könnte das in Zukunft nützlich sein.